Vergewaltiger aus Lünen patzig vor Gericht

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Der wegen eines Sexualdelikts angeklagte 30-Jährige aus Lünen hält sich eine Mappe vor das Gesicht.

DORTMUND - Mit einem Geständnis hat vor dem Dortmunder Landgericht der Vergewaltigungsprozess gegen einen 30-jährigen Lünener begonnen. Über seinen Verteidiger ließ der Mann das Gericht wissen, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft „im Großen und Ganzen richtig seien“, zu Einzelheiten des Tatgeschehens werde er sich aber erst am nächsten Verhandlungstag äußern.

Von Lisa Moorwessel

Es war der Auftakt eines Strafverfahrens, in dessen Mittelpunkt ein einschlägig vorbestrafter Vergewaltiger steht, der durch sein bizarres Auftreten für Befremden sorgte.

Nachdem zum Prozessauftakt die zahlreich erschienenen Medienvertreter ihre Kameras abgebaut hatten, weigerte sich der Angeklagte trotzdem, den Aktendeckel wegzulegen, den er sich vors Gesichts gehalten hatte.

„Das mache ich auf keinen Fall“, verlautete von hinter der Pappmappe. Er kam damit durch. Die Richter der Dortmunder Strafkammer sind ihm großteils noch bekannt, denn hier wurde auch das erste Vergewaltigungsgeschehen vor sechs Jahren verhandelt.

Der damals 24-jährige hatte eine flüchtige Bekannte vergewaltigt und dafür fünf Jahre im Gefängnis gesessen. Erst einen Monat vor der jetzt angeklagten Tat war er entlassen worden.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte er dann in einem abgelegenen Feldweg in Dortmund-Kirchderne einer 22-Jährigen aufgelauert, die gerade ihre beiden kleinen Hunde ausführte. Die junge Frau wurde überwältigt, mit dem Tode bedroht und zu erniedrigenden sexuellen Handlungen gezwungen.

Der Vergewaltiger konnte unerkannt entkommen, wurde jedoch schnell durch einen genetischen Fingerabdruck identifiziert. Wenige Tage später konnte er nach einem groß angelegten Fahndungsaufruf und Hinweisen aus der Bevölkerung in der Innenstadt seiner Heimatstadt Lünen festgenommen werden.

Ihm droht nun wegen der erneuten Gewalttat und der enormen Rückfallgeschwindigkeit nach einer langen Haftstrafe die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung für offenkundig unbelehrbare und gemeingefährliche Schwerverbrecher.

Als Pluspunkt wird das Gericht das Geständnis des Wiederholungstäters werten – dem Opfer wurde dadurch eine belastende Zeugenaussage erspart. Im Zeugenstand berichtete hingegen die Mutter von dem bedrückenden Schicksal ihrer Tochter.

Die junge Frau, die bis Anfang vergangenen Jahres ein selbständiges und unbelastetes Leben als Floristin mit eigener Wohnung geführt hatte, erlitt im März vergangenen Jahres eine schwere psychiatrische Erkrankung, war mehrere Monate stationär in Behandlung und musste stark wirkende Psychopharmaka nehmen.

„Wir haben uns so sehr gefreut, dass es ihr nach ihrer Entlassung allmählich wieder besser ging. Doch dann passierte diese schlimme Tat und seither kann sie keinen Moment alleine sein, wartet sogar vor der Tür auf mich, wenn ich kurz im Bad verschwinde“, so die Mutter.

Der Prozess wird Anfang April fortgesetzt.

Quelle: wa.de

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