Rechtsradikales Banner beim BVB: Gericht setzt Prozess aus

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Blick in den Dortmunder Signal-Iduna-Park.

DORTMUND - Weil er im Dortmunder Stadion ein Banner mit einem mutmaßlich rechtsradikalen Slogan entrollt haben soll, sollte seit Donnerstag vor der Staatsschutzkammer des Dortmunder Landgerichts gegen einen ein 25-jährigen Lüner verhandelt werden. Am Ende des ersten Prozesstages setzte das Gericht aber überraschend den Prozess aus.

Der bislang unbescholtene Handwerker hatte nach den Ermittlungen des Staatsschutzes am 24. August vergangenen Jahres beim Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen ein fünf Meter langes Transparent auf der Südtribüne entrollt und mithilfe von mehreren anderen BVB-Fans ein bis zwei Minuten lang hoch gehalten. Auf dem tapetenähnlichen Untergrund war handschriftlich der Slogan aufgeführt "Solidarität mit dem NWDO".

Der NWDO - Nationaler Widerstand Dortmund - war erst kurz vor dem Fussballspiel vom Innenministerium NRW verboten worden, gilt als Neonazi-Gruppierung mit Kontakten zur NPD. Das Gericht will nach den Erkenntnissen des ersten Verhandlungstages nun noch weiter aufklären, ob und gegebenenfalls zu welchem Zeitpunkt der Angeklagte von dem Verbot des NWDO gewusst hat. Die Aktion wäre dann entweder als freie Meinungsäußerung oder als absichtliche Unterstützung einer verbotenen Organisation zu werten.

Verteidiger Jan Cordes behauptet, dass sein Mandant keinerlei Verbindungen zur rechtsradikalen Fanszene habe und Staatsanwaltschaft und Staatsschutz viel zu sehr über die Motive und die Gesinnung des jungen Mannes spekulieren würden. Die Vorwürfe in der Anklageschrift seien lediglich "Arbeitshypothesen der Staatsanwaltschaft".

Tatsächlich, so die Überlegung des Verteidigers, müsse auch noch einmal geklärt werden, ob die Abkürzung NWDO tatsächlich für den Nationalen Widerstand Dortmund stehe. Videoaufnahmen im Stadion zeigen auf der Südtribüne einen Mann, der ein Transparent aufrollt und zusammen mit anderen, offenbar unbeteiligten Stadionbesuchern hochhält. Ob der Mann tatsächlich der Angeklagte ist, will der Verteidiger nun auch noch weiter aufklären lassen.

Eine Überraschung gab es dann zum Ende des ersten Prozesstages. Nach den Schlussvorträgen - die Staatsanwaltschaft fordert eine Geldstrafe, Verteidigung plädiert auf Freispruch - setzte das Gericht das Verfahren aus. Nun soll weiter ermittelt werden, ein neuer Gerichtstermin steht noch nicht fest. - mw

Quelle: wa.de

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