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Hüten statt brüten

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Von: Klaus Bunte

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Storchennest mit Storch und Küken
Zwei hungrige Küken sorgen im Storchennest jetzt für regen Flugverkehr. © Martin Schemm

Das Naturschauspiel im Vogelschutzgebiet Obergraben geht in die nächste Runde: Das Storchenpaar, das sich vor einigen Wochen im eigens von den Stadtwerken errichteten Horst niedergelassen hat, brütet nicht mehr, hütet dafür aber umso mehr: Zwei kleine Köpfchen strecken ihre Schnäbelchen hungrig empor.

Wickede – Sie mit bloßem Auge auszumachen, ist fast unmöglich, schließlich liegt der Horst weit entfernt vom Aussichtspunkt am Rad- und Fußweg „Am Graben“. Den trennt zwar eine dichte Hecke vom Schutzgebiet – auf Höhe des Horsts gibt es jedoch eine schulterbreite Lücke. Die ist sehr weit entfernt vom Horst, doch da sich der Weg auf einem Höhenzug befindet, ist sie auf Augenhöhe mit dem Nest.

Als Martin Schemm über Marianne Rennebaum, Wickederin und Sachgebietsleiterin für Natur- und Landschaftsschutz der Kreisverwaltung Soest, von dem Nachwuchs hörte, zog er direkt los mit seiner Kamera samt Stativ.

Schemm ist in Wickede vor allem bekannt als Vorsitzender der Wickeder Flüchtlingshilfe „Freundeskreis Menschen helfen Menschen“, doch als Ehrenamtlicher der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (ABU) vermeldet er auf deren Homepage viele Sichtungen aus der heimischen Fauna, so auch die beiden Vögel, deren Brut auf einem Strommast im Vorjahr durch einen Sturm ihr trauriges Ende fand und durch den ein Vogel auch schwer verletzt wurde.

„Zwei Küken sind es auf jeden Fall“, hat er dank seines großen Teleobjektivs am Wochenende erkennen können, „vielleicht kommt ja noch ein drittes hinzu“, hofft er noch auf einen Spätzünder.

Die beiden so perfekt vor die Kamera zu bekommen, sei nicht ganz leicht gewesen, „denn als ich am ersten Tag da war, war der Himmel zu bedeckt, die Fotos waren nicht brauchbar. Einen Tag später habe ich nach einer Stunde Fotos gehabt mit beiden Jung- und einem Altvogel – die Eltern wechseln sich ja fleißig ab, und dann müssen die Jungvögel auch den Kopf aus dem Nest strecken, aber sie ducken sich ja immer erst einmal weg, wenn die Altvögel im Landeanflug sind“.

Am dritten Tag habe er dann das Glück gehabt, „dass der eine der beiden großen Vögel hinter mir auf dem Feld nach Nahrung suchte, der andere stand auf dem Nest. Daher konnte ich gut mitverfolgen, wann er angeflogen kommt.“

Nach einer Dreiviertelstunde gelangen ihm dann die perfekten Fotos: „Von dem seltenen Moment, da alle vier im Nest zu sehen sind, und der Fütterung.“

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