Acker zu Wohnland

Neues Bauen in Wimbern vor dem Start

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Aus Acker Bauland gemacht, den Flächennutzungsplan geändert, die Archäologen im Zaum gehalten: Für die zehn neuen Bauplätze am Feldweg hat sich die Gemeinde ordentlich ins Zeug gelegt.

Nach der Ausschreibung der Tiefbauarbeiten steht in Kürze die Sichtung der eingegangenen Angebote an: Der nächste Schritte für die erweiterte Besiedlung des Wimberner Feldweges steht vor der Tür.

Wimbern - Mit der Erschließung ist über den Sommer zu rechnen, die Bauherren könnten demnach im Herbst starten. Bis dahin wird für einige Zeit der Feldweg in Richtung Kuhlenweg für den Verkehr komplett gesperrt sein.

Unter dem Titel „3. Änderung und Erweiterung B-Plan Nr. 48 Feldweg“ wurde im bisherigen Außenbereich auf 8100 Quadratmetern landwirtschaftliche Fläche in Wohnbauland umgewandelt und dafür sogar der Flächennutzungsplan angepasst.

Damit waren die Kommunalpolitiker für die Grundstückseigentümer und Bauinteressenten über einen Schatten gesprungen, den sie sonst meiden. Zugrunde lag der Entscheidung der große Bedarf an Wohnbauflächen im südlichen Ortsteil der Gemeinde.

Bei den Erdarbeiten ist besondere Vorsicht geboten - das fordern sowohl die Archäologen als auch die Paläontologen ein. Dabei hatte die Gemeinde die ersten Forderungen der Fachbehörde zurückgewiesen. Die Archäologen wollten auf der Fläche eingentlich Bodenschürfungen machen.  

Bei dem Plangebiet handele es sich „aufgrund der Nähe zum Wimber Bach um einen siedlungsgünstigen Bereich“, hatten sie mit Blick auf die Ur- und Frühgeschichte geschrieben. Daher sei damit zu rechnen, „dass sich auch innerhalb des Plangebietes Bodendenkmalsubstanz (Siedlungsreste, Reste von Bestattungen) erhalten hat“. 

Die Archäologen des Landschaftsverbandes schlugen deshalb von einem Forscher begleitete, „wenige Baggerschnitte“ vor. Sonst nämlich könnte es „während der Bauphase zur Entdeckung von Bodendenkmälern kommen, was dann zu zusätzlichen Kosten durch Verzögerungen und Baustillstandzeiten führen würde“.

Archäologen und Paläontologen fordern ihr Recht

Solche Bodendenkmäler seien „kultur- und/oder naturgeschichtliche Bodenfunde, Mauern, alte Gräben, Einzelfunde aber auch Veränderungen und Verfärbungen in der natürlichen Bodenbeschaffenheit, Höhlen und Spalten, aber auch Zeugnisse tierischen und/oder pflanzlichen Lebens aus erdgeschichtlicher Zeit“.

Die Entdeckung sei unverzüglich anzuzeigen und mindestens drei Werktage in unverändertem Zustand zu erhalten.
Ebenso sei bei Erdarbeiten damit zu rechnen, „dass bislang unbekannte paläontologische Bodendenkmäler in Form von Fossilien (versteinerte Überreste von Pflanzen und Tieren) aus dem unteren Pleistozän angetroffen werden“. 

„Dem Hinweis wird nicht gefolgt“, hatte die Verwaltung zu den archäologischen Bedenken formuliert und sich mit den Forschern darauf verständigt, dass sich eine Gesamtuntersuchung der Fläche wegen des eher schrittweisen Vorgehens der Bauherren auf den einzelnen Bauplätzen nicht anbiete.

Immerhin berücksichtigt die Kommune in den Vorschriften für die Bauherren die Auflage, dass beim Auftreten von archäologischen oder paläontologischen Hinweisen im Rahmen der künftigen Erdarbeiten sofort die zuständigen Behörden beim Landschaftsverband einzuschalten sind. 

Übrigens genießen die Bauheren auf dem Ex-Acker am Feldweg demnächst große Gestaltungsfreiheiten. Dachform, Farbe der Dacheindeckung und Firstrichtung sowie Dachneigung werden nicht festgesetzt.

Es gilt aber die neue Satzung, mit der pro Wohneinheit zwei Stellplätze auf Privatgrund zu schaffen sind. So soll „die Erschließungsstraße ,Feldweg‘ genügend Raum für den Durchgangsverkehr und eventuellen Besucherverkehr der privaten Baugrundstücke bietet“, so die Gemeinde. 

Mit dem B-Plan können zehn eineinhalbgeschossige Gebäude, aber auch „maßvolle Häuser in einer zweigeschossigen Bauweise entstehen“, eine „optische Dreigeschossigkeit“ sei aber auszuschließen. Die maximal zulässige Bauhöhe wird bei Wohnhäusern mit geneigten Dächern auf 9,50 m und bei Flachdächern auf sieben Meter beschränkt.

Damit sollen sich die Baukörper „harmonisch in die Umgebung einpassen, sollen keine maßstabssprengenden Gebäude entstehen“, so das Rathaus. 

Zur Durchgrünung des neuen Wohngebietes mit zehn Bauplätzen auf dem bisherigen Acker „ist je Baugrundstück ein lokaltypischer, hochstämmiger Obst- oder Laubbaum zu pflanzen“, sagt der B-Plan. Wenn auf dem jeweiligen Grundstück mindestens ein vorhandener Baum mit einem Baumdurchmesser von 20 cm und mehr erhalten wird, entfällt dieses Pflanzgebot.

Zudem solle im Nordwesten im Übergang zur freien Landschaft der intensiv zu begrünende Anpflanzungstreifen aus dem bestehenden Bebauungsplan in Richtung Nordosten weitergeführt und mit standorttypischen Bäumen und Sträuchern gepflanzt werden, gibt der seit Dezember gültige B-Plan vor.

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