Afrikanische Schweinepest

Wildwald Voßwinkel: „Das Virus hier bei uns wäre der Supergau“

Frischlinge im Wildwald Voßwinkel
+
Frischlinge im Wildwald: Auch sie wären durch die Afrikanische Schweinepest gefährdet.

„Das Virus hier bei uns wäre der Supergau,“ macht Anneli Noack, Betriebsleiterin im Wildwald Voßwinkel, ihre Sorge deutlich. Gerade die aktuellen ASP-Fälle in Brandenburg würden zeigen, wie nah die Afrikanische Schweinepest gerückt sei.

Wickede/Voßwinkel - Vielen Menschen sei nicht bewusst, wie gefährlich diese Erkrankung ist und „mit welchem hartnäckigen Virus wir es zu tun haben“. Und es sei den meisten auch nicht klar, welche verheerenden Folgen ein Ausbruch tatsächlich hätte.

„Für uns im Wildwald ist unser weiträumiges Wildschweinrevier eine der Hauptattraktionen,“ so Annelie Noak über den „Wirtschaftsfaktor Wildschein“. Mit einer Fläche von weit über 500 Hektar bietet es dem Wild großflächige Äsungsflächen, Streifgebiete und Einstände. Und die Besucher haben die Möglichkeit, Schwarzwild wie in freier Wildbahn zu beobachten.

Ein Rundweg führt mitten durch das Revier – ohne Zäune zwischen Mensch und Tier. Geduldige Fans von Frischlingen, Keilern und Bachen haben so die Gelegenheit, all die vielfältigen Verhaltensweisen von Wildschweinen mitzuerleben. Eine Bache mit Frischlingen, eine Rotte zusammen im Schlafkessel, Wildschweine bei der Nahrungssuche und in der schlammigen Suhle, Rotten bei der Körperpflege und ein starker Keiler mit dichter und dunkler Winterschwarte. Das ist nicht nur für die Betriebsleiterin „faszinierend“. Ein ASP-Ausbruch in NRW wäre demnach fatal für den Wildwald als Naturerlebnispark, weil gerade das Wildschweinrevier für Tagesgäste, aber auch für viele gebuchte Programme und Veranstaltungen Anlaufpunkt sei.

Und wenn der Ernstfall eintritt? Dann könnte der Wildwald komplett dicht machen. Noak meint damit allerdings eher das historische Jagdgatter, das das Revier umgibt, aber Durchlässe für Besucher, Tiere und Forstfahrzeuge hat. Die (forst)wirtschaftlichen Einbußen wären aber enorm, denn in dem Fall käme niemand mehr durch. Daher wappnet man sich auch im Wildwald. Zum einen wird der Wildbestand wie auch sonst in Grenzen gehalten. Die Population im Jagdgatter sei zwar nicht zählbar. Die Wildschweine werden aber wie in freier Wildbahn auch im Wildwald bejagt. „Das ist wichtig, um den Bestand nicht zu groß werden zu lassen“, so Noak.

Und die Verantwortlichen setzen auf umfassende Informationen und Aufklärung. Bei der täglichen Wildhegerinformation, der „Wildschweinfütterung“ werden die Besucher nicht nur über das Wildschwein als Wildart, sondern eben auch über die Afrikanische Schweinepest informiert. Denn: „Wenn man ehrlich ist, ist die ASP menschengemacht“, so Noak. Durch entsorgte Schlachtabfälle, infizierte Nahrungsmittel, Schuhwerk, Jagdreisen und Fernverkehr sei die Viruserkrankung über Osteuropa nach Deutschland eingetragen worden. „Und bislang gibt es für diesen Virus keinen Impfstoff.“

Darum haben die Wildwald-Mitarbeiter eigene ASP-Hinweisschilder entworfen und an prominenten Stellen rund um das historische Jagdgatter aufgehängt – auch dort wo beispielsweise Wandergruppen das Revier queren. „In einfachen, verständlichen Worten und ohne allzu viel Text, geben die Tafeln einige Hinweise zur ASP und führen wichtige Verhaltensregeln auf.“ Außerdem halten sich Betriebsleiterin und Kollegenschaft fachlich immer auf den aktuellen ASP-Stand. „Die Früherkennung ist entscheidend und wichtig. Und Wachsamkeit von vielen Seiten.“

Richtiges Verhalten im Wildwald

Die Wildwald-Mitarbeiter haben Hinweisschilder entworfen, die an der Wildschweinfütterung und an verschiedenen Wanderwegen, die durch das Jagdgatter führen, aufgehängt sind. Sie informieren über die Afrikanische Schweinepest und die richtigen Verhaltenweisen. Unter anderem ist darauf zu lesen:

. Verfüttere niemals Essensreste an Tiere. Im Wildwald gilt für beide Wildreviere ein absolutes Fütterungsverbot.

. Hinterlasse keine Lebensmittelreste in der freien Natur. Bringe keine Fleisch- und Wurstwaren aus dem Urlaub mit.

. Berühre keine Tierkadaver. Falls du ein verendetes Wildschwein im Wildwald Vosswinkel findest, bitten wir um sofortige Meldung an: info@wildwald.de oder telefonisch unter 02932-97230. Funde außerhalb des Wildwaldes bitte beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz unter der Nummer 0201-714488 melden – der Bereitschaftsdienst kümmert sich um die weitere Abstimmung mit den Kommunen.

. Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung, die für Haus- und Wildschweine meist tödlich verläuft. Menschen und andere Tiere können daran nicht erkranken.

. Das ASP-Virus ist sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und bleibt auch in Lebensmitteln monatelang infektiös.

. Die Virusübertragung erfolgt durch direkten Kontakt zwischen (Wild-) Schweinen, Abfälle und indirekte Übertragung durch Mensch und Hund. Eine Infektion erfolgt daher auch über Lebensmittel, die aus dem Fleisch infizierter Schweine gewonnen wurden. Dazu gehören z.B. Salami, Schinken sowie andere schweinefleischhaltige Produkte aus Risikogebieten.

. Unachtsamkeit des Menschen gilt als Hauptübertragungsquelle der ASP.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare