Svenja Schröder auf einer Tierfarm in Afrika

Auf Tuchfühlung mit Pavianen und Geparden

+
Svenja Schröder mit den Geparden Cuma und Cessar unterwegs.

Wickede - Svenja Schröder hat sich ihren Traum einiges kosten lassen. Sie verbrachte zwei Monate auf einer Tierpflegefarm in Namibia und arbeitete dort mit. Und sie hat es zu keiner Zeit bereut.

„Paviane haben mich vorher nie interessiert. Aber dort habe ich mich in sie verliebt.“ Svenja Schröder hat ihren Traum wahr gemacht. Sie war acht Wochen lang auf einer Farm in Afrika. Die ist etwas ganz Besonderes: Sie liegt direkt unter der Milchstraße und ist eine Pflegestation für Wildtiere.

Ob Paviane, Geparde, Erdmännchen oder Meerkatze – Svenja kam mit allen auf richtig enge Tuchfühlung. Und wenn die gelernte Tierarzthelferin aus Wickede über ihre Schützlinge erzählt, kommt sie ins Schwärmen.

Doch beginnen wir mit dem Anfang: Svenjas Traum. „Ich hatte schon immer eine Faszination für Afrika“, sagt die 22-Jährige. In der TV-Serie „Das Waisenhaus für wilde Tiere“ hatte sie von der Tierpflegeinrichtung erfahren. „Da will ich hin“, sagte sie sich und brauchte eine ganze Weile, um das in Taten umzusetzen. Die Farm Harnas, 300 Kilometer östlich der Hauptstadt Windhoek, trägt sich nämlich durch einsatzfreudige Volontäre wie Svenja, Freiwillige aus aller Welt, die dafür zahlen, dort arbeiten zu dürfen. 

Nach dem Abitur am Mariengymnasium in Werl gab es für die Wickederin keinen Platz im Tiermedizin-Studium, also zog sie eine Ausbildung als Tierarzthelferin durch, arbeitete danach Vollzeit und sparte sich so das Geld für Afrika zusammen. Stattliche 450 Euro in der Woche musste sie aufbringen. „Die Summe war am Ende schon sehr hoch“, sagt Svenja. 

Dafür stand ihr auf der Farm in einer Vierer-Holzhütte ohne Strom ein Bett und ein Schrank zur Verfügung. „Man kann tatsächlich ohne Strom leben“, sollte die junge Frau später feststellen. Versorgt wurden sie und auch die andere Freiwilligen, die meisten aus Deutschland, aber auch Amerika, Norwegen, Spanien, Frankreich und China, mit drei Mahlzeiten am Tag.

Tiere verlangen volle Aufmerksamkeit

Arbeiten und Mitanpacken war ein wesentlicher Bestandteil des Aufenthaltes. Die Tiere, die auf dieser Pflegefarm landen, verlangen volle Aufmerksamkeit, um sie aufzupäppeln, regelmäßig zu füttern und auch, um sie später auf die Rückkehr in die Wildnis vorzubereiten. Die Tierkontakte waren intensiv, selbst für eine Tierarzthelferin, die den Umgang mit Tieren gewohnt ist. Aber eine Übernachtung, das sogenannte Sleepout, gemeinsam mit einem Gepard oder eine Mund-zu-Mund-Fütterung mit dem Pavian-Baby. Ekelig? Nicht für die Wickederin. Krank sei sie schließlich davon nicht geworden. „Ich bin fitter nach Hause gekommen, als ich hingefahren bin.“ 

Missen möchte sie auch nicht die internationalen Kontakte und Freundschaften, die mit dem achtwöchigen Aufenthalt einhergingen. Als sie sich im April mit ihrem Arbeitsvisum allein im Flugzeug ab Frankfurt auf den Weg über Johannesburg nach Windhoek gemacht hatte und auf der abgelegenen Farm in der namibischen Wildnis landete, war ihre „größte Muffe“, mit dem Englischen nicht klarzukommen. „Falsche Grammatik hat aber keinen gekümmert“, war sie ganz schnell diese Sorge los. „Ich bin nicht enttäuscht worden und würde jederzeit wieder hin,“ sagt sie. Klare Worte. Jetzt steckt sie aber erstmal ihren ganzen Einsatz wieder in die Arbeit in der Tierpraxis. Und die Bewerbung um den Studienplatz für Tiermedizin läuft auch.

Svenja Schröder auf einer Tierfarm in Afrika

Svenja und ihre wilden Tiere

Svenja Schröders Afrika war im wahrsten Wortsinn tierisch aufregend. Pavian Dirkie war ihr kleiner Liebling. „Paviane beißen gerne.“ Nein, sie habe die Zähne aber nie zu spüren bekommen. Sie erzählt über den kleinen Affen mit der traurigen Geschichte: Gefunden von Leute, die ihn aufziehen wollten, in Kinderklamotten steckten und am Kopf rasierten, erzählt sie. Aufmerksam gewordene Tierschützer hätten ihn die Obhut der Farm gebracht. Dirkie wuchs Svenja Schröder ans Herz.

Noch Babys dagegen waren Lettie und Angel, die dreimal täglich mit Flasche und Obst zu versorgen waren – Lausen inklusive. 

Tima, das Erdmännchen hatte ein Hautproblem; Tierarzthelferin Svenja spritzte ihm einmal in der Woche ein Medikament.

Aus der Handaufzucht sind auch Cuma und Cessar, zwei etwa dreijährige Geparde, mit denen sie auf Spaziergängen unterwegs war, um sie an ihre natürliche Umwelt, an Duftreize und Markierungen zu gewöhnen. Das sei auch das Ziel der Tierpflegefarm: die Tiere wenn eben möglich wieder auszuwildern. 

Die Pflanzenfresser seien freilaufend im Volontär-Dorf. Svenja zählt sie auf: ein Esel, zwei Impalas, Antilopen, Zebras, Giraffen, Gnus, Springböcke ... Die Pavian-Gruppen haben ihr eigenes Gehege, Geparde, Löwen, Leoparden seien im umzäunten Außenbereich untergebracht. Dorthin sei auch die inzwischen 13 Jahre alte Gepardin Pride vor einiger Zeit mit ihren beiden Jungen zurückgekehrt. „Dabei kann sie selbstständig jagen,“ erzählt Svenja, „zum Beispiel Kaninchen. Sie zieht aber offensichtlich die Fütterung vor. Geparden machen eben einfach, was sie wollen...“

Informationen zur Harnas Wildlife Foundation in Namibia gibt es auf deren Homepage: www.harnas.at und bei Wikipedia.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare