Waltringer Weg/L673

Vor Fußweg nicht besser 50 statt 70 km/h? Kreis Soest: Gibt keinen Anlass 

Weil die Autos bei der Messung nicht so schnell gefahren sind, soll an der Einmündung des Fußweges auf die Landstraße weiterhin Tempo 70 bleiben. - Foto: Hüttenbrink

Wickede – Man darf sich das auf der Zunge zergehen lassen: Statt dass der Kreis Soest ein nach gesundem Menschenverstand falsch positioniertes Verkehrsschild um einige Meter in die richtige Richtung versetzt, lässt das Amt eher sieben Tage lang Messungen durchführen und holt drei andere Behörden zusammen, um mit den daraus konstruierten Argumenten schließlich mitzuteilen, das alles so bleibt, wie es ist.

Es gebe „objektiv keinen Anlass“, etwas daran zu ändern, dass am Waltringer Weg Fußgänger unmittelbar an der Straße weiterhin den erlaubten 70 km/h bzw. 100 km/h der Autos ausgesetzt bleiben, statt hier Tempo 50 auszuweisen.

Es ist ja bisher noch nichts passiert - so mutet die Begründung an, die von „nur 18 757 Fahrzeugen“ in der Woche des Messens spricht. Die würden zudem an dieser Stelle gar nicht so schnell fahren. Angeblich hat die Messung des aus Wickede in Richtung Ense fahrenden Verkehrs rund 120 Meter nach dem Ortsschild, also dort, wo längst 100 km/h gefahren werden dürfen, nur 48,3 km/h im Schnitt ergeben.

Aus Ense in Richtung Wickede seien die Autos in Höhe des Tempo-50-Schildes im Schnitt 57,6 km/h schnell gewesen. Somit dürften sie in die 70 km/h-Strecke davor auch durchaus schneller als mit besagten 70 km/h einfahren. Daher darf man auch in Höhe des Fußweges aus der Ziegenhude-Siedlung von diesem Tempo ausgehen, da das 50 km/h-Schild erst rund 35 Meter später kommt. 

Das Schild an einen Standort vor dem Fußweg versetzen, damit den Fußgänger zumindest die passive Sicherheit des herabgesetzten Tempos zugute kommt - dafür wird vom Kreis „keine Notwendigkeit gesehen“. 

Zu den Begründungen zählt etwa der Vergleich mit Wirtschaftswegen, die außerorts auf Landstraßen münden, „die ebenfalls häufig von Fußgängern genutzt werden und ebenfalls nicht alle durch Geschwindigkeitsbeschränkungen abgesichert sind“. 

Der Kreis vergleicht hier also sporadische Querungen an Überlandstrecken mit der Frequenz von Anliegern aus einem direkt angrenzenden Wohngebiet. Und dann ist da noch der Hinweis auf die Querungshilfe über die L673: Den Spaziergängern, Freibadbesuchern und Hundeführern stünden an der Kreuzung Ziegenhude/Hövelstraße/Waltringer Weg gesicherte Querungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Abgesehen von der Frage, wie sicher die in Frage kommende östliche dieser Querungshilfen tatsächlich ist, abgesehen auch vom realistischen Blick auf ein Kind mit Ziel Freibad, das die Wahl zwischen 775 Metern Fußweg oder 1,25 Kilometern hat: Wenn es „den Anwohnern zumutbar“ ist, erst einen viertel Kilometer durch die Siedlung Richtung Westen zu marschieren, um dann über die Rollschuhbahn einen viertel Kilometer zurück in die andere Richtung zu laufen - wieso wurde dann überhaupt jene gepflasterte Fußgängerstrecke vom Georg-Nellius-Weg zum Waltringer Weg angelegt?

Mit dem Fazit, dass es wegen der „geringen Belastung“ durchaus auch möglich sei, den Waltringer Weg zwischen Fußweg und Rollschuhbahn zu überqueren, stellt die Soester Verkehrsbehörde  allen Fußgängern quasi eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Dies wohlgemerkt an einer Strecke, an der dieselbe Behörde 400 Meter weiter - und zwar in den Ort hinein - sogar eine offizielle Messstelle angelegt hat. 

Wickede hatte der Kompetenzverteilung beim Behörden-Ortstermin offenbar nicht viel entgegenzusetzen. Immerhin aber wolle die Gemeindeverwaltung „in nächster Zeit prüfen, ob nördlich des Waltringer Weges im Seitenraum vor dem Wohngebiet ein ,Trampelpfad’ mit einer wassergebundenen Oberfläche bis zum Waldweg angelegt werden kann“. Ein Trampelpad also, an dem direkt nebenan auf der Straße 70 bzw. 100 km/h erlaubt sind...

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