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Bademeister Wolfgang Menke geht in den Ruhestand

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Von: Klaus Bunte

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Bademeister Wolfgang Menke im Freibad Wickede
Wolfgang Menke nimmt Abschied vom Wickeder Freibad. © Gemeinde Wickede

Es war ein Job, in dem er immer nur am Rand stand. 15 Jahre lang war Wolfgang Menke das Gesicht am Beckenrand des Freibads in Wickede.

Wickede - Wolfgang Mekne war der Mann, der dafür sorgte, dass niemand fürchten musste, zu ertrinken. Der für die Sportler immer für einen Plausch bereitstand. Der die Jugend zum Schwimmen brachte und die Technik am Laufen hielt.

Zum Ende der Hauptsaison verabschiedete sich der 66-jährige vom Wickeder Freibad und vom Beruf, mit dem der Welveraner seine späte Erfüllung fand, in den Ruhestand.

Bademeister mahnen zwar gerne, nicht vom Beckenrand ins Wasser zu springen, Menke ist jedoch selber ein Quereinsteiger: „Nach der Schule folgte eine kaufmännische Ausbildung, dann kam die Bundeswehr. Doch die sitzende Tätigkeit war nichts für mich. Durch Zufall traf ich einen Welveraner, der als Masseur beim MSV Duisburg arbeitete, der mich schon mal mit zur Arbeit nahm, und ich merkte, dass mich dieser Job auch reizen würde. Also ging ich zum Arbeitsamt und machte eine Umschulung zum medizinischen Bademeister und Masseur.“

2005 war es, als ihm die Schwimmmeisterin im Welveraner Lehrschwimmebecken, die während einer einjährigen Renovierungszeit ihres Arbeitsplatzes in Wickede gearbeitet hatte, erzählte, dass dort eine Aufsichtskraft gesucht werde. 2005 trat das langjährige Mitglied der DLRG Welver die Stelle an.

Menke: „Ich hatte direkt zu Beginn das große Glück, mit einem Frühschwimmer ins Gespräch zu kommen, und wir hatten gemeinsame Bekannte. Das brach das Eis, und dass er in Wickede sehr bekannt war, erleichterte es mir, auch bei den anderen bekannt zu werden.“

Die vergangenen beiden Jahre waren durch die Pandemie stark eingeschränkt. Die aktuelle Saison war sehr kurz, in 2020 „wusste man gar nicht, woran man war. Nun hat es sich etwas gelockert, aber die Besucherzahlen sind ganz stark eingebrochen, gerade die Freibäder sind davon stark betroffen, erst recht durch diesen Sommer, den schlechtesten seit Jahren.“

Aktuell wechseln sich die Aufsichtskräfte im Tagesrhythmus ab, arbeiten Doppelschichten und haben den folgenden Tag frei: „Der Tag ist dann schon relativ lang, trotz Pausen. Um Viertel vor 6 fangen wir an, das heißt, um Viertel vor 5 klingelt mein Wecker, und gegen 9 Uhr abends bin ich erst wieder zuhause.“ Das Bad öffnet in drei Blöcken, in den Zeiträumen dazwischen wird Corona-gerecht gereinigt. „Wir schließen auf, überprüfen die Technik, dann kommen die ersten Badegäste, dreimal am Tag messen wir die Chlorwerte, vor einigen Jahren gab der Bauhof das Auflesen von Müll auf den Liegewiesen an uns ab, aber während Corona kommt da zumindest nicht viel zusammen“, beschreibt er seinen Alltag.

Ab und an will mal jemand ein Schwimmabzeichen ablegen. Einen besonders skurrilen Fall hatte er vor einigen Jahren, als eine Familie auf Radtour einen Blick ins Bad werfen wollte und ihn fragte, ob der achtjährige Sohnemann dort sein Silberzeichen machen könnte. Einige Wochen später tauchten Mutter und Sohn wieder auf, „und es war die längste Prüfung, die ich je hatte, mit vielen Unterbrechungen bestimmt drei Stunden.“ Schwimmen ging noch, aber mit dem Tauchen tat der Junge sich sehr schwer. Mit Hängen und Würgen und Ach und Krach konnte der völlig erschöpfte Knirps schließlich mit dem begehrten Aufnäher von dannen ziehen – und Menke stellte fest, dass Mutter und Sohn eigens dazu aus Münster angereist waren.

Dass Besucher von außerhalb kommen, weil die Zahl der Freibäder abgenommen hat, war er zwar gewohnt. Doch Menke war zu höflich zu fragen, warum das Gespann dazu nicht in ein Münsteraner Bad gegangen war. Aber die Vermutung liegt nahe, dass der Junge vermeiden wollte, dass ihn jemand, der ihn kennt, bei seinem ungelenken Gestrampel sieht und er ihm Anlass zum Hänseln geben könnte.

Immerhin, er musste ihn nicht aus dem Wasser fischen. „Zum Glück musste ich nie jemanden retten“, freut er sich, dass es nie zum Ernstfall kam, „maximal bis zur Badehose musste ich rein.“ Ansonsten galt es nur mal kleinere Verletzungen zu behandeln oder aber Insektenstiche: „Das hat in den vergangenen Jahren stark nachgelassen.“

Ein Badegast schenkte ihm mal ein Gutscheinbuch für Saunen, sodass er seiner Leidenschaft auch deutlich über die Kreisgrenzen hinaus frönen konnte. „Im Kreis Soest hat das Aquafun die schönste Anlage, aber auch Bad Sassendorf hat jetzt sehr viel in seine Therme investiert und einen Vorteil durch das Solebecken. Aber die schönste Sauna, die ich bislang je besucht habe, ist in Herford. Die hat eine Leinwand, auf die Landschaften projiziert werden.“

Dazu hat er nun noch mehr Zeit, außerdem für seine anderen Hobbys: die Fahrt zu Spielen von Borussia Mönchengladbach, Radfahren oder Skat- und Doppelkopf-Turniere, was aufgrund der aktuellen Arbeitszeiten arg kurz kam und er aufgrund einer zu geringen Zahl an Spieltagen auch schon mal aus er Wertung flog.

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