Fachmann rät

Zecken sofort entfernen,  Antibiotika nicht immer notwendig

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Volles Haus beim Fachvortrag zum Thema Zeckenbiss: Mikrobiologe und Epidemiologe Dr. Andreas Pennekamp (l.) und Allgemeinmediziner Dr. Ulrich Weber im Bürgerhaus

Wickede – Wenn's juckt, man sich eher unbewusst kratzt und plötzlich feststellt, dass sich der vermeintliche „Pickel“ seltsam unangenehm anfühlt, ist das nicht selten ein Zeckenbiss. Dann heißt es, schnell zu handeln. „Die Zecke muss sofort entfernt werden“, sagt  der Fachmediziner Dr. Andreas Pennekamp. 

Die Spinnentiere befallen den Menschen meist unbemerkt, können sich äußerst beharrlich auf der Haut halten und beißen sich an geeigneten Stellen fest.  

„Die Zecke als Überträger der Borreliose und der Frühsommermeningitis respektive Enzephalitis muss sofort mit einer Zeckenzange, Zeckenkarte oder einer Pinzette entfernt werden, bevor sich ihr Darminhalt, nachdem sie sich vollgesogen hat, in den Stichkanal ergießen kann“, sagt der Mediziner. Entscheidend sei hier klar der Zeitfaktor.

Ist es erst zum Biss gekommen, kann unter Umständen eine Therapie mit einem Antibiotikum nötig werden. Doch auch das birgt Unwägbarkeiten, wie Allgemeinmediziner Dr. Ulrich Weber beim Fachvortrag im Wickeder Bürgerhaus zur Einleitung erklärt.

Antibiotika häufig zu früh

Die Diagnosestellung sei oft gar nicht so einfach. Daher werde leider unverhältnismäßig häufig zu früh auf Antibiotika zurückgegriffen.

Dr. Ulrich Weber als 2. Vorsitzender des Bürgervereins Wickede (Ruhr) freute sich, unter der Überschrift „Zeckenbisse – konsequente Therapie und keine Panikmache!“, mit dem  Fachmediziner Dr. Andreas Pennekamp einen ausgewiesenen Fachmann präsentieren zu können. 

Der Mikrobiologe und Epidemiologe ist Leiter des Soester Labors für Mikrobiologie mit eigener Praxis. Der Fachmann macht deutlich, dass nach der sofortigen und korrekten  Entfernung der Zecke nur dann ein Antibiotikum gegen die Borreliose gegeben werden muss, wenn eine Infektion vorliege.

"Sie ist erkennbar an der charakteristischen Wanderröte (Erythema migrans) und an Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Herzrhythmusstörungen und erhöhten Borrelien-Antikörpern im Blut“, so der Referent. 

Eine Borreliose ist durch Antibiotika gut behandelbar, kann aber bei einer Fehldiagnose zu lebenslanger Herzschwäche, Organschädigungen oder in Extremfällen sogar zum Tode führen. 

Gegen die wesentlich gefährlichere Frühsommermeningitis/Enzephalitis (FSME) helfe hingegen die prophylaktische Impfung, wenn man etwa eine Reise in ein Risikogebiet plane. 

Als Risikogebiete gelten Bayern, Österreich, Ungarn, Tschechien, Bulgarien, Rumänien, Slowakei, einige Mittelmeerländer und Teile Südschwedens.

„Der Blick des Arztes ist entscheidend. Er muss aus der Anamnese und der Beurteilung der Einstichstelle sowie der Form der Hautrötung die richtigen Schlüsse ziehen“, unterstreicht Dr. Pennekamp. 

Beim Vortrag nannte er Fakten zur Anatomie und Lebensweise der Zecken sowie zur Erkennung von Borreliose-Spätsymptomen wie Gelenkentzündungen und Herzschwäche, zeigte Fallbeispiele auf und gab Gelegenheit zu Fragen.

Auch diese jüngste „Wickeder Sprechstunde“ vom Bürgerverein Wickede (Ruhr) stieß am Mittwochabend im Bürgerhaus auf große Resonanz. So mussten 2. Vorsitzender Dr. Ulrich Weber und der Referent selbst noch etliche Stühle herbeiholen, bis die über 70 Zuhörer schließlich alle Platz fanden.

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