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So will die Gemeinde den Impfstatus stärken

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Von: Martin Hüttenbrink

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Haus mit vielen Blumen davor
Im Bürgerhaus gibt’s im Dezember ein mobiles Impfangebot ohne Anmeldung. © Schoplick, Anne

Ob es der erste oder zweite Piks ist oder die Auffrischung, neudeutsch auch „boostern“ genannt: Das Impfgeschäft gewinnt vor Ort weiter an Dynamik. Zwei neue Optionen kommen hinzu: Die Praxis Höhmann beteiligt sich an einer Aktion der Kassenärztlichen Vereinigung zum „Advents-Impfen“ am 18. Dezember und die Gemeinde bietet gemeinsam mit dem Kreis am 9. und 16. Dezember Impfaktionen im Bürgerhaus, wo nur zwei Tage später die Praxis Weber/Calles/Hansen eine große Aktion mit 1000 ihrer Patienten geplant hat.

Wickede – Bei der Kooperation mit dem Kreis hat die Gemeinde bewusst die beiden Donnerstage, 9. und 16. Dezemnber, gewählt, weil dann Markttag ist und dadurch die Akzeptanz noch erhöht werden kann. Maximal 300 Impfungen können an den beiden Tagen verabreicht werden. Ohne Anmeldung werden Erst- als auch Zweitimpfungen sowie Auffrischungsimpfungen ermöglicht.

„Angeboten werden die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer (ab 12 Jahren) oder ab dem 30. November auch Spikevax von Moderna (ab 30 Jahren)“, informiert der Kreis. Ein Lichtbildausweis und falls vorhanden, der Impfausweis, sind mitzubringen, Einwilligungsbogen und Aufklärungsmerkblatt können bereits vorbereitet, ausgedruckt und unterschrieben mitgebracht werden. Und natürlich sollten etwaige beim Hausarzt verabredete Termine abgesagt werden, wenn man dieses Angebot nutzt.

Voraussetzung für den Empfang einer Impfung im Rahmen der Aktion ist zudem, dass die erste Impfserie mindestens fünf Monate zurückliegt. Das mobile Impfangebot im Bürgerhaus ist am, 9. Dezember von 10 bis 14 Uhr und am 16. Dezember von von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

Die Verantwortlichen der Gemeinde nehmen das Bürgerhaus an diesem Freitag unter die Lupe, um die Organisation des mobilen Impfangebotes vorzubereiten. Stützen werden sich die Mitarbeiter dabei auch auf die Erfahrungen der Praxis Weber/Calles/Hansen, die bereits große Impfaktionen im Bürgerhaus durchgeführt hatten.

Die Gemeinde wird die mobile Impfstation nach dem zweiten Termin am 16. Dezember auch gar nicht erst abbauen, denn zwei Tage später läuft dort die nächste große Aktion der Gemeinschaftspraxis. Immerhin rund 1000 ihrer Patienten bekommt dort dann eine Impfauffrischung. Sechs Ärzte und ein entsprechend großer Stab an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sorgt an jenem Samstag für den geregelten Ablauf. Die Aktion markliert den gegenwärtigen Ansturm auf den Piks, zumal die Praxis auch unter der Woche gegenwärtig wenigstens 300 Patienten impft.

Weiteren Rückenwind für die Immunisierung der Bevölkerung beschert eine Initiative der Kassenärztlichen Vereinigung, an der sich in Wickede die Praxis Höhmann beteiligt. Das Advents-Impfen ist ebenfalls für den 18. Dezember vorgesehen, ist aber nicht als offenes Angebot konzipiert, sondern läuft mit Anmeldung und Terminabsprache für diesen Tag.

Die Praxis Höhmann ist eigenen Infos zufolge vor Ort und in der Region unterwegs, um etwa in Einrichtungen oder auch größeren geeigneten Räumlichkeiten das Impfgeschehen zu unterstützen. Nächste Aktionen laufen am 27. November, 4. und eben am 18. Dezember, für den 11. Dezember ist ein weiterer Termin ins Auge gefasst. Für all diese Impf-Optionen ist die Anmeldung in der Praxis am Markt notwendig.

„Die Kontingentierung macht das wahnsinnig kompliziert“ – der Wickeder Hausarzt Dr. Ulrich Weber ist um eine Versachlichung des Themas bemüht. Nachdem der Bund mit seiner Bevorratungspolitik in der Bevölkerung für Verunsicherung gesorgt hat, möchte der heimische Mediziner gemeinsam mit weiteren Kollegen durch klare Informationen aufklären.

Dabei geht es insbesondere um die Frage, wer mit dem nur begrenzt verfügbaren Biontech-Vakzin immunisiert wird, und wer mit dem reichlich eingelagerten und vor dem Ablaufen nun möglichst zu verbrauchenden Impfstoff von Moderna. Nachdem bisher Biontech als das Non-Plus-Ultra galt, wies Gesundheitsminister diesem Produkt jüngst den Status des Mercedes zu. Moderna dagegen sei der Rolls-Royce, versuchte Spahn die Akzeptanz für Moderna zu steigern.

„Ich will nicht mischen“, heißt es dazu von solchen, die ihre Grundimmunisierung mit Biontech bekommen haben oder gar zunächst Astra und als Zweitvakzin Biontech bekamen und jetzt Moderna als dritten Impfstoff nehmen sollen. Hinzu kommt die Empfehlung der Ständige Impfkommission, „für unter 30-Jährige nur noch Biotech“. Aktuelle Analysen zeigten, dass Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei Jungen und jungen Männern sowie bei Mädchen und jungen Frauen nach der Impfung mit Moderna häufiger beobachtet würden als nach der Biontech-Impfung.

Deshalb stehen auch vor Ort die Ärzte vor dem Problem, die Patienten von der Eignung des Produktes Moderna zu überzeugen. Beides – Biontech und Moderna – sind mRNA-Wirkstoffe, beiden schreibt die Fachwelt eine hohe Wirksamkeit zu. Aber wegen der Empfehlung der Impfkommission muss nun bei der Terminierung von Impfungen zusätzlich noch darauf geachtet werden, wer unter oder über 30 Jahre alt ist. In Einzelfällen kein Problem, aber bei den vielen Hundert Impfungen, die wöchentlich auch vor Ort erfolgen, ein erheblicher Stressfaktor für die Teams in den Praxen, so Ulrich Weber.

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