Waffenprozess

Maschinenpistolen gekauft: Kriminelle Waffengeschäfte auf Parkplatz im Kreis Soest

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Die strategische Lage Wimberns zwischen Neheim und Menden beschert dem Wickeder Ortsteil eine tragende Rolle im spektakulären Waffenprozess, der am Donnerstag vor dem Arnsberger Landgericht startete. Auf dem Gelände, auf dem früher die Postkutschen Station machten, herrschte demnach seit drei Jahren ein reger Waffenhandel.

Wickede - Der Haupttäter, ein 47-jähriger Mann aus Neheim, soll laut Anklage vom 28. Juli 2015 bis zum 25. März diese Jahres bei seinem damaligen Arbeitgeber, dem Arnsberger Waffenhersteller Umarex, eine große Zahl an Teilen für drei unterschiedliche halbautomatische Pistolentypen der Marke Walther entwendet haben.

Die habe er dann zu funktionsfähigen Pistolen zusammengesetzt. Zu diesem Zweck habe er auch gleich die erforderlichen Konstruktionszeichnungen bei seinem Arbeitgeber mitgehen lassen.

Die Teile verbarg er wohl in seiner Geldbörse oder aber in seinem Thermosbecher, den er stets mit zur Arbeit nahm. In seinem Haus in Neheim habe er die Waffen dann zusammengebaut.

250 Euro für eine Walther P22

Ab Oktober 2016 soll er rund 70 so hergestellte und nicht registrierte Handfeuerwaffen an einen 27-jährigen Mitangeklagten aus Menden veräußert haben, zum Preis von mindestens 250 Euro für eine Walter P 22. Im Gegenzug soll der Haupttäter von dem 27-jährigen Mann mehrere tausend Patronen sowie unterschiedliche Waffen wie etwa eine vollautomatische Maschinenpistole und ein Repetiergewehr erworben haben. 

Zur Übergabe all dieser Waffen trafen sich die beiden Angeklagten – der eine aus Neheim, der andere aus Menden – offenbar in der Mitte, nämlich auf dem Parkplatz nahe der Kreuzung der B7 in Wimbern.
Der 27-Jährige habe die Waffen in Menden zum Kauf angeboten – für mindestens 750 Euro für den Typ Walter P 22 und 950 Euro für die Walter vom Typ 380. Die Geschäft wurden laut Anklage über einen Mittelsmann angebahnt, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt.
In Menden seien die Verkäufe an der Spielhalle neben einem Fitnesstudio oder beim Mendener ‚Burger King‘ abgewickelt worden. Im September 2018 bediente sich der 27-jährige Angeklagte zur Abwicklung der Waffengeschäfte eines Boten, der das Geld für die einzelnen Waffenlieferungen – zu dem Zeitpunkt 800 Euro pro Person – regelmäßig einfach in den Briefkasten des Auftraggebers geworfen haben soll.

Patronen für einen Euro das Stück

Patronen wurden zu dem Zeitpunkt ebenfalls veräußert – etwa 300 Stück. Das Exemplar für 1 Euro, hieß es beim Prozessauftakt in Arnsberg.

Auch nach Unna unterhielt der 27-jährige Angeklagte Kontakte. Dort habe einer der Mitangeklagten eine Werkstatt angemietet, in der auch er Waffen zusammengebaut und zum Kauf angeboten habe – darunter ein Maschinengewehr und Waffen anderer Typen. 

Auch der in England geborene Werkstattbesitzer habe als Zwischenhändler fungiert und zum einen die vom 27-jährigen Angeklagten erworbenen Waffen zum Weiterverkauf angeboten, aber auch selbst aus Dekorationswaffen funktionsfähige Modelle zusammengestellt. Auch Munition bot er zum Kauf an, so die Anklage.

48000 Euro und sieben Kilo Marihuana

Bei der Festnahme zweier der Angeklagten in Höhe der Fröndenberger Straße 144 in Menden wurden 46 800 Euro Bargeld im angehaltenen PKW gefunden. Bei der nachfolgenden Hausdurchsuchung in Hagen fanden die Fahnder mehr als 42 Gramm Haschisch in der Wohnung des Tatbeteiligten.

In den Räumlichkeiten seiner Eltern, wo der Angeklagte gemeldet war, entdeckte die Polizei zudem eine Geldzählmaschine, ein Butterfly-Messer und eine halbautomatische Waffe. Weitere fast sieben Kilogramm Marihuana, Dealerutensilien und eine Feinwaage spürte die Polizei schließlich in einer von dem Angeklagten angemieteten Garage auf. 

Zum Prozessauftakt am Donnerstag war das Interesse von Journalisten und Öffentlichkeit ebenso groß wie das Aufgebot an Polizeibeamten. Der erste Tag des auf insgesamt acht Verhandlungstage terminierten Prozesses war gekennzeichnet von Sitzungsunterbrechungen. 

Die sechs Männer aus Menden, Dortmund, Hagen und Arnsberg müssen sich vor der großen Strafkammer als Hilfsstrafkammer des Landgerichts Arnsberg wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und mannigfaltiger Verstöße gegen das Waffengesetz verantworten. Allein der Vortrag der umfangreichen Anklage durch Staatsanwalt Schmelzer nahm rund eine Stunde in Anspruch.

Zur Fortsetzung des Verfahrens nach einer Mittagspause kam es am Donnerstag nicht, weil dem Vernehmen nach ein Angeklagter ins Justizkrankenhaus eingeliefert werden musste. Fortgesetzt werden soll der Prozess am Freitag kommender Woche. 

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