Versteigerung

Zähes Ringen um Wickedes Unimog

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Die Hoheitszeichen werden entfernt, Blaulicht und Martinshorn sind zu deaktivieren – dann kann Wickedes Unimog von seinem neuen Eigentümer in Norddeutschland eingesetzt werden.

Wickede – Wenn es darum geht, ausgediente Feuerwehrfahrzeuge zu verkaufen, hat die Gemeinde mit der Zoll-Auktion gute Erfahrungen gemacht. Jüngstes Beispiel ist der Unimog-Rüstwagen. Anfang der Woche endete die Versteigerung.

Der Erlös für Wickede liegt mit 28 100 Euro immerhin 5600 Euro über dem Einstiegspreis. Das klingt nach einem hartnäckigen Bieterwettstreit – und das war es tatsächlich. 

Nachdem Wickede 22 500 Euro aufgerufen hatte, waren bis Sonntagabend gerade mal zwei Gebote bis auf 23 100 Euro abgegeben worden. 

Dann entbrannte am Montag zwischen 9.45 und 10.13 Uhr der finale Kampf. In 28 Schritten schossen die Gebote bis auf 28 100 Euro hoch, vielfach in 100-er Schritten, einige Male versuchten die Bieter aber auch, ihre Konkurrenz mit bis zu 400-Euro-Schritten aus dem Feld zu werfen. 

Der Zuschlag erging schließlich an einen Bieter aus dem Norden der Republik. Seine Gebote übertrafen jeden Schritt der insgesamt sechs Interessenten. Da hatten auch die Gebote einer Wickeder Adresse keine Chance, mit denen bei einem Zuschlag der Unimog vor Ort geblieben wäre. 

Der Bieter aus dem Norden und der Interessent aus Wickede lieferten sich ab 26 600 Euro als letzte verbliebene Teilnehmer ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

"Das ist für uns die reellste Weise der Veräußerung“, lobt der für das Feuerwehr-Wesen zuständige Fachbereichsleiter Ingo Regenhardt im Rathaus die Zoll-Auktionen. Die Gemeinde habe einmal einen unabhängigen Gutachter bestellt, der bei seinem Besuch alle zur Veräußerung anstehenden Feuerwehrfahrzeuge taxiert habe.

„Für jedes Fahrzeug haben wir ein Dekra-Gutachten erstellen lassen. Unsere Vorstellung ist dann kein Mondpreis, sondern eine faire Größe, von der wir wissen, das gibt der Markt auch her“, so Regenhardt. 

Nach dem Zuschlag bekommt der erfolgreiche Bieter eine Mitteilung, was er wohin zu zahlen hat. Wenn das Geld eingezahlt ist, wird ein Termin zur Abholung des ersteigerten Fahrzeugs verabredet. „Ohne Vorkasse gibt es keine Herausgabe“, sagt Ingo Regenhardt zur Handhabung. 

Vor dem Unimog-Rüstwagen hatte die Gemeinde im Vorjahr erstmals die Zollauktion genutzt und die alte Drehleiter verkauft. Das 20 Jahre alte Schätzchen ging für 13 300 Euro und damit 4800 Euro über dem Einstiegsgebot in den Süden der Republik.

Anschließend war zu erfahren, dass der Käufer lediglich das Fahrgestell und die Hydraulik behielt und zum Spezialfahrzeug für Kanalarbeiten umbaute. Die Leiter und sonstige Teile wurden abgebaut.

Unpraktisch für Rettungseinsätze

Später versteigerte die Gemeinde auch das Hartschalenboot der Feuerwehr. Das musste auf einem Trailer transportiert und mit Seilzug an geeigneten Uferstellen zu Wasser gelassen werden – für schnelle Rettungseinsätze eher unpraktisch.

Das Boot wurde von einem Bieter aus Ostdeutschland ersteigert. Die Wehr hat jetzt ein wesentlich besser zu handhabendes Schlauchboot im Rollcontainer, das mittels Druckluft in wenigen Minuten einsatzbereit ist, fast überall unkompliziert zu Wasser gelassen werden kann und jüngst bereits bei der Rettung eines Hundes aus der Ruhr eingesetzt wurde.

In diesem Jahr waren zunächst ein Gerätewagen und nun der Unimog als Rüstwagen abgegeben worden, beides wurde im Rahmen der turnusmäßigen Ersatzbeschaffung durch den Gerätewagen Logistik ersetzt. 

Der vorerst letzte Deal, den die Gemeinde natürlich wieder über die Zollauktion laufen lassen möchte, ist das Löschfahrzeug 16 TS. Das wird - ebenfalls versehen mit einem unabhängigen Gutachten und dem so ermittelten Preis – im Laufe der nächsten Woche eingestellt.

Auktion wurde 3305 mal angesehen

Insgesamt 3305 mal hatten sich Interessenten im Internet die jüngste Versteigerung eines Wickeder Feuerwehrfahrzeugs angesehen.

Das Interesse an dem Unimog-Rüstwagen U 1300 war groß. Kein Wunder, denn durch das Dekra-Gutachten weiß der Bieter, woran er ist. Die Qualitätskontrolle dient nicht zuletzt der Transparenz bei den Versteigerungen.

Andere Angebote ohne eine solche Expertise werden beim Erstgebot auch schnell mal für nur die Hälfte gehandelt. Trotzdem konnte der Wickeder Unimog, Baujahr 1986, mit 168 PS aus 5,6 Litern Hubraum, einem Leergewicht von 5,6 Tonnen und rund 24 000 Kilometern auf dem Tacho seinen Einstiegspreis um 5600 Euro überhöhen – erreicht auch durch die Teilnahme aus Wickede, die zwar den Zuschlag nicht erhielt, aber immerhin weitere 1500 Euro in die Gemeindekasse spülte.

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