Super-Nachbarn in Wickede: "Wie in einer großen Familie"

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Fürs Foto kurz zusammengerückt: Die Nachbarfamilie mit Pülleken – Mitbegründer Klaus Linke ist krankheitsbedingt nur als Pappkamerad dabei.

Wickede – Wenn der Postmann zweimal klingelt, ist das an der Rissenhofstraße nicht entscheidend. Wohl aber, wenn der Hubert dreimal hupt. Dann gehen die Türen auf, kommen sie aus den Häusern und Gärten zusammen, treffen sich an der „Veltinsallee“ in Linkes Einfahrt, wo Hubert Keggenhoff immer samstags die Getränke für die Woche ablädt.

Bevor der Bierkasten am Boden ankommt, sind die ersten Flaschen ‘raus, prostet man sich zu – der gemütliche Teil des Wochenendes im Kreis der Nachbarn beginnt. 

Die ersten Häuser der Rissenhofstraße sind der Kern dieser Truppe, die seit Mitte der 80er Jahre mehr und mehr zu einer tollen Gemeinschaft gewachsen ist – mittlerweile bereits in der dritten Generation.

Linkes sind dabei, Pluszyks, aber auch Luigs und Hombergs und sogar ein Adoptiv-Kind: Birgit Rüth wohnt eigentlich an der Kirchstraße, stieß aber irgendwann hinzu und ist längst aufgenommen: „Der Fränzi hat mich damals adoptiert – das ist wie eine große Familie hier“. 

Dabei war ein so aktives Verhältnis der Nachbarn nicht immer gegeben. Als die Siedlung in den 30er Jahren gebaut wurde, war das Miteinander der ersten Generationen zunächst mal von der „ganz normalen“ Nachbarschaft gekennzeichnet.

"Das fing mit den Baustellen an"

Doch aus dem Status des neutralen Nebeneinanders wuchs die untere Rissenhofstraße Jahrzehnte später hinaus. 

„Das fing ‘84 mit den Baustellen hier an“, erinnert sich die Truppe beim Besuch. Übern Bauzaun hinweg kam man damals ins Gespräch.

Schnell half der eine beim anderen mit. In der Folgezeit brauchte niemand Angst zu haben, mit einem Projekt alleine dazustehen: sei es der Aufbau der Solaranlage, das Fällen eines alten Baumes, die Pflasteraktion oder die Errichtung der Kota im Garten, eine urgemütliche finnische Grillhütte mit Feuer und Abzug, die zu geselligen Runden geradezu einlädt.

Anlässe für ein kurzweiliges Familienleben bieten sich mannigfaltig. Da gab’s im Winter zum Beispiel die coole Runde an der selbst gebauten Eisbar. 

Rudelgucken bei der Fußball-WM

Für die hatten die Nachbarn einen Eisblock geformt und derart komprimiert, dass es Monate dauerte, bis der endlich geschmolzen war. 

Schützenfest mit dem traditionellen Fahnehissen ist natürlich ein gern zelebrierter Pflichttermin im Familienleben – ebenso die internationalen Fußballmeisterschaften, wenn sich die gesamte Truppe vor der Großleinwand einfindet, um gemeinsam den Sport und sich zu feiern.

Und weil da oft genug der Schalk im Nacken sitzt, gab es etwa zur Frauen-WM einen ganz besonderen Straßenschmuck aus schwarz-rot-gelbfarbenen Bikinis, die mit einem Draht aufgespannt die Fahnenmasten zierten. 

Einmal im Jahr bricht die ganze Bande auch zum Mehrtagesausflug auf. Willingen, die WDR4-Party in Oberhausen, die gemeinsame Kanutour – natürlich mit Kentern – all das gehört zum aktiven Gemeinschaftsleben im Sommer dazu; ebenso wie die mit Bollerwagen und Verpflegung angesteuerten Boßel-Runden im Ruhrfeld und natürlich die Geburtstage und sonstigen Jubiläen, zu denen die Nachbar-Familie immer in lustiger Runde zusammenkommen.

Mit dem (Spiel)kind im Manne entwickeln sich auch zur Adventszeit kleine Highlights wie das gemeinsame Einschalten der um die Fahnenmasten drapierten Lichter.

Da stehen dann alle im Dunklen draußen und begrüßen mit großem „Ahhh“ und „Ohhh“, wenn mit Zeitschaltuhren gesteuert in der gesamten Straße plötzlich die bunten Lichter aufleuchten. 

So ein Tag klingt dann auch mal schnell mit einem zünftigen Wintergrillen aus. Und wie es im richtigen Familienleben ist, hilft der Kreis der Nachbarn nicht zuletzt, wenn mal einer nicht so gut drauf ist. 

Moralische Unterstützung

Ansprechpartner sind immer da, niemand muss mit seinem Problem oder Wehwehchen alleine bleiben. Für moralische Unterstützung ist immer gesorgt. 

Und selbst man sich beim gemeinsamen Feiern mal hochnimmt, sich schnell mal einen frotzelnden Spruch einfängt: Geht es hart auf hart, dann können sich die Mitglieder dieser Nachbarfamilie aufeinander verlassen.

Bei einem solchen Zusammenhalt passt natürlich die Anzeiger-Aktion mit dem Besuch von Nachbarschaftsgruppen wie gemacht. 

Schließlich kommt die Zeitung zu so einem Treffen nicht mit leeren Händen, sondern mit kaltem Bier, und zwar mit dem hellen Pülleken von Veltins – was sonst passte an der „Veltinsallee“ besser? 

Übrigens: Selbst wenn mal ein Wohnortwechsel ansteht, bleiben die alten Bande zur Rissenhofstraße fest. Kein Wunder, denn dafür verbinden die Nachbarn dort mittlerweile so viele gemeinsame Erlebnisse, wie das sonst tatsächlich nur in der Familie der Fall ist...

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