Jäger bekommen Geld

Jagd auf Nagetiere im Kreis Soest: Für Tötung gibt es jetzt eine Prämie

Nutrias dürfen im Kreis Soest nun erschossen werden. Für die Tötung der Nagetiere gibt es sogar eine Jagd-Prämie. Und das obwohl sie auf den ersten Blick sehr friedlich wirken.

Wickede - Der Biber ist zurück - oft verwechselt mit anderen großen Nagern, der immer häufiger auch an der Ruhr anzutreffen sind: Nutrias. Sie sind höchst possierlich, zutraulich und sehr friedlich. Und doch hat der Kreis Soest eine Fangprämie ausgesetzt. Den Tieren nachstellen darf aber nur ein ausgewählter Personenkreis. 

TierNutria
SpitznameBiberratte
OrdnungNagetier
HerkunftSüdamerika

Nutrias in Wickede zum Abschuss freigegeben - Jagd auf friedlich wirkende Nagetiere

Kaum vorstellbar, dass von den friedliebenden Nutrias eine Gefahr ausgehen soll. Laut Behörden ist das aber der Fall; weniger für Mensch und Tier, dafür aber für Dämme und Uferbereiche, die Nutrias mit ihren Höhlen unterminieren.

Auch Fraßschäden werden bisweilen beklagt. Ein untergrabendes Wesen wird zudem der Bisamratte nachgesagt. Deshalb ermöglicht der Kreis Soest die „Bestandsregulierung von Bisamratten und Nutria im Rahmen der Jagdausübung“.

Damit dürfen „Jagdausführungsberechtigte“ Nutrias und Bisamratten schießen oder auch mit Fallen nachstellen. Für jedes getötete Tier gibt es eine Prämie von 8,50 Euro. Diese Prämie muss über ein Formular beantragt werden, das „zusammen mit den Bisamratten-/Nutriaschwänzen beim Veterinärdienst des Kreises Soest einzureichen“ ist, heißt es im Merkblatt.

Schon andere Gemeinden im Kreis Soest sind ihrerseits gegen Nutrias vorgegangen. Das übrigens längst nicht nur im Kreis Soest. Wesentlich intensiver bejagd werden die Tiere zum Beispiel an der Küste, um dort etwa Dammbauten zu schützen. „In Deutschland wurden im letzten Jagdjahr mit 88.400 Nutrias über 40% mehr als im Vorjahreszeitraum erlegt“, heißt es dazu von der Landesjägerschaft Bremen.

Nutrias in Wickede zum Abschuss freigegeben - Verfahren in den Niederlanden bekannt

In den Niederlanden koste die Bekämpfung der Nutria inzwischen jährlich 34 Millionen Euro. Allein um sie in Schach zu halten und die Sicherheit der Deiche zu gewährleisten, seien 400 Berufsjäger eingestellt worden.  

Zutraulich und direkt neben der Straße am Obergraben beim Abendessen: Nutrias in Wickede

Vor Ort geht es bei der Jagd auf die Tiere allerdings nicht am zuständigen Jagdpächter vorbei. Der stellt den Nagern entweder selbst nach oder beauftragt eine fachkundige Person. Auslöser für eine solche Jagd entweder mit Gewehr oder mit Lebendfallen sind zumeist Beschwerden über Schäden, die von Nutria und Bisam angerichtet wurden. 

Vor dem Hintergrund haben die possierlichen Nager zum Beispiel im Bereich des Obergrabens einstweilen nichts zu befürchten. Jagdpächter hier ist Christa Tönnies. Sie hat bisher keine Klagen über Nutria-Schäden zu Ohren bekommen, sieht daher auch keine Notwendigkeit, die Initiative zu ergreifen.

Nutrias in Wickede - Pummelige Nager, die ihr Grünzeug mümmeln

Daher werden die pummeligen Nager einstweilen weiterhin unbehelligt am Obergraben und an der Ruhr sitzen, ihr Grünzeug mümmeln und die interessierten Blicke von Passanten anlocken. Erst jüngst hatte eine Wickederin ein Exemplar mit hellbraunem Fell neben der Brücke über den Obergraben entdeckt und war fasziniert stehengeblieben. 

Den Hund sollte man dabei aber gut unter Kontrolle halten. Denn Nutrias verfügen über sehr kräftige, gelblich-rote Zähne. Mit denen können sie einen Vierbeiner ernsthaft verletzen, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen oder nicht mehr rechtzeitig flüchten können. Eine Nutria soll im Kreis Soest sogar einen Hund angegriffen und getötet haben.

Übrigens werden Nutria oft mit den streng geschützten Bibern verwechselt. Die Unterscheidung: Der Biber ist bis 1,30 Meter groß und bis 30 Kilo schwer und hat einen breiten und flachen Schwanz, bei dem bis zu einem Meter großen und 10 Kilo schweren Nutria ist der Schwanz rund wie bei einer Ratte, daher auch der Beiname Biberratte. Mit Ratten haben die Tiere aber eigentlich nichts zu tun. Nutrias zählen zur Familie der Meerschweinchen. 

Nutrias wurden einst als Pelz- und Fleischlieferant eingeführt

Nutrias stammen aus Südamerika und wurden zur Pelztierzucht, als Fleischlieferanten sowie für die Gewässerpflege und Schädlingsbekämpfung nach Europa eingeführt. Den Zuchtstätten entwischte Exemplare siedelten sich wild an. Dem Internet zufolge wurde 1880 die erste freilebende Nutria im Elsaß gesichtet.

Ihre Funktion als Fleischlieferant ist übrigens nach wie vor erhalten geblieben. Das Fleisch ähnele im Geschmack dem von Kaninchen, sagt der eine, „es ist eine Mischung zwischen Rind und Hähnchen“, sagt der andere. Ingesamt gilt Nutria-Fleisch als besonders sauber, da sich die Nager nur von Grünzeug ernähren.

Weil dabei aber schon mal Schnecken oder anderes Kleingetier mitverputzt werden, galt für zum Verzehr bestimmtes Nutria-Fleisch bisher die Auflage der Trichinenbeschau. Nachdem aber Nachweise einer Trichinen-Infektion durch Nutria-Fleisch fehlen, steht die Bestimmung mittlerweile auf der Streichliste.

Rubriklistenbild: © Martin Hüttenbrink

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