Feldversuch

Stoppeln will gelernt sein

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Die Äcker Schlückingens laden nach der Ernte zum Herbstspaziergang und bisweilen zum Stoppeln ein.

Schlückingen – „Da kann man ja stoppeln gehen“ - der Ausruf beim jüngsten Schnadegang klang irgendwie romantisch. Da, wo der Bauer vorhin mit seiner Erntemaschine entlang gefahren war, lagen überall auf dem Feld noch kleine leuchtende Knollen, die beim Roder durchs Raster gefallen waren.

„Putzen, mit Schale aufs Blech, Öl und Rosmarin dazu“ - der einfache Rezeptvorschlag von einem Schnadegänger klang vielversprechend. 

Also geht’s jetzt nochmal mit einer Tüte in der Tasche auf die Schlückinger Schnadestrecke, um das, was bei der Kartoffelernte liegen geblieben ist, einzusammeln. 

Schließlich führt der Weg zwischen Mais und Elefantengras zu einem Acker, auf dem die kleinen, gelben Punkte am Boden zu sehen sind. 

Geeignetes Werkzeug einpacken 

Die erste Erkenntnis in der Hocke am schlammigen Feldrand: Man hätte einen Stock mitnehmen sollen, oder ein langes Messer, um die kleinen Kartöffelchen aus dem feuchten Ackerboden auszugraben. 

Ein abgebrochener Maisstrunk hilft, die erste Knolle freizulegen. Dann macht sich Goldgräberstimmung breit, denn beim Buddeln kommen nicht nur kleine Kartoffeln zum Vorschein, sondern auch zwei faustgroße Knollen. 

Der Bauer muss ja einiges übersehen haben, denkt sich der Stoppel-Anfänger und holte eine dritte Kartoffel aus dem Boden, um sie in die Tüte zu packen. Es sind schließlich etwa zehn Knollen - da kommt ein Verdacht auf. 

Und der Kontrollblick beim Aufrichten zeigt: Dieses Feld ist ja noch gar nicht flach, sondern zeigt noch die typischen Dämme des Kartoffelackers. Aus dem Verdacht wird Gewissheit. Mist: Hier ist noch gar nicht geerntet worden. 

Und die Erkenntnis folgt auf dem Fuß: Das ist kein Stoppeln, also das Nehmen von etwas, das von der Ernte übrig blieb und deshalb vergammeln würde - das hier ist glatter Diebstahl, Mund- bzw. Feldraub, Hausfriedensbruch... 

Der Maisstrunk fällt ins feuchte Gras - was jetzt mit den zehn Kartoffeln tun? Zurück aufs Feld werfen? Mit der Überlegung, dass die Erdäpfel das nicht überstehen würden, bleiben sie in der Tüte. Unauffällig pfeifend geht es auf den Rückweg. 

Zuhause werden die Kartoffeln vom Lehm befreit, geputzt und kommen in Scheiben aufs Blech. Dazu wie geplant Rosmarin, Gewürze und schließlich – eine kleine Eingebung des Küchenlaien – ein Tropfen Honig auf jede Scheibe.

20 Minuten später ist das Ganze fertig und ein herrlicher Kartoffelgenuss: aromatisch, kross, lecker. 

Zwei Erkenntnisse erwachsen aus diesem denkwürdigen Tag. Erstens: Kartoffeln vom heimatlichen Acker sind eine wahre Wonne! Zweitens: Stoppeln will offensichtlich gelernt sein – man sollte schon erkennen, welches Feld bereits abgeerntet wurde und welches noch nicht.

In diesem Fall also ein grandioses Versagen. „Sorry Bauer - ich geb’ das nächste Mal einen aus...“

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