Am Rande

Sozialismus am Beispiel des Rades 

Wie sag ich’s dem Kinde? Die Wickederin stellte sich diese Frage bei der Fahrt nach Leipzig angesichts des Wissensdurstes der Kleinen. Die verlangten bitteschön nach einer Erklärung, wie genau das früher in der DDR denn so war.

Zumal das Stichwort des real existierenden Sozialismus gefallen war. Vor allem aber wollte unser mit Auto und festgeschnallten Fahrrädern angereistes Quartett Land und Leute kennen lernen.

Dazu hatte die Familie verschiedene ausgeprägte Touren geplant. Die Kleinste im Kreis war davon aber gar nicht begeistert. 

Wie Mama, Papa und Schwester hatte auch sie ein weißes, recht hochwertiges Mountainbike. Allzu lange im Sattel sitzen war allerdings nicht ihr Ding, mit anderen Worten: Auf lange Touren hatte sie null Bock. 

Am nächsten Morgen dann der Schreck: Fahrradmarder hatten das Schloss geknackt und ausgerechnet das Rad der Kleinen gestohlen. Immerhin: Der Dieb hatte stattdessen einen alten klapprigen Drahtesel zurückgelassen - ebenfalls weiß. 

Die in Tränen aufgelöste junge Dame konnte jetzt nachvollziehen, was der real existierende Sozialismus gewesen sein mochte: Alles gehört allen, aber die Schnellen, die Starken und die Schurken holen sich das Beste. 

Und ein Gutes hatte das Ganze mit Blick auf das klapprige Rad des Diebes für sie obendrein, wie sie gegenüber Mama kategorisch feststellte: „Damit kann ich jetzt unmöglich noch lange Touren machen..."

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