Corona in der Schule

So lernen die Schüler, sich selbst zu testen

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Die Mitarbeiter der Ruhrtalklinik geben jetzt Schülern und Lehrern Anleitung, wie Selbsttests verlässlich ausgeführt werden.

Testen und Impfen - auf diesen beiden Säulen soll der Kampf gegen Corona fußen. Für die Jugend wird es auf absehbare Zeit erst mal nur das Testen sein. Sekundarschule und Kommune haben deshalb am Montag erstmals das Angebot der Ruhrtalklinik angenommen, in der Sekundarschule eine Testberatung und -begleitung für die anwesenden Pädagogen und aktuell rund 75 Schüler durchzuführen.  Schulleiter Zarnitz ist mit dem ersten Tag sehr zufrieden. 

Wickede - Mit Schutzanzug und Visier leiteten die beiden Mitarbeiter der Ruhrtalklinik Schüler und Pädagogen beim Corona-Selbsttest an. „Das war große Klasse“, kommentierte Peter Zarnitz anschließend den Erfolg der ersten Aktion, die am Donnerstag fortgesetzt werden soll. Aufgrund der Corona-Auflagen gilt dies in dieser Woche einstweilen für die zehnten Klassen und die derzeit 14 Kinder in der Notbetreuung.

In der kommenden Woche sollen dann nach gegenwärtiger Planung auch die jüngeren Schüler im Wechselunterricht hinzukommen. Die Zehner und Kollegiumsmitglieder werden dann schon sicherer in der Test-Handhabung sein, so dass sich die Mitarbeiter der Ruhrtalklinik im weiteren Verlauf auf die Anleitung der unteren Jahrgänge konzentrieren können.

Etwa einen Monat dürfte es dauern, bis schließlich alle Jahrgänge in den Gebrauch der Selbsttests eingewiesen sind. Auf diesen Zeitraum belaufen sich gegenwärtig auch die Absprachen zwischen Klinik, Kommune und Schule. „Das lassen unsere personellen Kapazitäten noch zu“, erläutert Klinik-Verwaltungschef Dominik Pieper, dessen Haus den Einsatz für die weiterführende Schule vor Ort nicht zuletzt vor den Hintergrund der gewachsenen Beziehungen in den vergangenen Jahren stellt. 

Schließlich haben Klinik und Schule Berührungspunkte, wenn es um den Übergang der jungen Menschen von der Schule ins Berufsleben geht. Vom Angebot für Interessenten für den Bundesfreiwilligendienst („Bufdis“) bis zum beruflichen Optionen in der Pflege steht die Ruhrtalkilink als großer Arbeitgeber und einzige Klinik vor Ort schon seit Jahren für Absolventen der Sekundarschule zur Verfügung, wenn hier auch nicht ausgebildet werden kann. 

Aber auch die Grundschulen vor Ort will die Ruhrtalklinik nicht im Regen stehen lassen, bietet hier zumindest die Option, dass professionell geschulte Fachkräfte in die Anwendung der Selbsttests einweisen. Aus personellen Gründen könne dort aber lediglich die Qualifikation der Lehrerpersonen angeboten werden, damit diese anschließend dann die Kinder kompetent anleiten. 

Begleitet wird die aktuelle Phase von einem Wechsel bei den staatlich zur Verfügung gestellten Tests. Bisher waren dies Produkte der Firma Roche. Sie gelten als verhältnismäßig unkompliziert in der Handhabung. Die neuerdings von der Landesregierung an die Schulen verteilten Tests stammen nun von der Firma Siemens. 600 dieser Tests hat die Sekundarschule am Sonntag geliefert bekomen. Bei Vollbetrieb mit 180 Schülern reicht das kaum für zwei Wochen. 

Ganz abgesehen vom Wechsel des Fabrikates der Selbsttests und einem möglicherweise noch einmal geänderten Testablauf, abgesehen auch von der Direktbelieferung an die Schulen und dem damit einhergehenden Logistik-Aufwand, weisen die Schulen nach wie vor darauf hin: Die Corona-Selbsttestung zählt nicht zu den Kompetenzen und zum Kerngeschäft einer Schule.

Der Selbsttest sollte vielmehr wie das tägliche Zähneputzen daheim im Elternhaus geschehen. Oder aber die Familien nutzen die Dienstleistung der mittlerweile zahlreichen Testzentren vor Ort oder in der unmitelbaren Nachbarschaft, deren Tests immerhin für jeweils zwei Tage gelten. Das Testgeschehen aus dem Schulalltag heraushalten - diese Forderung hatte Schulleiter Peter Zarnitz bereits in der Vorwoche formuliert.

Unterstützung erhält der Pädagoge dabei auch vom Verwaltungschef der Ruhrtalklinik, Dominik Pieper, Vater einer siebenjährigen Tochter. Mit der Erfahrung der Fachkollegen im Hintergrund bezeichnet er es als problematisch, wenn Grundschüler den Selbsttest durchführen sollen, zumal dann, wenn die Kinder hier mit dem Nasenabstrich am Wattestäbchen, mit Teströhrchen, Pufferlösung und exakter Umsetzung des Testprozederes hantieren müssen und dabei eine verlässliche Lösungen erzielen sollen. 

Abgesehen davon gibt Pieper noch etwas anderes zu bedenken: „Es kann auch mal ein falsch positives Egebnis dabei herauskommen. Dann möchte ich als Vater einer siebenjährigen Tochter gerne dabei sein. Das ist immer noch etwas anders, wenn in seinem solchen Fall die Eltern anwesend sind. Daher werde ich von der Möglichkeit Gebrauch machen und meine Tochter im Vorfeld des Unterrichts testen lassen – so habe ich Gewissheit“. 

Für das Testgeschehen in den Grundschulen hat sich kurzfristig noch eine Änderung ergeben. Nachdem es zunächst so aussah, als ob die Kinder der Notbetreuung und die entsprechend eingesetzten Lehrerinnen in dieser Woche überhaupt keine Testung erfahren würden, kam am Sonntag vom Land eine kurzfristige Anweisung.

Demnach ist nun sichergestellt, dass alle Kinder der Notbetreuung die zwei vorgesehenen Test pro Woche erhalten, dass auch die Lehrerinnen getestet und zudem von medizinischem Fachpersonal angewiesen werden, wie die Mädchen und Jungen ab der nächsten Woche bei den Selbsttests anzuleiten sind, wenn dann wieder der Präsenzunterricht in Gruppen startet.

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