Vom Nationalkicker zum Studienrat in Wickede

Dass Ibou Mbaye gerne an der Sekundarschule unterrichtet, hat trifftige Gründe: Die Chemie stimmte sowohl mit dem Kollegium als auch mit den Schülern.

WICKEDE ▪ 1,72 groß, 68 Kilo schwer, Mittelstürmer – Ibou Mbaye hat seine Fähigkeiten sogar schon als Nationalspieler des Senegal in der U17, U19 und U21 unter Beweis gestellt. Heute, gut 20 Jahre später, hat der Fußball seinen Stellenwert für ihn nicht verloren: als Studienrat unterrichtet Ibou Mbaye an der Sekundarschule Wickede Französisch und Sport.

Er fühlt sich an seiner im Vorjahr angetretenen Stelle in Wickede pudelwohl. Alles passt: die Schüler, das Kollegium, die Schule nebst des Hausmeisterteams. Aber dass Ibou Mbaye in dieser Kombination aus Sprachenunterricht, Pädagogik und Sport so aufgehen konnte, verdankt er nicht zuletzt seiner Mutter. Die nämlich pochte damals in Dakar darauf, dass der junge Mann neben dem runden Leder nicht das Abi aus den Augen verliert - um im Ausland zu studieren und damit im Senegal bessere Chancen zu haben.

Ibou Mbaye kombinierte beides, als er zunächst in Düsseldorf sein Studium aufnahm, kurz darauf aber nach Bremen wechselte, um dort neben der Uni als Spieler des FC Oberneuland in der Oberliga Nord zu kicken. Der junge Senegalese entdeckte als Trainer auch seinen Spaß an der Jugendarbeit. „Ich hab’ gemerkt, ich komme gut mit Kindern und Jugendlichen klar“. Das festigte den Wunsch, Lehrer zu werden. Als Disziplinen bot sich Französisch an, das dem Senegal von seiner Ex-Kolonialmacht noch als Amtssprache geblieben ist, und natürlich Sport. Der eröffnete auch Perspektiven, als Mbaye auf der Suche nach einem Referendariat ein Angebot von der SG Borken bekam – und dort dann neben dem Fußball seine Vorbereitungszeit als Beamter durchlaufen konnte.

Der rote Faden riss also nie ab – „der Fußball hat mich geführt“, schmunzelt der Studienrat mit den kurzen Rastazöpfen. Und als der nun fertige Junglehrer bei der Suche nach einer Anstellung drei Angebote sichtete und zuerst mit Wickedes Schulleiter Jan Haurand sprach, stimmte die Chemie sofort. Haurand, ebenfalls passionierter Sportler und Fußballer, hatte kurz zuvor Wickede als DFB-Partnerschule festgemacht. Für Ibou Mbaye ergab sich einmal mehr eine glückliche Fügung. In Möhnesee fand er im Vorjahr eine Wohnung und bei Westfalia Soest die nächste Aufgabe als Trainer.

Apropos: Nicht nur als Pädagoge hat der heute 35-Jährige bisher schon sehr viel gelernt, erfährt auch gerade jetzt an der Sekundarschule mit ihrem viel beachteten Lehr- und Lernkonzept weitere Impulse. Auch als Trainer möchte er sich weiter entwickeln. Bisher darf er alle Mannschaften trainieren bis inklusive Bundesliga-B-Jugend und Seniorenteams bis zur Regionalliga. Als nächstes strebt er die A-Lizenz an - und später nach Möglichkeit auch den Fußballlehrer-Schein - mit dem darf Ibou Mbaye dann Bundesliga-Mannschaften trainieren.

Häuslich und mit

großem Familiensinn

Der Plan seiner Mutter, nach dem Studium in Deutschland zurück in den Senegal zu gehen - er muss wohl noch warten. Die Verbindungen aber pflegt Ibou Mbaye: Die große Familie daheim - mit Geschwistern, Cousins und Cousinen, die zwecks Studiums alle zum gemeinsamen Wohnen nach Dakar kommen, sind das schnell mal 20 Personen im Haus Mbaye - unterstützt er regelmäßig. Ebenso die beiden Brüder, die gegenwärtig ebenfalls in Deutschland studieren.

Diese familiären Bande sind fest - schon aus Tradition. Aber die neuen Verbindungen, die Ibou Mbaye in Deutschland durch Beruf und Sport geknüpft hat, sind es ebenso. Er ist glücklich und dankbar für das, was er hier bisher gelernt hat, und blickt mit Zuversicht und Vorfreude auf das, was noch kommt. Dabei ist der Studienrat aus dem Senegal ein durchaus häuslicher Typ. Er sucht derzeit noch eine Wohnung in Soest, will sich aber Zeit damit lassen, bis er etwas Optimales gefunden hat. „Ich bin gerne zuhause“, verrät er - darum soll's auch eine Wohnung zum Wohlfühlen sein.

Geht es denn irgendwann wieder zurück in den Senegal? Diese Frage stellt sich derzeit nicht für den Pädagogen. Aber wenn sie dereinst einmal aktuell werden sollte, wird auch dann der Sport wieder einen Anknüpfungspunkt bieten. Mit dem Trainer der Nationalmannschaft des Senegal jedenfalls pflegt Ibou Mbaye beste Kontakte... J hütt

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