Piloten-Sohn soll Waisenrente zahlen

Wickede/Arnsberg -  Der Sohn des Piloten, dessen Absturz in den Ruhrwiesen 2013 insgesamt fünf Opfer forderte, muss die Halbwaisenrente an die zwei Kinder der beim Absturz getöteten Mutter leisten. Das hat gestern die 2. Zivilkammer des Landgerichts Arnsberg entschieden.

In der nicht ohne Schärfe ausgetragenen Verhandlung hatte der Rechtsbeistand des beklagten Pilotensohnes, Rechtsanwalt Markus A. Meyer-Chory, auf Basis eines von ihm in Auftrag gegebenen Gutachtens eine Verantwortung für den Unfall zurückgewiesen. Es sei genügend Treibstoff an Bord gewesen. „Dem Piloten können (...) keine Versäumnisse zur Last gelegt werden“, heißt es dort.

Stattdessen wird verwiesen auf erhebliche festgestellte Wartungsrückstände an der Main Fuelpump und am Motor insgesamt. Viele technische Mängel hätten zum Absturz führen können.

Inwiefern aber der technische Zustand der Maschine Auslöser des Absturzes war, könne nicht mehr festgestellt werden, weil das Wrack nach der Untersuchung durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) verschrottet wurde - viel zu schnell, wie der Rechtsbeistand beklagt. Daher habe man vor zwei Tagen auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die BFU an Verkehrsminister Dobrindt geschickt. So oder so aber sei ein Pilot nicht für den technischen Zustand einer gecharterten Maschine verantwortlich.

Der Vorsitzende des Gerichts, Landgerichts-Vizepräsident Jörg Maus, zeigte sich wenig beeindruckt von dieser Argumentation. „Das sind alles Spekulationen“. Unterm Strich habe die beklagte Seite nicht nachweisen können, dass der Pilot keine Schuld an dem Absturz trage.

Die Vorhaltung des Rechtsanwaltes gegenüber dem Richter, „Sie haben das glaube ich alles nicht richtig gelesen und verstanden“, konterte der Kammervorsitzende mit: „Das ist ja wohl die größte Frechheit, was sie hier von sich geben.“ Nach der Entscheidung gestern muss nun also der Sohn des Piloten bis zum 27. Lebensjahr der betroffenen Kinder die Halbwaisenrente bezahlen. 16 500 Euro sind von der Rentenkasse bereits bezahlt worden, insgesamt summieren sich die Rentenleistungen auf rund 116 500 Euro - nach früheren gerichtlichen Zusprüchen z.B. von Beerdigungskosten und Versicherungsforderungen z.B. für den Feuerwehreinsatz, den Schaden des Landwirts oder das zerstörte Flugzeug nur eine weitere Forderung nach dem tragischen Absturz im August 2013, bei dem insgesamt fünf Personen getötet wurden und drei Kinder überlebten. Beendet ist die Frage der Rentenzahlungen mit der Verhandlung nicht.

Die Berufung vor dem OLG Hamm ist bereits angekündigt.

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