19-jähriger Wickeder vor dem Kadi  

Notorischer Schwarzfahrer muss hinter Gitter

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Wickede  Der 19-jährige aus Wickede ist ein notorischer Schwarzfahrer und droht, auf seinem Lebensweg insgesamt abzuschmieren. Jetzt gibt's als Schuss vor den Bug vier Wochen Dauerrarrest.

Bei manchen Delinquenten ist das Gericht oft ratlos. „Was mich so fassungslos macht, ist, dass Ihnen bereits alle Hilfe zuteil wurde, die der Staat aufbieten kann. Ich sehe eine erhebliche Gefahr, dass Sie schon bald endgültig auf die schiefe Bahn geraten“, so der Staatsanwalt gegenüber dem 19-jährigen Wickeder.

Der hatte wegen mehrfachen Schwarzfahrens erst im Vorjahr 80 Sozialstunden aufgebrummt bekommen. Davon hat er bis heute nicht eine einzige Stunde abgeleistet, nutzt aber den öffentlichen Nahverkehr ungehemmt weiter, ohne zu zahlen.

Sechs weitere Fälle wies ihm das Gericht am Donnerstag nach, meist Fahrten zwischen Neheim und Wickede. Er habe halt kein Geld gehabt für ein Ticket. „Man kann die Strecke auch mit dem Rad bewältigen, eine gute halben Stunde, wenn man ordentlich in die Pedale tritt“, so der Staatsanwalt süffisant, „zumal Sie ja auch vom Wickede Bahnhof noch zu Fuß nach Hause in Ihren Ortsteil müssen.“

Hinzu kamen Anklagen wegen Drogenbesitzes und Sachbeschädigung. So war bei einer Leibesdurchsuchung eine Ecstasy-Pille bei ihm entdeckt worden. Drogengeschichten ziehen sich seit der fünften Klasse durch seinen Lebenslauf. 

Mit der Diagnose ADHS war er der Klassenclown, ging aufgrund seines auffälligen Sozialverhaltens durch verschiedene Heime, verbrachte drei Jahre in vier Pflegefamilien in Polen, konsumierte in der Zeit aber fleißig weiter. Zurück in der Heimat, geriet er bald wieder in die schlechte Gesellschaft seiner einstigen Freunde, und es ging wieder bergab.

Zu Jahresbeginn warfen ihn die Eltern raus. „Wir unterstützen ihn, wo wir können, aber nach Hause darf er nicht mehr“, so seine Mutter. Für den Rauswurf bedankte er sich eine Woche später, indem er vor der Tür randalierte und sie mit einem Pflasterstein demolierte, ein weiterer Punkt der Anklageschrift. Den Schaden in Höhe von 50 Euro erstattete er dem Vermieter bereits.

Da ihm die Jugendgerichtshilfe schwere Defizite im Reifeprozess bescheinigte, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Unter Einbeziehung des noch nicht abgeleisteten, alten Urteils über 80 Sozialstunden verhängte das Gericht nun als Strafe einen vierwöchigen Dauerarrest - damit der junge Mann einen Eindruck davon bekommt, wie es ist, im Knast zu landen...

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