Feuerwehr

DFV-Funktionäre "kleben wie Pattex an ihren Posten"

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Für einen Neustart der Verbandsarbeit zugunsten der Feuerwehr: Kreisbrandmeister Thomas Wienecke bei seiner Schilderung der aktuellen Entwicklung im Rahmen der Jahresdienstbesprechung

Wickede – Im Dachverband der deutschen Feuerwehren brennt es offenbar lichterloh. Und die Veranwortlichen „kleben wie Pattex an ihren Posten“ - Kreisbrandmeister Thomas Wienecke hat bei der Jahresdienstbesprechung ein erschreckendes Sittengemälde des noch verbliebenden Präsidiums im Deutschen Feuerwehrverband DFV gezeichnet.

Ende Februar werde sich entscheiden, ob der Landesverband NRW aus dem Bundesverband austritt, um gemeinsam mit anderen Landesverbänden einen Neustart auf Bundesebene anzuschieben. Grund des zerrissenen Tischtuchs ist nach Darstellung Wieneckes eine Kampagne gegen den früheren DFV-Präsidenten Hartmut Ziebs. 

„Die teilweise rechtsnationalen Tendenzen bei der AfD sind eine Gefahr für die Demokratie. Es wäre dramatisch, wenn die Feuerwehr da ‘reinrutscht“ - diese Worte Ziebs’ im Vorjahr waren Pressemeldungen zufolge der Anstoß für Anfeindungen und Drohungen gegenüber dem Präsidenten bis tief hinein in seinen familiären Bereich, die zur Niederlegung seines Amtes zum Jahresende führten. 

Wienecke, der sich auch auf weitere Funktionäre im Landesverband beruft, sieht in dem Zitat und seinen Folgen aber nur das auslösende Moment. „Keiner wusste, was unserem Hartmut Ziebs tatsächlich vorgeworfen wurde“, so Wienecke.

Als dann die Punkte auf dem Tisch lagen, habe man gesehen: „Das war ein Sturm im Wasserglas, deswegen muss keiner zurücktreten“. 

Aber wenn ein Präsident den meisten Landesverbänden „zu modern und zu offen eingestellt ist, dann tun sich größere Schwierigkeiten auf“, beleuchtete der Kreisbrandmeister die tatsächlichen Gründe für den Feldzug gegen Hartmut Ziebs. Der Landesverband hatte daraufhin eine Erklärung als Basis für das künftige Verhalten in dieser Angelegenheit zusammengestellt, die Wienecke den Kameraden vor Ort vorstellte. 

 Der Landesverband steht voll und ganz hinter der Idee einer Bundesorganisation, glaube „an den Bedarf und die Kraft einer einheitlichen Vertretung aller Feuerwehren auf Bundesebene durch den DFV. Deshalb müssen die gegenwärtige „tiefe Krise und katastrophale Außenwahrnehmung des DFV sowohl in der Öffentlichkeit als auch innerhalb der Feuerwehren sofort beendet werden“.

Der DFV sei derzeit nicht als seriöse und ernsthafte Organisation wahrzunehmen. „Dadurch riskiert er den Verlust von maßgeblichen Sponsoren und Unterstützern, die nicht mit in das Chaos seiner Außenwahrnehmung gezogen werden wollen“. Die Auswirkungen reichten bis zur Basis. 

Daher müsse neues Vertrauen gewonnen werden. Wienecke wie auch der Landesverband fordern die Erneuerung des Bundespräsidiums und damit auch den Rücktritt der fünf Vizepräsidenten, die sich im Rahmen der aktuellen Entwicklung gegen den 60-jährigen Schwelmer Hartmut Ziebs stellten. Ihre Posten müssten neu besetzt werden – inklusive ihres Verzichtes auf eine erneute Kandidatur.

Ein Neustart erfordere zudem „auch bei allen verbleibenden Verantwortungsträgern (...) eine respektvollere, offenere, geradlinigere und kameradschaftlichere Kommunikation als bisher“, forderte der Kreisbrandmeister vor der Vollversammlung in Wickede. Entscheidungen dürfen nicht hinter den Kulissen, sondern in satzungsgemäßen, offenen Gremien gefällt werden. Was sich allerdings bisher hinter verschlossen Türen abgespielt habe, „das macht mich mehr als betroffen“, so der Kreisbrandmeister. 

Ziel sei eine politische und gesellschaftliche Netzwerkarbeit wenigstens auf bisherigem Niveau. „Wie Hartmut die Leistungen der Feuerwehren hervorgehoben hat, war wirklich sehr gut“, so Wienecke zur Arbeit des bisherigen Präsidenten.

Der Stellenwert der feuerwehrlichen Facharbeit müsse weiter ausgebaut werden. „Das wollen andere Bundesländer eindeutig nicht“. Der NRW-Verband fordere vor diesem Hintergrund eine Neuausrichtung der Bundesgeschäftsstelle. Entscheidungswege des Feuerwehr-Bundesverbandes sollen insgesamt demokratischer und transparenter werden.

„Wenn ein stellvertretender Bundesgeschäftsführer gegen unseren eigenen Präsidenten arbeitet und dann auch noch erfolgreich damit ist, dann stimmt irgendetwas mit den Strukturen nicht“. Der Landesverband spricht sich für einen konstruktiven Neustart auch mit Hilfe einer Satzungskommission aus, die von einer außenstehenden und erfahrenen Persönlichkeit unabhängig geleitet wird und in der alle Landesverbände vertreten sind.

Die Forderungen liegen nun auf dem Tisch, Ende Februar wird der Landesverband prüfen, „ob und in welchem Umfang die genannten Punkte bis dahin eingelöst wurden“. Dann werde entschieden, ob man im Bundesverband bleiben werde oder als Landesverband VdF NRW austrete.

„Da werden wir nicht alleine sein, aber es werden uns auch nicht so viele folgen“. Wienecke meinte zur jetzigen Bundesspitze, die aktuellen Funktionäre, die fünf Vizepräsidenten, sehe er „nicht als Kameraden“.

Der Feuerwehrverband des Kreises Soest sei sich einig mit den anderen Kreisfeuerwehrverbänden: „Wenn es darauf ankommt, werden wir zusammenhalten und wenn nötig auch aus dem DFV austreten.

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