Am Rande

Schwarzweiße Zwischentöne

Vom Äußeren auf den Inhalt schließen – das ist meist gefährlich. Gerade, wenn es sich um Menschen handelt. Bestätigt sah das die junge Wickederin jetzt bei der Städtereise.

Mit dem Bus war es in eine der malerischen Metropolen Thüringens gegangen. Dort saß die Busgesellschaft dann in einem Restaurant an der Kaffeetafel, am Nachbartisch auch Besucher anderer Reisegruppen.

Eines dieser Ehepaare, offenbar Briten, sprach ein deutsches Ehepaar auf Englisch an. „Das sind Engländer, die verstehen wir nicht“, zog eine Reisende ihren Mann von diesem Versuch der Kontaktaufnahme weg.

Im nächsten Moment wurden die englischen Nachbarn von einer Serviererin mit recht dunkler Hautfarbe bedient, was das deutsche Ehepaar aufmerksam verfolgte. 

Auch sie hatten Kaffee geordert, der aber noch auf sich warten ließ. „Ich geh’ mal gucken“, stand nun der Gatte auf, wurde aber im nächsten Moment von seiner Gattin zurückgerufen. „Kannst hier bleiben Heinz, die Schwarze kommt“, rief sie ihm zu.

Im nächsten Moment war die so titulierte Serviererin mit dem Tablett am Tisch, kredenzte mit feinstem Mona-Lisa-Lächeln den Kaffee und wünschte: „Bitte sehr, lassen Sie es sich schmecken“. 

Dass „die Schwarze“, die eben noch mit dem britischen Ehepaar englisch gesprochen hatte, offenbar deutscher Muttersprache war, ließ unser Ehepaar ebenso verblüfft, wie wohl auch peinlich berührt zurück.

Und während sie mit gesenktem Haupt den Kaffee vor sich abstellte, nahm er die Tasse mit offenem Mund entgegen und hauchte der Serviererin ein tonloses „thank you“ entgegen...

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