Wieder Bewegung im Hang: Wer trägt die Verantwortung?

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Bereits sind diverse Schäden auf den Grundstücken der Nachbarn entstanden. Jetzt haben die Anwohner Angst, dass sie demnächst möglicherweise sogar ihre Häuser verlassen müssen.

Wickede - Der Steilhang an der Straße „Im Winkel“ kommt nicht zur Ruhe: Erneut hat das Erdreich übers Wochenende nachgegeben. Eine Stützmauer oberhalb sackte gut 30 Zentimeter ab. Mittlerweile fragen sich die Hausbesitzer dort, wie lange sie noch in ihrem Wohneigentum bleiben dürfen.

Der erneute Vorfall wirft auch ein Licht auf die Rolle des Kreises Soest. Der hatte bisher offiziell geäußert, dass nach der Sicherungsanschüttung von rund 550 Tonnen Schotter die Gefahr gebannt und der Hang zum Stillstand gekommen sei. Das war noch in der Vorwoche Sprachregelung, als eine Delegation die Baustelle unter die Lupe nahm.

Nachdem sich möglicherweise infolge der anhaltenden Regenfälle am Wochenende ein weiterer Spalt im Garten eines Anrainers aufgetan hat, waren Vertreter des Kreises gestern erneut vor Ort. Nach dem Besuch zeigte man sich in der Anwohnerschaft überrascht, dass seitens der Kreisvertretung vor Ort geäußert worden war, dass man mit weiteren Erdbewegungen gerechnet habe, nur nicht so bald.

Die Konsequenz nach der Kreisvisite war eine Bekräftigung des Betretungsverbotes für die Anwohner, die Teile ihres Eigentums wie z.B. den Garten oder sogar den Balkon nicht mehr nutzen dürfen. Und nachdem auch 550 Tonnen Schotter weitere Bewegung im Hang nicht stoppen konnten, sich stattdessen neue Risse und Absackungen bilden, befürchten die Anwohner, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis ihre Wohnhäuser nebst Anbauten destabilisiert werden und der Kreis auch ein Betretungsverbot fürs Eigenheim ausspricht.

Noch sind in den Kellern keine Risse zu erkennen, wie eine Besichtigung vor Ort zeigt. Folgt man aber der Bodenabsenkung, die sich im Rahmen der Bauarbeiten ergeben hat, dann dürfte sich der Korridor des instabilen Erdreiches weiter nach Norden fortsetzen - und damit dann auch unter bzw. direkt neben aufstehenden Wohngebäuden liegen.

Die Anwohner oberhalb sind hier unverschuldet in mehrfacher Weise betroffen. Denn abgesehen von den Einschränkungen bei der Nutzung ihres Eigentums hängen sie auch völlig in der Luft, wenn es um einen Adressaten für ihre Ansprüche geht. Wer kommt für die bereits entstandenen und möglicherweise noch hinzukommenden Schäden auf? Und wichtiger noch: Wer ist für eine Bodensanierung verantwortlich, um die Erdbewegungen nachhaltig zu stoppen? Diesen Fragen gilt gegenwärtig besondere Aufmerksamkeit, weshalb man hier auch juristischen Beistand eingeschaltet hat.

Wer trägt die Verantwortung?

Schon die bisherige Entwicklung hat gezeigt, dass es hier keine einfachen Antworten gibt. Die einen sehen den Kreis Soest in der Verantwortung. Seine Baubehörde hatte seinerzeit die Baugenehmigung erteilt - ob mit ausreichenden Auflagen bezüglich der Bodenbeschaffenheit, ist einer der zu klärenden Punkte. Andererseits hatte der Hang seit Jahr und Tag stabil gestanden - mit nur einer wackeligen Bruchsteinwand und einem kleinen Fachwerkhäuschen an seinem Fuß, ohne dass der Boden in Bewegung gekommen wäre. Das ist ganz offensichtlich erst passiert, als die beauftragte Baufirma mit ihrem Bagger an dem Steilstück tätig wurde.

All dies werden Faktoren sein, wenn es um die Aufarbeitung der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten geht. Und diese Aufarbeitung wird es geben müssen. Zum einen, wegen der bereits entstandenen Schäden bzw. Reparaturen und Kosten, zum anderen wegen der noch zu erwartenden. Wenn z.B. ein Garten oder ein Balkon nicht mehr genutzt werden darf, entspricht das einer Einschränkung, die nicht nur im Falle einer Vermietung geldwert in Anrechnung gebracht werden kann.

Wenn es ganz unglücklich läuft, dann wurde bei den Baggerarbeiten am Hang quasi der Stöpsel gezogen, ist ein nach Norden verlaufender Kanal aus instabilem Boden in Bewegung gekommen, der aufstehende Häuser unterhöhlt und in einer Art und Weise destabilisiert, dass darin nicht mehr gewohnt werden kann. Nicht zuletzt aufgrund dieser Befürchtung wollen die geschädigten Anwohner nun wissen, an wen sie sich mit ihren Ansprüchen zu halten haben.

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