Gastro-Szene und die Pandemie

Sicherheit und Genuss bei Gerbens: Mit Abstand besser essen

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Die Maske ist in diesen Tagen steter Begleiter: Restaurant-Leiter Björn Mündelein vor dem gerade jetzt beliebten Sommergarten am Wickeder Haus Gerbens.

Wickede – Die Scholle darf derzeit nicht am Tisch filetiert, der offene Wein nicht am Platz eingeschenkt werden – nur einige der Einschränkungen, denen auch die gehobene Gastronomie nach wie vor zu begegnen hat. So wie im Haus Gerbens, das wie die gesamte Branche hart von der Pandemie getroffen wurde. Unter dem Motto „Mit Zuversicht durch die Krise“ nimmt der Betrieb langsam wieder Fahrt auf.

Seit wenigen Wochen erst ist überhaupt wieder an einen Restaurantbesuch zu denken, nachdem seit März die Küche kalt und der Zapfhahn oben bleiben musste. Für den Neustart gilt zudem ein ganzer Katalog staatlicher Auflagen. „Die haben wir aber zu mehr als 100 Prozent erfüllt“, sagt Björn Mündelein, der gemeinsam mit Rudolf Hillebrand das Leitungsduo der Gourmet-Stätte stellt.

Beim Gang durch Saal und Gaststube weist Mündelein auf die vielen Details zum Schutz der Gäste und des Personals hin. Wer eintritt oder sich im Haus bewegt, trägt Schutzmaske, Raumteiler und Trennwände sorgen ebenso für Abstand wie die Reduzierung der Tischzahl von 14 auf 8, die sich um den großen Konzertflügel im Saal gruppieren.

In der Gaststube ist der Thekenbetrieb weiterhin eingestellt, und selbst der Stammtisch von Firmenchef und Hauseigentümer Ernst-Walter Hillebrand ist einstweilen außer Dienst genommen – alles Zugeständnisse, um die Abstandsregeln zu wahren.

Traurig für die Nachtschwärmer zudem: Auch die Gerbens-Bar bleibt derzeit geschlossen, „die Abstandsregeln wären hier in keiner Weise einzuhalten“, erklärt Björn Mündelein nicht ohne Bedauern. 

Trotzdem das Haus aber die behördlichen Auflagen mehr als erfüllt, Mündelein das Optimum an Hygiene und Schutz für jeden Besucher verspricht, kommt der Betrieb eher gemächlich denn als Katapultstart ans Laufen. 

Das zudem mit Nuancen: Während die Resonanz im großflächigen Biergarten schon wieder super ist, läuft es innen eher schleppend an. Immerhin: Befeuert durch den Trend zum E-Bike kommen immer mehr Radtouristen vom Ruhrtalradweg hinauf zu Gerbens. 

Auch wenn das Mittagsgeschäft generell noch ruht, öffnet das Haus nach Vorbestellung einige Tage vorher auch tagsüber bereits wieder für Gruppen ab vier Personen – etwa zum Geschäftsessen. Größere Gesellschaften aber, Hochzeiten, Geburtstage, Kommunion oder Konfirmation als wichtiges Standbein der Gastronomie, sie starten nach aktuellen Anmeldungen erst wieder im September. „Selbst wenn Feste bis 50 Personen jetzt wieder möglich sind: Die Leute haben noch sehr viel Respekt“, weiß Björn Mündelein seine Erfahrungen. 

Beim Blick in die Bücher hinterlässt all das natürlich Folgen. Was durch die Pandemie in rund einem Quartal verloren gegangen ist, „das bekommen Sie nicht wieder rein“, sagt der Restaurant-Manager.

Auch personell sei die nach wie vor nicht normalisierte Entwicklung zu berücksichtigen: Im gesamten Team mit drei Kräften im Service, dem sechsköpfigen Küchenteam und den drei Hotelfachkräften wird situationsbedingt Kurzarbeit gefahren, zwei auslaufende Zeitverträge habe man nicht verlängern können.

Positiv immerhin die Steuererleichterungen, die vor einiger Zeit vom Bund speziell für das Gastro-Gewerbe aufgerufen wurden. Sieben Prozent im Einkauf, aber 19 Prozent abzuführen – diese vom Verband bereits seit langem kritisierte Regelung war Corona-bedingt für ein Jahr geändert worden, ist auch der Umsatz nur zu sieben Prozent zu versteuern. 

Dann aber kamen ganz aktuell die Steuersenkungen für die gesamte Wirtschaft, die jetzt noch einzurechnen sind. Dem steht neben den Umsatzeinbrüchen seit März nun erhöhter Aufwand für Hygiene- und Schutzmaßnahmen gegenüber, der in der Rechnung zu berücksichtigen ist. „Für den Gast bei Gerbens heißt das unterm Strich: Die Preise bleiben stabil“, erläutert Björn Mündelein.

Nun hoffen er und das Team, dass es langsam nach oben geht mit der Gastronomie insgesamt und mit dem eigenen Betrieb im Besonderen. Mit niveauvollem Angebot bei weiter geltenden Schutzauflagen nach der Corona-Talfahrt jetzt wieder aufwärts – Haus Gerbens nimmt die Herausforderung an: mit augenzwinkerndem Doppelsinn und dem Slogan „Mit Abstand besser essen..."

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