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Friseure: „Rettet uns“

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Von: Martin Hüttenbrink

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Machen jetzt mit großen Plakaten auf ihre Lage aufmerksam: Wickeder Salons - hier der Betrieb „I Capelli“ von Lena Petrilli. © Lena Petrilli

Es geht vor allem um zwei Dinge: um Gleichbehandlung und die Option, möglichst bald wieder Kunden bedienen zu können. Drei Wickeder Friseur-Salons machen jetzt mit einer Plakat-Aktion auf die prekäre Situation ihrer Zunft aufmerksam.

Wickede - „Wir leben nur noch von dem, was wir gespart haben“, macht Lena Petrilli, Inhaberin des Salons „I Capelli“, auf die angespannte Lage aufmerksam. Die Geschäftsfrau weist ebenso wie Inhaberin Maribel Pinheiro vom Salon Hoffmann und Inhaberin Nurdan Ci von „my cut design“ an der Hauptstraße mit den Plakaten im Schaufenster darauf hin, dass es so wie gegenwärtig nicht mehr weitergehen kann. 

Dabei will Lena Petrilli auch mit dem Eindruck aufräumen, die Salons würden mit Überbrückungsgeldern gestützt. „Wir bekommen nichts“, macht sie deutlich. Selbst die im Vorjahr gezahlte, erste Überbrückungshilfe habe sie mit dem Verweis zurückzahlen müssen, sie habe im Mai zu viel Umsatz gehabt.

„Dabei haben wir doch alles so gut es ging zusammengelegt und noch Überstunden gemacht, um die Kunden bedienen und die Ausfälle ausgleichen zu können“, erzählt sie. Der Effekt sei die Rückforderung gewesen. 

Aber das ist nur ein Aspekt der Belastungen des Friseur-Handwerks. Da sind auch die laufenden Kosten. Es kommt kein Geld rein, weil der Salon geschlossen ist, „aber Innung, Handwerkskammer, Steuern - das läuft alles ganz normal weiter“, macht Lena Petrilli auf die Situation der Salons aufmerksam. 

Das Friseur-Handwerk habe nach den behördlichen Corona-Forderungen im Vorjahr in Sicherheit investiert. „Masken, Acrylglasscheiben, Sicherheitskonzepte - wir haben das alles erfüllt - und trotzdem müssen wir schließen“, sagt die Friseurmeisterin.

Andere Bereiche des Wirtschaftslebens wiederum dürften öffnen, obwohl die Notwendigkeit nicht nachvollziehbar sei - Wettbüros seien da nur ein Beispiel. 

Dabei hat die Innung die Betriebe aufgefordert, sich mit ihren Nöten an die Politik vor Ort zu wenden, damit die wiederum auf die große Politik einwirkt. Dazu habe es von der Innung auch einen Offenen Brief gegeben. „Aber ich schicke den jetzt an alle, an den Bürgermeister, an Landrätin Irrgang, an Olaf Scholz und Kanzlerin Frau Merkel“, sagt die Salon-Inhaberin. 

Der gegenwärtige Aufruf „Rettet uns Friseure“ mache deutlich, wie sehr die Salons inzwischen mit dem Rücken zur Wand stehen. Anders als andere Geschäfte, die auf Anruf an der Ladentür verkaufen oder Außer-Haus-Geschäfte tätigen können, habe das Friseur-Handwerk keine solcher Möglichkeiten. Deshalb muss hier mittlerweile tatsächlich auch von „Rettung“ gesprochen werden. 

Wenn also jetzt in den drei heimischen Salons die Plakate leuchten, dann ist das nicht zuletzt ein Hilferuf der gesamten Zunft und die dringende Aufforderung an die Politik, unter Einsatz aller nötigen Vorsorge- und Vorsichtsmaßnahmen den Friseuren wieder die Möglichkeit zur Öffnung zu geben und ein Sterben der Betriebe abzuwenden.   

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