Guter Zweck

Echthauser wandert wahnsinnige 558 Kilometer in sieben Tagen

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Jens Kielmann wanderte in sieben Tagen für den guten Zweck von Berlin nach Echthausen.

Vor einer Woche hat sich Jens Kielmann auf den Weg gemacht, von seiner Wahlheimat Berlin nach Echthausen, dort ist er aufgewachsen. Kielmann ist aber nicht mit dem Auto oder der Bahn gereist, sondern gewandert – in sieben Tagen hat er 558 Kilometer zurückgelegt. Und das für den guten Zweck.

Berlin/Echthausen - Endlich angekommen. Mit Blasen und Blutergüssen an seinen Füßen ist Jens Kielmann jetzt in Echthausen eingetroffen. Dort wurde er von seiner Familie in Empfang genommen.

Am Montag vergangener Woche hatte sich Jens Kielmann auf den Weg von der Hauptstadt nach Echthausen gemacht. Für jeden Kilometer wollte der 29-Jährige Geld sammeln für die Tee- und Wärmestube in Berlin-Neukölln. Die unterstützt auch in der Corona-Krise mit der Aktion „Lunchpakete“ Obdachlose mit dem Nötigsten. „Den Menschen fehlen Spenden, sie können auch nicht Flaschen sammeln. 1000 Euro pro Woche werden benötigt“, erklärt Kielmann die Situation im Berliner Stadtteil.

Idee stammt von Ironman Frodeno

Kielmann kommt aus Echthausen, arbeitet mittlerweile als Koch in Berlin, wo er das Essen für Kindertagesstätten und Schulen zubereitet. Auch er ist ein Opfer der Krise, befindet sich zur Zeit noch in Kurzarbeit. Doch Kielmann hadert nicht mit der Situation, sondern hat begonnen zu wandern.

Die Idee für seinen Lauf stammt vom deutschen Ironman-Sieger Jan Frodeno. Der hat mit einem „Ironman“ in den eigenen vier Wänden ebenfalls Geld für den guten Zweck gesammelt.

Mit seiner Fußballmannschaft BSV Grün-Weiß Neukölln hat Kielmann die Tee- und Wärmestube auch zuvor schon unterstützt. „Der Kontakt ist geblieben“, sagt Jens Kielmann.

Mit seinem 13 Kilogramm schweren Rucksack hat sich der Hobbyfußballer auf den Weg gemacht – darin waren Zelt, Schlafsack, ein paar Wechselsachen und Wasser. 80 Kilometer am Tag hat Jens Kielmann zurückgelegt. „An den letzten beiden Tagen musste ich nur noch 50 Kilometer laufen“, sagt Kielmann. Eine Grenzerfahrung für den Koch, der vor vier Jahren in einem Monat den Jakobsweg bewältigt hat. „Das ist etwas anderes, eine ganz andere Atmosphäre.“ Die Dörfer in Spanien seien Wanderer gewöhnt und man sei auch nicht alleine unterwegs. In Deutschland werde man erst einmal komisch angeschaut, wenn man mit einem Rucksack durch ein kleines Dorf spaziert.

Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen und schließlich Nordrhein-Westfalen – Jens Kielmann ist weit rumgekommen. Hängen geblieben ist ihm vor allem die Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt. „Ich hatte nur wenig Zeit, um die Kultur zu genießen“, erklärt er weiter.

Wildcampen ist eigentlich verboten

Zweimal durfte Jens Kielmann auf einem geschlossenen Campingplatz schlafen. „Ich habe vorher mit den Pächtern telefoniert“, sagt er. Ansonsten befand sich der Echthauser am Rande der Legalität, denn „Wildcampen ist in Deutschland verboten. Ich hätte mich im Schlafsack überall hinlegen dürfen, aber nicht das Zelt aufstellen“, sagt er, „oder sich nicht erwischen lassen.“ Er hatte Glück. Gesund kam er jetzt nach Wanderung durch Wald und Flur bei jedem Wetter endlich an seinem Ziel an. Als Verpflegung hatte er unter anderem Zwieback, Obst und Müsliriegel dabei. Ein besonders schönes Erlebnis war für ihn am vorletzten Tag eine spontane Grilleinladung.

Schwester kommt ihm entgegen

Am letzten Tag, ausgehend von Meschede, konnte seine Schwester Sandra die Ankunft nicht mehr abwarten und ließ es sich daher nicht nehmen, ihrem Bruder entgegenzulaufen – so marschierten die Geschwister die letzten Kilometer gemeinsam nach Hause, wo sie schon sehnsüchtig von den Eltern und einigen anderen Verwandten gegen 16.30 Uhr empfangen wurden.

Die nächsten Tage möchte Kielmann jetzt mit seiner Familie genießen, dann geht es zurück nach Berlin – diesmal aber nicht zu Fuß. Rund 1200 Euro sind bislang zusammengekommen. Kontodaten und Berichte über die einzelnen Etappen gibt es auf der Facebook-Seite der Tee- und Wärmestube Neukölln.

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