Medienkompetenz im Alter

So macht Corona die  Senioren am Tablet fit 

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Freuen sich mit den Senioren über das „DeBeleefTV“: Leiter Sebastian Füst und Carolin Stemper vom Sozialen Dienst

Wickede – Schutzmaßnahmen, Vorsichtsregeln, Besuchsverbote – in Corona-Zeiten hätte die Familie genauso gut auf dem Mond wohnen können, so kompliziert war der Kontakt zwischen Eltern und Kindern. Doch das blieb nicht ohne positiven Nebeneffekt: Die ältere Generation hat in puncto Nutzung digitaler Medien einen Riesensatz gemacht. Das Haus St. Josef liefert ein lebendiges Beispiel.

Der jüngste mediale Neuzugang bietet vielfältige Möglichkeiten vom persönlichen Kontakt bis hin zur digitalen Städtetour in der Gruppe. Es ist ein überdimensionales Tablet mit dem Namen „DeBeleefTV“. 

Die Idee stammt aus den Niederlanden, heißt so viel wie „Erfahrungsfernsehen“ und wurde speziell für die Förderung der Menschen mit Demenz entwickelt sowie für die Kommunikation mit Angehörigen etwa in Quarantäne-Situationen wie bei Corona.

Das Gerät hat einen berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) und ist in jede Position drehbar, kann damit also für sitzende, stehende oder auch liegende Nutzer positioniert werden.

Es ermöglicht beispielsweise die Videotelefonie mit den Kindern und Enkeln. Die Familien können aber auch digitale Nachrichten mit Sprache, Fotos, Erinnerungen oder Lieblingsmusik auf einem Datenträger im Haus abgeben, die dann für Mutter oder Vater abgespielt werden. 

Ein Rundgang durch Haus und Garten daheim etwa, oder eine Botschaft von der Familie am Küchentisch. Mit dem Gerät kann auch für jeden Bewohner ein individuelles Erinnerungsbuch digitalisiert und gestaltet werden.

Der Bildschirm ist gleichzeitig Spieltisch 

Außerdem ist der riesige Bildschirm auch ein Spieltisch, der zum digitalen Bingo, Mensch ärgere dich nicht, Skat, Rommé und vielen weiteren Spielen einlädt, der zudem als Erinnerungsbox mit vielen Bildern, Videos und sogar Werbespots aus alten Tagen. Alleine oder auch zu mehreren sind am Bildschirm zudem Wald- oder Strandspaziergänge möglich, aber auch Besuch in Metropolen wie Paris, Rom, Brüssel oder Amsterdam. 

Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten des „DeBeleefTV“ hat sich im Haus St. Josef die Schwellenangst jedenfalls schnell gelegt, versichern Einrichtungsleiter Sebastian Füst und Carolin Stemper, Koordinatorin beim Sozialen Dienst. 

Und mehr noch: Die Möglichkeiten schaffen auch bei jenen, die bisher noch vor Handy und Co. scheuten, Neugier auf die Nutzung digitaler Medien. „Bei uns hat jetzt jeder Wohnbereich ein Handy bekommen“, sagt Carolin Stemper. Mancher Bewohner bei mittlerweile auch sein eigenes Handy oder Tablet und halte damit Kontakt zu Familie und Freunden.

Keine Frage: Corona hat diese Entwicklung forciert, die Kontakt-Not half, Berührungsängste zu überwinden, Schwellen zu überschreiten. Das wirkt sich dann auch positiv in „Friedenszeiten“ aus. Denn „auch unabhängig von der Corona-Pandemie leben Kinder oder Enkel nicht immer am selben Ort wie ihre pflegebedürftigen Angehörigen“, sagt Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker.

Heimischer Förderverein hilft mit

Er hatte sich nach Beratung mit dem Diözesan-Caritasverband entschlossen, die rund 120 katholischen Einrichtungen der stationären Altenhilfe und die sechs stationären Hospize im Erzbistum Paderborn finanziell zu unterstützen.

Für das „DeBeleefTV“, das mit immerhin rund 7000 Euro zu Buche schlägt, gab es finanzielle Hilfe auch von anderer Seite. Spenden des Lions Clubs Werl sowie vom heimischen Fördervereins des Hauses St. Josef machten die Anschaffung schließlich möglich.

Hausleiter Sebastian Füst und Carolin Stemper zeigen sich begeistert: „Wir sind sehr glücklich, unseren Bewohnern eine so moderne Möglichkeit eines Angebotes der Förderung, Beschäftigung und Kommunikation dank der Spenden bieten zu können".

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