Brutdrama an der Ruhr Teil II

Schaffen Meister Adebar und Gattin das Wunder?

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Offensichtlich dankbar für das neue Wohnungsangebot: einer der Wickeder Störche beim „Erstbezug“ am Mittwoch

Das Brutdrama an der Ruhr geht weiter: Wickedes erstes Storchenpaar hat jetzt nicht nur das komplette Gelege verloren. Einer der Langbeine hat sich auch noch an einem seiner roten Stelzen verletzt. Ob gebrochen, ist noch nicht sicher. Aber: Das üblicherweise im Flug "eingezogene Fahrwerk" von Meister Adebar hängt an einer Seite herunter.

Wickede - Ob es das Männchen oder das Weibchen ist, weiß man noch nicht. Das verletzte Tier stand am späten Mittwoch wackelig an der Alten Ruhr, keine Chance heranzukommen. Denn fliegend entkommen kann der verletzte Storch gleichwohl.

Der Tierarzt, mit dem die Wickederin Marianne Rennebaum, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde beim ‎Kreis Soest, in Kontakt steht, sieht eine Möglichkeit zur Behandlung des verletzten Vogels erst dann, wenn der Storch aufgrund seiner Verletzung und der deshalb unzureichenden Ernährung entkräftet ist.

Zugezogen hatte sich der Storch die Verletzung vermutlich, als das Nest in der Nacht zu Dienstag durch die Sturmböen vom Mast der 30 kV-Leitung gerissen wurde, der Vogel sich beim Sturz aus rund 14 Metern Höhe nicht rechtzeitig aus dem Nest-Geäst lösen konnte und mitsamt Horst und Gelege auf der Wiese an der Alten Ruhr aufschlug.

Zwei der vier Eier waren dabei sofort zu Bruch gegangen, zwei weitere hatte Nachbar Schäfer Thomas Piper zunächst bergen können. Nachdem Pieper aus Strohrollen einen Turm improvisiert hatte, legte er das Nest und die beiden Eier obenauf. Doch auch für sie gab es keine Chancen. Die nach dem Sturm wohl ausgekühlten zwei weiteren Storcheneier wurden zur Beute der Krähen - die Natur räumt auf.

Eindeutige Schonhaltung: der am Bein verletzte Storch an der Alten Ruhr

Und doch gibt es nach diesem völlig verpatzten Auftakt einer ersten Storchenbrut seit langen Jahren in Wickede einen Lichtblick: Der Gemeindebauhof hat am Mittwoch eine eilig aber solide zusammengeschweißte Bruthilfe unweit des 30kV-Masten aufgestellt.

Und siehe da: Während das verletzte Elternteil des Storchenpaares noch schwankend auf der Wiese stand, landete der gesunde Partner am Mittwochabend zunächst am alten Nistplatz auf dem Strommast und flatterte dann hinunter zum neuen, gemeindlichen Brutangebot, auf dem der Bauhof Stunden vorher in rund acht Metern Höhe den Rest vom Nest platziert hatte.

Einen zweiten Frühling aber wird es aller Erfahrung nach für das Paar nicht geben. "Weißstörche haben eine Jahresbrut und es gibt normalerweise kein Nachgelege", heißt es im Internet. Die Brutdauer betrage etwa 33 bis 34 Tage von März bis Juni, die Nestlingsdauer etwa 60 Tage wobei beide Elternteile brüten, das Weibchen aber mehr. Während der Brutzeit werde das Nest ständig weiter in Stand gesetzt und ausgepolstert.

Der vom Bauhof aufgestellte Nistplatz neben dem Strommast, von dem der Horst heruntergeweht worden war

Zumindest das scheint der gesunde der beiden Störche am Mittwoch bereits in Angriff genommen zu haben. Ob es allerdings zu einer zweiten Runde mit Begattung, neuem Gelege und Brut kommt, muss angesichts aller Erkenntnis bezweifelt werden.

Zählt man dann noch die Verletzung eines der beiden Störche hinzu, dessen Schicksal gegenwärtig noch gänzlich ungeklärt ist, wäre es ein Wunder, wenn Wickedes erste Storchenbrut seit langem in diesem Jahr doch noch von Erfolg gekrönt würde. Immerhin: Naturschutzleiterin Marianne Rennebaum ist zuversichtlich, dass Wickedes Nisthilfen im kommenden Jahr wieder angenommen werden.

Und sie würdigt die bisherige Unterstützung für Meister Adebar und Gattin. Mit Anspielung auf das Bauhof-Engagement schrieb sie am Mittwoch: "Vielen Dank für den Einsatz, auch an die Anlieger, insbesondere an die Herren Pieper und Jocheim, die waren aktiv beteiligt".

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