Hühner im Hausarrest

Mobilstall schützt vor dem Virus

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Eierbauer Heinz-Bernd Luig, hier mit einer seiner Vermarktungsideen, Eier nicht nach Größe, sondern nach Gewicht zu verkaufen, hat die Reißleine gezogen: Seine Hühner haben wegen der Vogelgrippe Hausarrest.

Die Viren sind da - und hier ist nicht die Rede von Corona. Es geht vielmehr um die Influenzaviren H5N8, besser bekannt als Vogelgrippe. Nach einem Befund in Schwitten und weiteren Fällen in der Region zählt Wickede zum Beobachtungsbezirk.

Wickede - Geflügelhalter müssen ihre Tiere im Stall halten. Die Bevölkerung wird gebeten, etwaige Funde toter Wasser- oder Greifvögel dem Ordnungsamt zu melden - das gilt aber nicht für Singvögel.

Wenn der Menschen durch die Vogelgrippe auch nicht direkt gefährdet ist, so können die Viren gleichwohl zur existenziellen Bedrohung werden. Für alle jene nämlich, die mit und von Geflügel leben. So wie der Eierhof Luig.

Eierbauer Heinz-Bernd Luig hat wegen des Aufretens der Vogelgrippe in der Nachbarschaft sofort Schutzmaßnahmen ergriffen. Das gilt insbesondere für die neue Abteilung auf dem Eierhof. Vor knapp einem Jahr hat Heinz-Bernd Luig einen Mobilstall aufgebaut, dessen 450 Hühner er seit dem Befund in Schwitten vor einigen Tagen nicht mehr ins Freigehebe lässt.

Das Federvieh kann lediglich in das direkt unter dem Boden des Mobilstalls befindliche eingezäunte Souterrain hinabsteigen, um frische Luft zu tanken.
Die Hennen kommen aber nicht in Kontakt mit dem Boden und sind auch nach oben abgeschirmt. So ist sichergestellt, dass sie nicht mit Wildvögen oder deren Hinterlassenschaften in Berührung kommen - der Hauptinfektionsweg für die Vogelgrippe.

Die Vorsichtsmaßnahmen sind nachvollziehbar, hört man Geflügelfachmann Heinz-Bernd Luig. „Die Vogelgripe rafft innerhalb von einigen Tagen den gesamten Betand dahin“, weiß er. Wenn es die Tiere erst einmal erwischt hat, gibt es keine Chance. 

Hinzu kommt noch eins: Wäre der Bestand der 450 Hennen aus dem Mobilstall befallen, müsste Luig behördlicherseits auch seinen gesamten Bestand aus der Bodenhaltung keulen, jene rund 2000 Tiere also, die in der Halle seit Jahren das größte Standbein der heimischen Eierproduktion darstellen.

Und nicht nur für den Mobilstall, auch für die Halle gelten gerade in diesen Tagen besondere Sicherheitsauflagen. Außer dem Chef selbst kommt da einstweilen niemand mehr in den Stall hinein. Luig unterwirft sich einer strengen Sicherheitskontrolle, hat am Zugang zum Stall eine Art Schleuse eingerichtet und sorgt mit Desinfektionsmittel und Schuhwechsel dafür, dass von außen nichts zu den Legehennen im Stall hineingetragen wird.  

Die Vorsichtsmaßnahmen haben ihren trifftigen Grund. Denn wenn erstmal alle Tiere notgeschlachtet sind, braucht es Monate, bis ein Unternehmen wieder auf die Beine kommt. Die wirtschaftlichen Ausfälle sind längst nicht zur Gänze durch Versicherungen abgedeckt. Vor allem aber erschüttert ein solcher Befall das gute Standing im Markt und die Vertrauensbasis, die man sich über Jahre und Jahrzehnte zur regionalen Kundschaft aufgebaut hat. 

Deshalb ist Eierbauer Heinz-Bernd Luig gegenwärtig ganz besonders auf der Hut. Schließlich will er seinen Kunden weiterhin gesunde Eier von gesunden Hennen liefern. Vor allem gerade jetzt in der Osterzeit und bei der deutlich gestiegenen Beliebheit, die das Ei in der Bevölkerung erfährt.

Eine Übertragung der Vogelgrippe auf den Menschen gilt Fachleuten zufolge als eher unwahrscheinlich. „Bisher haben sich nur dann Menschen mit diesem Virus angesteckt, wenn Sie ganz engen Kontakt mit erkranktem Geflügel hatten. Eine Ansteckung des Menschen über Wildvögel oder deren Ausscheidungen (Kot) ist bisher nicht bekannt geworden“, heißt es dazu aus Fachkreisen.

Seit 2003 habe sich die Vogelgrippe unter Geflügelbeständen in Asien, aber zunehmend auch in Europa ausgebreitet. Vor allem im Winter gebe es auch in Deutschland immer wieder infizierte Vögel, vermutlich eingeschleppt durch Zugvögel, die heimische Wasservögel angesteckt haben.

Im Fachmedium „agrarheute“ heißt es nun aber: „Die Vogelgrippe vom Subtyp H5N8 soll auf den Menschen übertragbar sein. Das berichten mehrere Medien unter Berufung auf die Leiterin der russischen Gesundheitsschutzbehörde, Anna Popowa.

Demnach seien im Süden Russlands sieben Mitarbeiter einer Geflügelfarm bereits im Dezember erkrankt. Die Krankheit sei mild verlaufen und die Betroffenen haben sich wieder erholt“. Laut Popowa hat das Forschungszentrum Vektor in der sibirischen Großstadt Nowosibirsk den Vogelgrippevirus H5N8 nachgewiesen.

Dies sei bei Menschen weltweit das erste Mal der Fall gewesen. Die wissenschaftlichen Daten wurden an die Weltgesundheitsorganisation WHO übermittelt worden.

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