Prozess

Waffenhändler zum Tatort: "Ich war da häufiger essen"

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Wimbern/Arnsberg – „Ich war dort zuvor häufiger essen“, erklärte am Freitag der Neheimer Hauptangeklagte im Prozess um Diebstahl von Waffenteilen und Handel insbesondere mit Pistolen der Marke Walther P22, warum er für diese Geschäfte Wimbern ausgewählt habe.

Er kannte das Restaurant an der Kreuzung B7/B63, er kannte den Parkplatz – also traf er sich dort ab Oktober 2016 über die Woche abends mit dem ebenfalls angeklagten Waffenkäufer aus Menden.

Bevor es aber Freitag, dem zweiten Verhandlungstag im Fall des Waffenprozesses, eine Woche nach dem Auftakt vor dem Landgericht Arnsberg losging, verzögerte sich erst einmal alles. Einer der sechs Angeklagten musste noch von einem Amtsarzt auf seine Verhandlungsfähigkeit untersucht werden. 

Es handelt sich um den britischen Staatsbürger, der in seiner Garage in Unna Waffen für den Weiterverkauf zusammengesetzt haben soll. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt. Der Amtsarzt hielt ihn infolge seines vor Prozessbeginn erlittenen Schlaganfalles nicht für verhandlungsfähig. 

Keine Einigung zur Prozessbeschleunigung 

Auch wurde offenbar, dass sich die Parteien gegenwärtig nicht auf eine den Prozess beschleunigende Verständigung einigen können. Lange hatten die Verteidiger mit dem Staatsanwalt und der Kammer um eine einheitliche rechtliche Bewertung der Taten gerungen. Ohne Erfolg.

Als einen der Haupttäter sehen Staatsanwaltschaft und Kammer den 47-jährigen Arnsberger, der bei der Waffenfirma Umarex von 2016 bis 2019 Waffenteile während seiner Nachtschicht entwendete, um sie in Heimarbeit zu funktionsfähigen Waffen zusammenzubauen. 

Haupttransportmittel für die Waffenteile war die Butterbrotdose. Insgesamt rund 60 Pistolen der Marke Walther P22 und P380 soll er an den Mitangeklagten, einen 27-jährigen Mendener, auf dem Parkplatz des Wimberner Restaurants weitergegeben haben. 

Wenige Meter neben der B7 soll er dafür 24 000 Euro entgegen genommen haben – teils in bar, teils in Form von Munition für 1 bis 1,50 Euro pro Schuss. Warum er überhaupt auf die Idee gekommen sei, Waffenteile von seinem Arbeitgeber zu entwenden, um sie heimlich zu funktionsfähigen Waffen zusammenzubauen, möchte der Richter wissen. 

Erste Waffe "für sich" zusammengebaut

Wenn es stimmt, was der Angeklagte aussagt, ist er in die Sache eher hineingerutscht. Die erste Waffe habe er nämlich allein „für sich“ zusammengebaut. Und das habe auch vier Monate gedauert, bis er alle 30 Teile, die er dazu benötigte, mit Hilfe seiner Butterbrotdose und seiner Geldbörse aus der Firma Umarex herausgeschmuggelt hatte, wie er erklärt.

Beide Gegenstände seien nämlich von der Firma nicht kontrolliert worden, so dass er sie ziemlich gefahrlos als Transportmittel habe nutzen können. Allerdings habe er dann ja nicht gewusst, ob seine Waffe auch funktioniere. Dafür habe er Munition benötigt.

 In Dortmund: „Da bekommt man alles“ 

Nach der habe er in Dortmund in einem einschlägig bekannten Viertel gesucht – „da bekommt man alles“. Einem Vermittler habe er seine Rufnummer gegeben. Erst Monate später habe sich dann der 27-jährige Mendener bei ihm gemeldet, der ihm 100 Patronen für seine Walther P22 verkauft habe.

Etwas später sei er von dem Mendener dann gefragt worden, ob er auch eine Waffe verkaufen könne. Daraufhin habe er „seine“ Waffe für 250 Euro veräußert. Das sei der Preis, der üblicherweise für eine registrierte Waffe der Marke gezahlt werden müsse. 

In der Folge seien die Bestellungen dann zahlreicher geworden. Immer sei der Austausch von Waffen gegen Geld bzw. Munition auf dem Parkplatz in Wimbern erfolgt. 

Kurz vor seiner Entdeckung habe er dann keine Waffen mehr liefern wollen. Er hätte alles gehabt, was er wollte, genug Geld für seine Frau und seine Hunde. Ihm sei immer bewusst gewesen, dass das, was er da mache, sich nicht gehöre.

Gefeuert haben will der Angeklagte mit keiner der von ihm aus gestohlenen Teilen zusammengebauten Pistolen. Die Munition habe stets nur dem Test gedient. Er habe sie den Waffen, die er veräußerte, immer beigefügt.

 „Warum hat die Polizei denn dann 3000 Schuss Munition gefunden, als die Hausdurchsuchung bei Ihnen stattfand?“, möchte der Vertreter der Staatsanwaltschaft wissen. Eine Antwort auf diese Frage bleibt der Angeklagte schuldig. 

Die Frage steht im Raum, ob der Angeklagte auch an weitere Personen Waffen verkauft haben könnte. Das bestreitet dieser. Der Prozess wird fortgesetzt.

Fünf und vier Jahre werden als Strafmaß gehandelt

Für den Diebstahl von Waffenteilen und den Verkauf der daraus montierten Pistolen will der Staatsanwalt den Angeklagten mindestens fünf Jahre hinter Gittern sehen. Das zeichnet sich beim bisherigen Prozessgeschehen im Arnsberger Landgericht ab.

 Die Verteidigung hält gegenwärtig eine Bestrafung von drei Jahren und sechs Monaten für sachgerecht. Was den 27-jährigen Mendener anbelangt, hält die Verteidigung eine Bewährungsstrafe für möglich.

 Auch diese Ansicht teilt der Vertreter der Staatsanwaltschaft nicht. Wie auch die Richter erwartet er ein Strafmaß, das nicht unter vier Jahren liegt.

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