Streifzug durch die Welt der örtlichen Liköre und Brände

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Einmal querbeet durch eine Auswahl heimischer Liköre und Brände probiert: Die Gemeinde hat für die Freunde geistiger Getränke einiges zu bieten.

Wickede – Liebe geht durch den Magen - und die Heimat über die Zunge. Darauf lässt mittlerweile eine Fülle geistreicher Getränke schließen, die vor Ort kreiert wurden und ihre Fangemeinde nicht nur in der grünen Gemeinde an der Ruhr gefunden haben.

Allemal Zeit, einen Blick auf das Segment der im Handel erhältlichen Tropfen zu werfen und einige von ihnen einem Geschmackstest zu unterziehen. Ein engagiertes Team hat einen intensiven Abend lang eine große Bandbreite heimischer Wässerchen in Angriff genommen, um Wissenswertes für unsere Leser herauszuschmecken. 

Die Liköre 

Nicht nur die Idee, sondern sogar die entscheidenden Zutaten von vor Ort stecken im „Eikö“ vom Eierhof Luig. Der fein-aromatische Likör ist dabei ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit und effektive Nutzung von Ressourcen. Maßgeblichen Anteil hieran haben die Kunden. Die nämlich kaufen bevorzugt die M-, L- und XL-Eier, die kleinen S-Eier aber kaum jemand. Was tun?, fragte sich Heinz-Bernd Luig, dem die Entsorgung dieses Naturproduktes widerstrebte. 

Zwar lassen sich Eier für einen Minimalkurs von 30 bis 50 Cent pro Kilo an den Markt bringen - sie gehen in die Fertigung von homogenisiertem Einheitsei für den Gastronomiebedarf. Weil das aber mitunter nicht mal die Kosten deckt, kam die Idee mit dem Eierlikör, die Luig mit einem regionalen Partner seitdem erfolgreich in die Tat umsetzt. Der goldgelbe Eierlikör vom Vollenberg besticht mit feiner Vanille-Note und stößt mit seinen 17 Prozent auf eine weiter wachsende Anhängerschaft. 

Wer von Likören spricht, kommt um die Heimatprodukte von PunktZwo nicht herum. Ein ehedem von der Gemeinde verschenkter „Heimattropfen“ war nach Meinung verschiedener Experten wenig geeignet, bei den so bedachten Gästen Wickede geschmacklich in guter Erinnerung zu behalten. Also machte sich PunktZwo auf, das zu ändern. Herausgekommen ist eine inzwischen ansehnliche Palette reizvoller Getränke, die angetan sind, Wickede (Ruhr) als flüssiges Souvenir geschmackvoll zu repräsentieren. 

Unter den allesamt mit dem Attribut „fein“ versehenen Spirituosen gibt’s da die Erdbeere (15 Prozent), beim Tasting auch als „geballte Kraft der Erdbeere“ ausgemacht, die sich abgesehen vom Pur-Genuss in Kompination mit Sekt auch als frisches Frühlingsgetränk anbietet und dem Gourmet zudem im Verbund mit Essig und Öl als Zutat für schöne Salatsaucen offenbart. 

Als „feines Nüsschen“ lernt das Taster-Team den Haselnuss-Likör kennen - mit 20 Prozent, einem Anklang von Karamelle und süßem Nougat-Touch gerade für die Süß-Zähne der Runde ein interessanter Heimattrunk. Erstes Produkt der Wickeder Heimatprodukte war seinerzeit das Mango-Orange-Tröpfchen. „Zitronig, süß, fruchtig“, urteilte das Team über die 15-Prozent-Mischung. 

Nach dem obligatorischen Ausspülen von Mund und Glas mit stillem Wasser nimmt sich die Testerrunde als nächstes der Rumkirsche aus dem Hause PunktZwo an. „Rumtopf“, ist eine erste Assoziation schon beim Geruchstest. „Kräftig, ohne fuselig zu sein“, so das Urteil über den 22-Prozenter, der sich durchaus auch als Begleiter zum Kaffeekränzchen eigne. 

Eine Sonderstellung, weil nicht aus dem Hause PunktZwo, sondern von den Dorfvätern Wimberns gemeinsam mit ihrem Getränkepartner kreiert, nimmt der „Wimberaner“ ein, Wimberns neuer Dorftropfen. Er punktet durch seine ehrliche Beerennote. „Ein leckeres Früchtchen, auch gut für Herren“, heißt es am Testertisch. Bereichert wird die heimische Likörpalette aber auch um einen PunktZwo-Tropfen, bei dem bereits die Flasche Programm ist, der zudem Wickedes früherem Brudermeister ein flüssiges Denkmal setzt: „Schützenbruder Knut“ hat das Duo Fabri/Pantel seine Waldbeere getauft, die fruchtig-süß und mit dezenter Tropic-Note ins Glas kommt, ausgeschüttet aus einer Flasche in Steingut-Optik und mit dem typischen Schützenhut als Deckel-Krönung. 

Und es gibt noch eine weitere Besonderheit auf dem heimischen Markt geistiger Genussmittel: Das von dem verstorbenen Marketing-Tausendsassa und Fiseurmeister Michael Schulte gemeinsam mit Andre Langer kreierte „Turbinenöl“: Eine geschickt kombinierte Reminiszenz an ein klassisches Getränk aus der auch noch in Wickede beheimateten Stahlindustrie, mit einer großartigen Wermutnote und einem harmonisch eingebetteten ObstlerAnteil – auch auf Eis ein raffinierter Aperitif. 

Die Brände 

Was aber wären all diese Kinder der heimischen Likörfamilie ohne die Geschwister der nächsten Prozent-Etage. Auch hier hat die PunktZwo-Familie einigen Nachwuchs hervorgebracht: Brände aus dem Kreis Soest, vor Ort für Wickede und die Region als „Feine Tropfen aus der Soester“ Borde stilisiert. 

Mit der Börde-Kartoffel und ihren 32 Prozent startet die Tasting-Runde in dieses Segment, ein kräftiger Schluck der Kornklasse, aber eben aus der Kartoffel als einer der bedeutendsten Feldfrüchte der Börde und genau das Richtige nach gehaltvollem Mahl. Als klärende Instanz nach kräftigen Genüssen wie Eisbein und Sauerkraut oder auch Grünkohl mit Schmalz und Mettenden wird in der Runde der Börde-Kornbrand erkannt, 40 Prozent stark und gebrannt aus regionalem Weizen. 

Neben dem fein-aromatischen, ölig über die Zunge gehende, 30-prozentigen Kräuterlikör gilt das Interesse schließlich noch zwei Schwergewichten aus der von PunktZwo präsentierten Börde-Linie. Mit 40 Prozent erweist sich der Gin als raffiniert komponierter Kartoffel-Brand, der das Wacholder-Aroma in ganz neuer Qualität präsentiert, und dessen Anklänge von Apfel, Angelika-Wurzel und Brombeere neben dem Pur-Genuss auch die Verwendung für Saucen und Sauerkraut-Marinaden oder zum Beizen von Wild empfehlen. 

Schließlich jener Tropfen, der einen besonderen Eindruck hinterlässt - insbesondere bei jenen Tasting-Teilnehmern, die auch den Single-Malt zu schätzen wissen. Denn der Börde-Korn ist nicht nur ein mit heimischem Getreide gefertiger Brand. Vielmehr ließen seine Schöpfer ihm auch eine mehr als dreijährige Lagerung in einem schottischen Single-Malt-Fass angedeihen. Herausgekommen ist eine Nase, die sofort an die schottische Speyside entführt und aus dem Korn der Börde einen aromatischen Europäer macht, dessen Farbe nicht zuletzt den güldnen Schimmer amerikanischer Eichenfässer spiegelt...

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