Streetwork und Drogenpolitik

Frank Hake verlässt Wickede

Sieht vor Ort Handlungsbedarf in puncto Drogenpolitik: Streetworker Frank Hake will sich nach drei Jahren in Wickede noch einmal einer neuen Herausforderung stellen. - Foto: Schulte

Wickede – In Sachen Streetwork war die Gemeinde in den vergangenen drei Jahren kompetent besetzt. Jetzt müssen sich die Träger vor Ort nach einer neuen Kraft umsehen: Frank Hake möchte beruflich noch einmal eine neue Herausforderung annehmen.

„Ich werde 50, da möchte ich mich gerne noch einmal einer neuen Aufgabe widmen“, meint der Streetworker zu seiner Lebensplanung. Eine solche Aufgabe sieht er in einer neuen Wohngruppe für benachteiligte junge Menschen, die er mit aufbauen möchte. 

Der Streetworker hat in den vergangenen drei Jahren vor Ort Maßstäbe gesetzt. Und erntete dafür Beifall nicht zuletzt im Fachausschuss des Gemeinderates: Mit ihm ging es tief hinab und hoch hinauf, Angebote vom Tauchlehrgang bis zum Fallschirmspringen entlockten gestandenen Politikern lobendes Bedauern: „So etwas hatten wir früher nicht“.

Aber Frank Hake versteht seine Rolle nicht nur als Bespaßer der Jugend, der mit Veranstaltungen, Fahrten und Feten für Unterhaltung sorgt. All diese Unternehmungen waren nicht zuletzt Instrument, um an sein Klientel heranzukommen und ihm auch andere Angebote zu unterbreiten: Wege zu Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sind da ebenso Ziele wie z.B. eine bewusste Auseinandersetzung mit Geschichte und Politik. 

Schließlich geht es um die Vermittlung einer Lebensperspektive als mündige junge Bürger, die in der Lage sind, ihre Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben zu erkennen. Bei diesen Angeboten fällt Hakes Blick natürlich immer auch auf die Fähigkeiten junger Leute, diese Ziele, Angebote, Aufgaben und Herausforderungen zu erkennen und anzunehmen.

Bisweilen ist das nicht der Fall - etwa, weil Drogenkonsum Blicke verstellt. Wer morgens den ersten Joint rollt und sieben Tage in der Woche rund um die Uhr „breit“ durchs Leben läuft, wird seine Optionen nicht mehr erkennen. Hier rät Frank Hake den verantwortlichen Instanzen vor Ort zu größerer Aufmerksamkeit, fordert auf, mehr hinzuschauen, intensiver Strukturen zu hinterfragen, an Stellschrauben zu drehen. 

Aus Erfahrung weiß der Streetworker z.B.: Wenn Polizeipräsenz vor Ort um 21.30 Uhr endet, kommen kurz darauf die Dealer und versorgen den Markt. In Wickede ist das nicht erst um 21.30 Uhr der Fall, hier werde der Laden schon einige Stunden früher geöffnet. 

Das sei nicht zuletzt bei Lieferanten aus den größeren Nachbarstädten bekannt, die nach den Beobachtungen des Streetworkers den Absatzmarkt vor Ort zu schätzen wissen. Zwar unterscheiden sich andere Orte in ihrer Struktur grundsätzlich nicht von der Ruhrgemeinde, sei anderswo wie auch hier in puncto Drogen so ziemlich alles zu haben. Nur sei die Problematik vor Ort in Wickede überproportional vertreten. 

Zu wichtigen Aufgaben zählt Frank Hake da die Präventionsarbeit. Und das im richtigen Alter wie z.B. in der Grundschule. Hier erst bei 13, 14-Jährigen anzusetzen, sei oft schon zu spät - „da kiffen die schon“. Hier sieht der Streetworker Handlungsbedarf. Ebenso wie eben bei der Frage des Hinsehens und des Angehens von Fehlentwicklungen durch behördliche Maßnahmen.

Ein Paradebeispiel im übertragenen Sinne ist für ihn da der Vorfall am neuen Unterstand in den Ruhrwiesen: Da haben Leute hingeguckt, haben gesehen, dass Sprayer die Dose noch in der Hand hatten, haben Alarm gegeben und so dazu beigetragen, dass die Sprayer dingfest gemacht werden. 

Angezeigt sei eine solche Aufmerksamkeit auch, wenn es um den Drogenmarkt vor Ort gehe. Bei dem Verweis auf geringe oder nicht vorhandene Fallzahlen rät der Streetworker zur Vorsicht: Dies könne einerseits tatsächlich paradiesische Zustände spiegeln, andererseits aber auch Folge von Bequemlichkeit sein und davon, dass nicht hingesehen wird. 

Hinsehen aber, so der Streetworker mit Blick auf die verantwortlichen Instanzen vor Ort, im Kreis oder sonstwo, „das muss man wollen“. 

Immerhin: Einige Angebote hat Frank Hake bis Juni noch in petto: Heute geht’s zum Bogenschießen, der Abendsport in der Sporthalle steht noch an und am 25. Mai gibt’s als i-Tüpfelchen die Fahrt zum Europapark Rust, für die nur noch wenige Plätze frei sind.

Und auch in Sachen (kommunal)politischer Bildung gibt es noch einmal einen Termin: Nächsten Dienstag haben alle jungen Leute ab 18.30 Uhr im Luther-Haus Gelegenheit, mit Wickeder Politikern ins Gespräch zu kommen und dort z.B. auch die anstehenden Europawahlen anzusprechen.

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