Flugzeugabsturz bei Wickede

Alle Absturzopfer aus Arnsberg - Kinder verlieren Mutter

[UPDATE 14.30 Uhr] WICKEDE - Bei einem Flugzeugabsturz südwestlich von Wickede in den Ruhrwiesen in der Nähe des Bootshauses sind am frühen Dienstagabend fünf der acht Insassen, darunter ein Kind, ums Leben gekommen. Inzwischen weiß man: Alle Opfer kommen aus Arnsberg.

Von Anne Schoplick und Dominik Maaß

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Nach dem Absturz des Kleinflugzeugs des Typs Piper PA-32 geht die Ursachensuche weiter. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung setzten am Mittwochvormittag ihre Arbeit fort, sagte der Dortmunder Staatsanwalt Heiko Artkämper. Beim Aufprall wurde die Maschine, die sich dann überschlug, völlig zerstört. Das Flugzeug war auf der Nordseeinsel Langeoog gestartet. Auf dem Hinflug soll das Flugzeug am Dienstag in Dortmund gestartet sein.

Alle Opfer kamen nach Auskunft der Polizei Unna aus Arnsberg. Neben dem erfahrenen Piloten (59) starben eine 72-Jährige, ihr 15 Jahre alter Enkel und ihre 34-jährige Tochter sowie deren 5 Jahre alter Sohn. Drei weitere Kinder der 34-Jährigen überlebten den Absturz. Die 16 Monate alte Tochter wurde von der Feuerwehr aus dem Flugzeugwrack geborgen, zwei 7 und 4 Jahre alte Geschwister waren vermutlich allein aus der Maschine geklettert. Die Kinder wurden in Kliniken geflogen. Über ihren Zustand konnte die Polizei am Mittwoch noch keine Auskunft geben.

Bilder von der Absturzstelle:

Flugzeugabsturz bei Wickede

Die einmotorige Piper mit der Kennung D-EERB war nach ersten Informationen im Landeanflug auf den rund fünf Kilometer entfernten Flugplatz in Echthausen, als der Pilot Motorprobleme meldete. Zeugen wollen unmittelbar vor dem Geschehen Motoraussetzer der Maschine wahrgenommen haben. Als die ersten Einsatzkräfte sich durch das Wiesengelände zur Absturzstelle vorgearbeitet hatten, trafen sie auf die beiden Kinder, die auf der Wiese umherliefen.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nahm noch in den Nachtstunden erste Spurensicherungen vor; die Mitarbeiter der BFU werden führen die Untersuchungen vor Ort derzeit weiter. Nach vorläufigen Einschätzungen ist allerdings mit belastbaren Ergebnissen erst in einigen Tagen zu rechnen. Zeitgleich werden im Institut für Rechtsmedizin Dortmund die rechtsmedizinischen Untersuchungen fortgesetzt und unter anderem die Verunglückten obduziert.

Ergebnisse ihrer Untersuchungen wird die Bundesstelle nach Angaben eines Sprechers voraussichtlich erst in mehreren Wochen veröffentlichen. Die Piper PA-32 ist ein sechssitziges Flugzeug. Doch ist es nach Angaben der Bundesstelle zulässig, unter bestimmten Voraussetzungen zum Beispiel zwei Kinder auf einem Sitz mitfliegen zu lassen.

Ein Augenzeuge hatte berichtet, dass er kurz vor dem Absturz einen lauten Knall gehört habe. Als er gen Himmel schaute, habe er eine schwarze Rauchwolke am Flugzeug gesehen. Dann sei das Motorengeräusch verstummt und die Maschine sei ins Trudeln geraten. Ein weiterer Augenzeuge aus Wiehagen sprach von deutlichen Motoraussetzern. Von der Absturzstelle waren es noch geschätzte drei Kilometer bis zum Ziel. 

Probleme hatten die ersten Rettungskräfte zunächst, weil von einem Flugzeugabsturz in der Nähe des Beringhofs die Rede war. Wenig später stellte sich als Absturzstelle das weiträumige Wiesengelände zwischen Ruhr und Ruhrgraben, einige hundert Meter vom Bootshaus entfernt, auf Fröndenberger Gebiet heraus. Weit über 100 Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter 62 Feuerwehrleute aus Wickede, Ense und Werl, 46 Rettungskräfte, drei Rettungshubschrauber und zwölf psychologisch geschulte Einsatzkräfte. Die drei überlebenden Kinder wurden in Kliniken ausgeflogen.

Kreisbrandmeister Thomas Wienecke lobte in der Pressekonferenz vor Ort den reibungslosen Verlauf des Einsatzes. Wickedes Feuerwehr-Chef Georg Ptacek sprach von einer schwierigen Rettung. Nachvollziehbar auch der psychologische Druck, unter dem die Rettungskräfte bei der Bergung der Opfer gestanden haben. - eB/lnw

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