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Was wird aus der Sandwäsche?

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Von: Martin Hüttenbrink

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Häuschen im Grünen
Relikt der Wassergewinnung in Wickede: Gibt‘s für die Sandwäsche eine neue Nutzung? © Martin Hüttenbrink

Wenn die Idee eines kleinen Restaurants in der ehemaligen Sandwäsche an der Ruhrpromenade am Naturschutz scheitert – welche Nutzung ist dort überhaupt möglich? Die Frage ist von Bedeutung für die weitere Existenz des kleinen Häuschens, das ohne eine sinnvolle Nutzung vor dem Abriss steht. Immerhin: Der Erhalt der Sandwäsche ist nicht ganz chancenlos, wie die Untere Landschaftsschutzbehörde zu erkennen gibt.

Wickede – Die Sandwäsche ist neben dem Trommelwehr und dem alten Wasserwerk, Relikt und Zeugnis der heimischen Wassergewinnungsgeschichte. Das Häuschen werde abgerissen, wenn nicht in Kürze ein Nutzungsvorschlag komme, hatte Bürgermeister Martin Michalzik im Frühjahr vorgegeben.

„Wir haben dort grundsätzliches Bau- und Veränderungsverbot“. Daraufhin hat in dieser Woche Marianne Rennebaum mit Blick auf die naturschutzrechtlichen Verhältnisse verwiesen. Die Wickederin leitet bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Soest den Bereich Natur- und Landschaftschutz. An ihr geht kein Weg vorbei, wenn es um eine neue Nutzung der Sandwäsche geht.

Was könnte es nun sein, dass nach Sicht der Naturschützerin noch eine Chance in der ehemaligen Sandwäsche hätte? „Eine Naturschutzausstellung“, nennt Umweltschützerin Marianne Rennebaum eine mögliche Option. Dokumentiert werden könnten in der Sandwäsche etwa Aspekte der besonderen Schutzwürdigkeit des Gebietes, z. B. mit Schaubildern von Flora und Fauna und ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt. Denkbar wäre zudem eine Dokumentation der Wassergewinnungsgeschichte der Gemeinde. Schließlich verweist das Trommelwehr auf die Anfänge der Trinkwassergewinnung vor Ort, die vor über 100 Jahren mit der Versorgung Soests startete. Darstellen ließe sich im Rahmen einer Dauerausstellung aber auch Anschauungsmaterial zur Möhnekatastrophe, deren Flutwelle vor knapp 80 Jahren genau hier alles niederwalzte.

Diskussion um Weg

Wichtig sei aber, dass eine Ausstellung oder adäquate Nutzung verlässlich betreut würde, damit so eine Stätte nicht dem Vandalismus anheimfalle und damit wiederum zu einem störenden Objekt im Naturschutzgebiet wird. Mit einer solchen, nicht störenden Nutzung am Ruhrtalradweg, würde Umweltschützerin Rennebaum im begrenzten Rahmen sogar die Plattierung einer schmalen Zuwegung vom Radweg zur Sandwäsche befürworten.

Nach der Einladung des Bürgermeisters im Frühjahr, Vorschläge für die Nutzung zu machen, war von zwei Wickeder Geschäftsleuten vorgeschlagen worden, in der Sandwäsche eine kleine Restauration zu etablieren. Dazu hatte es in der Folge aber das ganz klare Veto von Marianne Rennebaum gegeben. Zu erwartende Auswirkungen wie Lärm oder Licht sprächen gegen ein Restaurant. Und bereits weitere Plattierungen, neue Zäune und sonstige bauliche Änderungen würden sich in dem Naturschutzgebiet verbieten.

Selbst der Rad- und Fußweg durch die Wiesen dort, Wickedes Ruhrpromenade, sei seitens des Naturschutzes nicht genehmigungsfähig gewesen. Allerdings sei aus der naturschutzrechtlichen seinerzeit eine politische Entscheidung geworden. Immerhin habe man einen Teil der Strecke von der Ruhr weg und parallel zum Obergraben bei Westfalenstahl verlegt. Damit wurde zumindest ein Teil der Ruhruferstrecke dem direkten Einfluss des Fuß- und Radweges entzogen.

Zunehmend gestört

Und der ist laut Marianne Rennebaum nicht von der Hand zu weisen. So hätten Untersuchungen gezeigt, dass etwa störanfällige Vogelarten wie etwa Wasseramsel, Eisvogel oder Flussregenpfeifer „in den letzten zwei Jahren dort zunehmend beeinträchtigt wurden“; insbesondere dort, wo die Ruhrpromenade nahe der Ruhr verläuft, Passanten ans Wasser gehen, zu Inseln hinüberwaten oder ihre Hunde ins Wasser laufen lassen, sagt sie.

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