Prozess

Talfahrt mit kaputten Bremsen, ausgelösten Airbags und 1,54 Promille

+

WICKEDE - Dass er mit seinem BMW und 1,54 Promille durch Wickede gebraust war, einen anderen Wagen touchiert, dessen Fahrer verletzt und einen Sachschaden von 1700 Euro verursacht hatte, räumte der Angeklagten ja ein. Fahrerflucht habe er aber nicht begangen. Und so legte er Einspruch gegen den Strafbefehl mit 70 Tagessätzen zu 100 Euro ein, weshalb der Fall nun gestern vor dem Werler Amtsgericht mündlich zu verhandeln war - und zu einem deutlich günstigeren Strafmaß führte.

Am Freitag, 15. Juni, bog der 29-jährige Duisburger mit seinem Pkw aus der Gerkenstraße mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Nordstraße ab. Dort stand ein 23-jähriger Wickeder mit seinem Pkw an einer Baustellenampel und wartete. 

Durch das forsche Abbiegen geriet der Duisburger mit seinem Pkw ins Schleudern und stieß mit dem Fahrzeug des Wickeders zusammen. Der erlitt eine Prellung am Knie und eine Gehirnerschütterung.

All das sei so ja gewesen, so der Schlosser. Statt anzuhalten und den Unfall zu melden, soll er seine Fahrt jedoch fortgesetzt haben, so die Anklage. Das sah der Mann anders: Vielmehr hätten beide Airbags ausgelöst, das Auto war verraucht – dies konnten unbeteiligte Zeugen bestätigen. Vor allem aber habe die Bremse versagt, weshalb er nicht direkt habe halten können. 

Er sei somit ungebremst auf die Straße „An der Lanfer“ abgebogen und erst hinter der Ecke zur Friedhofstraße zum Stehen gekommen, wo er von Zeugen in Empfang genommen wurde, unter anderem von einem Polizisten, der in der Nähe wohnt. Er habe somit gar keine Gelegenheit mehr gehabt, zum Unfallort zurückzugehen.

So drehte sich die Verhandlung am Donnerstag verstärkt um die Fragen der Route nach dem Crash und wie weit ein betrunkener Ortsunkundiger in einem verqualmten Fahrzeug mit ausgelösten Airbags und angeblich kaputter Bremse in dem hügeligen Areal, wo es bergauf und bergab geht, rollen kann. Die Bremse sei zwischenzeitlich natürlich repariert worden.

 „Ich habe zwar auch meine Bedenken, dass ein Fahrzeug so sauber geparkt zum Stehen kommt, wenn man es nur ausrollen lässt“, meinte die Richterin mit Blick auf die Unfallfotos. „Aber ein technischer Defekt ist nicht auszuschließen, das könnte nur noch von einem Sachverständigen geklärt werden“. 

Darauf verzichtete sie aber und ging auf den Antrag des Staatsanwalts ein, die Anklage auf eine fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu beschränken und eine Neubewertung vorzunehmen. 

Sie verurteilte den bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getretenen jungen Mann zu 50 Tagessätzen à 45 Euro - insgesamt also 2250 statt 7000 Euro. Die Verfahrenskosten muss er aber zusätzlich tragen - und ist für weitere sieben Monate seinen Führerschein los.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare