Prozess gegen Lehrling

Winkte ein Unfallgegner oder vertrieb er eine Fliege?

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Wickede - Hatte der Unfallgegner damals tatsächlich gewunken, um den Wickeder vorzulassen, handelt es sich dabei um eine Fehlinerpretation des Wickeders - oder gar um eine Schutzbehauptung, um den Unfall zu begründen? Fragen, die am Donnerstag im Werler Amtsgericht mit einer Geldauflage für den jungen Fahrer beantwortet wurden. 

Der Lehrling aus der Ruhrgemeinde wollte am 28. Januar von der Berufsschule in Meschede kommend wie gewohnt über die A46 wieder heimfahren. Der Zubringer gilt für ihn und den entgegenkommenden Verkehr, der hier die Vorfahrt hat.

Die aber nahm der Lehrling einem anderen Fahrer aus Münster. Es kam zum Frontalzusammenstoß mit entsprechendem Sachschaden und Knochenbrüchen.

Dass es seine Schuld war, hatte der junge Wickeder schon im Vorfeld eingeräumt, weshalb der Unfallgegner nicht geladen worden war. Vor Gericht beharrte er jedoch darauf, bei dem anderen eine Geste mit der Hand gesehen zu haben, die er zumindest so interpretiert habe, als wolle der ihn vorlassen. 

Daraufhin habe er Gas gegeben und zu spät gemerkt, dass der andere nicht abbremste - vielleicht habe der Münsteraner ja auch nur ein Insekt verscheuchen wollen, so der Lehling. „Im Winter, noch dazu, wenn es schneit eher unwahrscheinlich“, kommentierte der Staatsanwalt.

Beharrlich versuchten Staatsanwalt und Richter dem jungen Unfallfahrer beizubringen, dass sie die Verhandlung aussetzen und der Behauptung mit der Geste nachgehen müssten, wenn er dabei bleibe. „Aber ich habe den Eindruck, Sie suchen für sich selber eine Entschuldigung, anstatt sich einzugestehen, dass Sie schlichtweg gepennt haben“. 

Auch wenn ihn dieses „Wegschieben der Verantwortung“ wurmte, gab der Wickeder irgendwann doch seine Zustimmung zur Einstellung des Verfahrens gegen eine Zahlung von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Der Angeklagte selber versprach von sich aus, ein Sicherheitstraining beim ADAC ableisten zu wollen.

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