Waffenhandel

Pistolenmanufaktur in der Dachkammer

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Eine Walther P22, ausgestellt bei der Jagd- und Sportwaffenmesse in Nürnberg.

Wimbern – Bevor er in Wimbern ‘zig Pistolen an den Mendener Waffenhändler verkaufte, baute der 47-Jährige Neheimer die Waffen in seiner Wohnung in einer kleinen Werkstatt unterm Dach. Die Einzelteile hatte er über Jahre Stück für Stück von seinem Arbeitgeber, der Firma Umarex, mitgehen lassen. Einen Einblick in seine ganz private „Waffenproduktion“ erhielten die Teilnehmer des vierten Prozesstages in dieser Woche.

Fotos von der Hausdurchsuchung belegen den Umfang der früheren „Heimarbeit“ des Angeklagten, bei der er funktionsfähige, nicht-registrierte Waffen für den Weiterverkauf zusammenbaute.

Zu erkennen ist ein Arsenal mit Pistolen wie Baretta, Walter P22 und P38, dazu auch ein Maschinengewehr. Zudem unzählige Einzelteile wie Schlitten, Hähne und Läufe, aber auch Schalldämpfer, Laserpointer und mehrere tausend Patronen für unterschiedliche Kaliber. 

„Insgesamt rund 54 weitere Waffen hätten aus den gefundenen Einzelteilen gefertigt werden können“, so der als Zeuge aussagende Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Hagen. Aber nicht nur in seiner „Werkstatt“ unter der Dachkammer hatte der Angeklagte Waffenteile aufbewahrt – in Kisten verpackt wurden Pistolenteile auch im Zimmer des Sohnes gefunden.

 „Mein Sohn hat mir bei meiner Heimarbeit geholfen“, so der Angeklagte. Allerdings hatte der Mann auch im offiziellen Sinne als Heimarbeiter für die Firma Umarex gearbeitet. Wenn auf der Lohnliste auch offiziell seine Ehefrau stand, weil der Angeklagte selbst ja bereits seiner regelmäßigen Vollzeitschäftigung bei Umarex nachging.

Auf die Spur des selbst erklärten „Waffennarren“ kam die Polizei, weil im Kreis Bad Nenndorf/Niedersachsen seit 2017 verstärkt nicht registrierte Pistolen der Marke Walter P22 auftauchten. Als Urheber dieser Waffen kam nur die Firma Umarex in Betracht, die daher von der Polizei über ein Sicherheitsleck in ihrer Firma informiert wurde. 

Hohe Dunkelziffer vermutet

Umarex verschärfte die Sicherheitskontrollen. P22 tauchte seit 2017 verstärkt auf Dabei ging am 26. März der Angeklagte ins Netz. Bei einer Durchleuchtung am Ausgang wurde bei ihm ein Pistolenlauf entdeckt. Festnahme und Durchsuchung folgten. 

Insgesamt seien bislang 58 dem Angeklagten zugerechnete Pistolen aufgetaucht - bis auf eine Waffe alle im Bundesgebiet, so der als Zeuge vernommene Polizeibeamte. Durchschnittlich zehn Prozent aller Waffen, die illegal in den Verkauf gelangen, kommen wieder ans Tageslicht. 

Bei 58 entdeckten Waffen müsse also von einer deutlich höheren Zahl von Waffen ausgegangen werden, die der Neheimer auf den Markt gebracht hat. Und das jeweils über den Mendener Ankäufer, der sie für 250 Euro, später für 350 Euro das Stück übernahm. Der Prozess wird am 2. Dezember fortgesetzt. Mit den Urteilen ist Mitte Januar zu rechnen.

Spur in Rockerkreise erhärtet sich

Für die in Wimbern gehandelten Pistolen erhärtet sich nicht zuletzt die Spur in Rockerkreise: Drei Waffen wurden laut Polizei am 6. Dezember 2018 bei den „Freeway Rider´s“ gefunden, wurden bei gegenseitigen Tötungsdelikten benutzt. Auch bei den „Bandidos“ im Rheinland und bei den „Hell´s Angels“ im Hamburger Raum seien Waffen sichergestellt worden.

Dort im Rahmen von Ermittlungen, bei denen es um 15 Tonnen Kokain gehe. Auch bei einem Tötungsdelikt in Hannover, bei dem zwei armenische Staatsangehörige aufeinander schossen, sollen Waffen zum Einsatz gekommen sein, deren Herstellung dem Angeklagten zugerechnet werde.

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