Als Physik-Didaktiker in aller Welt zuhause

Mit 83 Jahren verstorben: Prof. Dr. Dieter Nachtigall

WIEHAGEN ▪ Er zählte über 60 Veröffentlichungen zu seinem Lebenswerk, war als Lehrer der Lehrer in der ganzen Welt, vor allem aber im asiatischen Raum unterwegs, stellte sich als Kernphysiker und Didaktiker gegen die Ausbildung von „Fachidioten“ und für die Vermittlung eines zusammenhängenden physikalischen Weltbildes, in dessen Lehre der Ethik ein fester Platz einzuräumen sei: Prof. Dr. Dieter Nachtigall ist am Montag nach einem erfüllten Leben im Alter von 83 Jahren gestorben.

Ein Ur-Wiehagener war er nicht. Geboren im Havelland nahm Prof. Dr. Nachtigall nach Krieg, Flucht aus der Gefangenschaft und späterem Studium von 1956 bis 1959 eine Stellung als Lehrbeauftragter an der Fakultät Kerntechnik der TH Dresden an. Doch geriet er mit der Stasi aneinander, wurde konspirativ überwacht. Nicht zuletzt „Verbindung mit Feindzentralen“ wurden ihm vorgehalten - es waren harmlose West-Kontakte. Prof. Dr. Nachtigall verließ die DDR, ging zur Kernforschungsanlage nach Jülich und promovierte an der RWTH Aachen.

Es folgten Forschungen im Labor CERN bei Genf und später die Leitung der Abteilung Strahlenschutz im EURATOM-Büro in Geel/Belgien. Nach der Berufung auf den Lehrstuhl für Physik und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule in Dortmund folgte 1973 der Umzug nach Wiehagen und 1981 die Professur für Physik-Didaktik am Institut für Physik der Uni Dortmund.

Seine Verdienste um die Lehre in der Physik brachten Prof. Dr. Dieter Nachtigall 1998 auch eine hohe Auszeichnung der ICPE, einer Kommission des internationalen Dachverbandes der Physiker, ein: Diese Medaille wurde ihm als erstem Deutschen überhaupt verliehen.

So viel bewandert er auf dem Parkett der Fachwelt war, so zurückgezogen lebte Prof. Dr. Nachtigall als Wickeder Bürger in seinem Eigenheim in Wiehagen. Beim Blick ins Ruhrtal tankte er auf und sammelte Kraft für seine Arbeit. Sein direktes Umfeld aber stieß auch im Heim „Auf‘m Hilmkamp“ in Dieter Nachtigall auf einen hochinteressanten Gesprächspartner, dessen Gedanken und Ausführungen nicht zuletzt eines waren: Blicke weit über den Tellerrand hinaus

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