Große Unsicherheit

Online-Umfrage zeigt: Radler wollen besseren Schutz

Wickede: Auch im Bereich des Knotenpunktes an der Ruhrbrücke sieht das Gutachten Verbesserungsbedarf für den Fahrradverkehr.
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Auch im Bereich des Knotenpunktes an der Ruhrbrücke sieht das Gutachten Verbesserungsbedarf für den Fahrradverkehr.

Das Schutzbedürfnis des Fahrradfahrers ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um Verbesserungen der Radwege im Ort geht. Da besteht offenbar Bedarf in Wickede, wie das vom Büro nts vorgelegte Radverkehrskonzept zeigt.

Wickede - Die Online-Umfrage, an der sich immerhin 154 Personen beteiligten, ergab nämlich, dass mehr als 50 Prozent der Befragten sowohl an Kreuzungen und Einmündungen, als auch auf den Straßen selbst unsicher sind, rund 15 Prozent empfinden sogar eine große Unsicherheit. Nicht unwichtig ist vor dem Hintergrund die Statistik: Von 2017 bis 2020 ereigneten sich im Gemeindegebiet insgesamt 19 Verkehrsunfälle mit Radfahrern, vier davon wurden schwer verletzt. Angesichts des angesprochenen Schutzbedürfnisses und der Tatsache, dass wenigstens die Hälfte aller Fahrten mit dem Auto im Kreis Soest und vermutlich mehr noch in Wickede kürzer als sechs Kilometer sind, ergibt sich:

Mehr Sicherheit einerseits und erhebliches Potenzial für den Umstieg aufs Rad bei Kurzfahrten andererseits, ergeben unterm Strich die Erwartung, dass mit entsprechenden Maßnahmen und geeigneten Schritten der Nutzungsgrad des Fahrrades im Ort gesteigert werden kann. So sieht es auch Bürgermeister Martin Michalzik, der anlässlich der Präsentation des Radverkehrskonzeptes erklärte: „Das Fahrrad als Allround-Verkehrsmittel wird immer wichtiger.“

Radverkehrskonzept: Topografie ist anspruchsvoll

Zahlreiche Erfahrungen zeigten, dass sich grundsätzlich viele der typischen Wegstrecken im Alltag umweltfreundlich mit dem Fahrrad zurücklegen lassen.

Mit Pedelecs und E-Bikes verliere zudem auch die anspruchsvolle Topografie der Gemeinde mit ihren Gefällstrecken und Steigungen hemmende Wirkungen gegen das umweltfreundliche Verkehrsmittel.

Daher sind die Hinweise auf Schwachstellen und die Vorschläge für Verbesserungen das Kernthema des Radverkehrskonzeptes. Zu den Schwächen zählt das Ingenieurbüro aus Münster etwa fehlende Beschilderungen und Sicherheitsmängel an der Hauptstraße sowohl im Bereich der Querung oberhalb der Shell-Tankstelle als auch im Bereich der Einmündungen der Fröndenberger Straße am Beginn der Ruhrbrücke, am Schwarzen Weg aber auch am Ruhrtalradweg.

Eine fehlende Radverkehrsführung attestiert das Papier der Gemeinde am Waltringer Weg, an der Strecke nach Haus Füchten, am Wickeder Ufer oder an der Mendener Straße. Außerdem werden bauliche Mängel ausgemacht: am Schwarzen Weg, am Bockweg, an der Fröndenberger Straße und erneut an der Hauptstraße.

Überdies zeigt das Konzept Hindernisse etwa in Form von Sperrbügeln auf: am Lehmacker, an der Wickeder Straße in Wiehagen und einmal mehr an der Hauptstraße.

Zur Lösung werden gemeinsame Geh- und Radwege angeregt: innerorts in Bereichen wie dem Lanferbach- und Erbketal, der Verbindung nach Echthausen und am Prozessionsweg im Bereich Westerhaar, ebenso im Bereich Mannesmanngelände und an den Ruhrbrücken. Außerorts werden eigene Wege angeregt an den Strecken K 26 nach Haus Füchten, an der L 673 (Waltringer Weg), der L 732 (Ruhrstraße), der B 7 (Mendener Straße) und der B 63 (Hauptstraße).

Ein geschützter Fahrradstreifen wird an der verkehrsberuhigten Hauptstraße zwischen Sparkasse und der Einmündung zur Bahnhofstraße vorgeschlagen. Dies lässt sich nach einer Skizze des Büros dort mit dem reinen Gehweg und weiteren Flächen für parkende Autos kombinieren.

Die Anlage von reinen Fahrradstraßen regt das Büro beispielsweise für den Wirtschaftsweg zwischen Wickede und Schlückingen an, für Hövelstraße und Ziegenhude, für Garten- und Brückstraße oder auch für die Ringstraße. Überdies schlägt das Gutachten die Freigabe von Wirtschaftswegen für Radfahrer vor. Benannt werden beispielsweise der Prozessionsweg, der Schwarze Weg oder auch der Kuhlen- und Feldweg in Wimbern.

Und ähnlich wie jüngst an der Von-Lilien-Straße zwischen Wickede und Echthausen bereits umgesetzt, legt die Expertise weitere Beleuchtungen nahe, etwa an der Strecke zum Gewerbegebiet Westerhaar oder zwischen Wiehagen und Sportplatz.

Radverkehrskonzept: „Kompass für Entwicklung“

„Mit den Anregungen und konkreten Empfehlungen aus dem Radverkehrskonzept bekommen Politik und Verwaltung wertvolle und umsetzungsorientierte Hinweise, Mobilität mit dem Fahrrad auf sicheren und attraktiven Verbindungen zu fördern“, kommentierte das Rathaus die Vorlage des Konzeptes, das von der Politik als „Kompass für die Gemeindeentwicklung“ in Auftrag gegeben worden sei.

Möglich geworden sei der Handlungskatalog durch eine Leader-Förderung über 13 000 Euro.

Die Untersuchung von Anna Hennerkes und Olaf Timm vom Planungsbüro nts in Münster führe politische Ziele für eine moderne Gemeinde, Bürgerinteressen für neue Mobilität, verkehrstechnisches und wissenschaftliches Wissen rund um das Thema Radverkehr mit Fokus auf Wickede (Ruhr) in einem umfassenden Konzept für die Zukunft zusammen.

Vorschläge für 47 Abschnitte und Örtlichkeiten

Für 47 Streckenabschnitte bzw. Örtlichkeiten in der Gemeinde unterbreitet das Fachbüro konkrete Vorschläge, die in kurz-, lang- und mittelfristigen Maßnahmen umgesetzt werden könnten. Sie umfassen kalkulierte Kosten zwischen wenigen 1000 Euro bei kleinen Maßnahmen bis zu hohen sechsstelligen Beträgen bei Straßenumbauprojekten oder Brückenvorschlägen. Schon diese Dimensionen zeigen, dass manches eine grundsätzliche Abwägung und lange Perspektive brauche. Das gelte zum einen mit Blick auf den Gemeindehaushalt und Fördergelder und zum anderen, weil für größere Projekte der Kreis Soest, das Land NRW oder der Bund als „Straßeneigentümer“ einbezogen werden müssen. Aber der Aufwand lohne sowohl mit Bezug zur Vergangenheit der Gemeinde als auch mit Blick auf ihre Zukunft: „Wickede (Ruhr) ist in seiner Wirtschaftsgeschichte und in der Gegenwart als Industriestandort eng mit der Fahrradindustrie verflochten. Als Gemeinde am Ruhrtalradweg erleben wir zudem jedes Jahr mehr, wie beliebt sportliche Erholung mit dem Rad für eine wachsende Zahl von Menschen ist“, fasst Bürgermeister Michalzik zusammen.

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