Hilfe für Geschädigte

Nach der Flutkatastrophe: Hausbesitzer fragen nach Elementarversicherung

Während in neuralgischen Hochwassergebieten Elementarversicherungen schon nicht mehr zu haben sind, wird Wickedes Hauseigentümern diese Option selbst an gefährdeten Bereichen wie der Erlenstraße nach wie vor eingeräumt.
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Während in neuralgischen Hochwassergebieten Elementarversicherungen schon nicht mehr zu haben sind, wird Wickedes Hauseigentümern diese Option selbst an gefährdeten Bereichen wie der Erlenstraße nach wie vor eingeräumt.

Die heimischen Versicherungen registrieren verstärkte Nachfragen nach einer Aufstockung des Schutzes um eine Elementarversicherung.

Wickede - Zwar gilt für die Büros vor Ort wie für die Gemeinde insgesamt: „Wir sind noch glimpflich dabei weggekommen.“ Doch hat das Ruhrhochwasser in Verbindung mit den Katastrophenmeldungen im ganzen Land die Hausbesitzer offenbar sensibilisiert.

„Ja, wir haben verstärkte Anfragen“, bestätigt bei der Provinzial Werner Mischke zum Thema Elementarversicherung. Schließlich ist dieser Baustein speziell für Naturereignisse wie Hochwasser vorgesehen. „Damit sind Schäden abgedeckt, die infolge Überschwemmungen durch Starkregen bzw. ausufernde Gewässer entstehen“, so der Versicherungsfachmann. Auch Rückstau ist hier abgesichert. Anders als bei solchem Oberflächenwasser verhält es sich bisweilen mit dem Grundwasser, das durch Boden und Wände ins Haus drückt. Hier sollten sich Hausbesitzer bei ihrer jeweiligen Versicherung erkundigen.

Ruhrhochwasser in Wickede: Tarif variiert je nach Entfernung zu einem Gefahrenpunkt

Zudem spreche die Provinzial jetzt aber auch Kunden an und informiere über die Elementarversicherung als Baustein zum Schutz. Dabei kann dann auch ermittelt werden, in welcher Elementar-Zone der jeweilige Kunde wohnt. Der Tarif variiert je nach Entfernung zu einem Gefahrenpunkt. „Je weiter das Gebäude vom Gewässer weg ist, umso günstiger ist dieser Baustein“, so Mischke.

„Viele wissen das gar nicht“, erläutert bei der LVM in Wickede Versicherungskauffrau Annika Koch zur Elementarversicherung. Auch dort sei nach den jüngsten Vorfällen erheblicher Informationsbedarf festzustellen. Hinzu komme, dass die LVM in einer seit Monaten geplanten Aktion die Kunden angeschrieben und auf die Elementarversicherung hingewiesen habe. Dass die Briefe gerade jetzt nach den jüngsten Flutkatastrophen die Kunden erreicht haben, sei Zufall. Alles in allem jedenfalls sei die Nachfrage gegenwärtig „definitiv sehr stark“, so Annika Koch.

Hilfen für Hochwasser-Geschädigte vor Ort

Für diejenigen, die durch das jüngste Hochwasser in Wickede Schaden erlitten haben, wird es nach den Hilfen unmittelbar während der Überschwemmungen auch weitere Angebote geben.

Die Kommunen bereitet gegenwärtig eine Aktion vor, um jenen Haushalten unter die Arme zu greifen, die wegen der unter Wasser gesetzten Keller besonders viel Sperrmüll zu entsorgen haben. „Wir werden direkt auf die Betroffenen zugehen“, erläutert Rathaus-Pressesprecher David Adrian. Gleichzeitig bietet auch das Jobcenter AHA Kreis Soest nach dem Hochwasser Kundinnen und Kunden schnell und einfach die Möglichkeit, finanzielle Hilfe für die Beschaffung von notwendiger Ausstattung zu erhalten. Wer aus dem Kundenkreis des Jobcenters betroffen ist und Möbel und Ausstattung verloren hat, kann sich unter 02921-106 500 melden oder eine E-Mail an Jobcenter-Soest@jobcenter-ge.de schreiben.

Das Jobcenter bittet darum, für eine schnelle Kontaktaufnahme eine Rückrufnummer zu hinterlassen, um den Sachverhalt und die Hilfsmöglichkeiten besprechen zu können.

Der zusätzliche Versicherungsbaustein ist oft an eine Selbstbeteiligung gekoppelt. Deren Höhe hat ebenso wie die Lage bzw. Zone wiederum Auswirkungen auf den Tarif. Grundsätzlich aber ist die Elementarversicherung vor Ort noch in jeder Wohnlage zu bekommen. Anders als in Gebieten wie etwa an Rhein oder Mosel, die jedes Jahr überflutet werden. Dort bieten die Gesellschaften einen solchen Schutz gar nicht mehr an, weil die Häuser regelmäßig von Überflutungen heimgesucht werden.

Ob dies irgendwann auch in Wickede droht, ist derzeit nicht absehbar. Noch nicht. Zwar hat es einerseits immer schon Hochwasser und Überschwemmungen gegeben. Andererseits aber häufen sich Starkregenereignisse und deren Folgen. „Wenn so ein monsunartiger Regenfall mal nicht nur für eine Stunde, sondern für ein paar Tage ‘runterkommt, dann bringt das ganz andere Folgen mit sich“, spielt Werner Mischke auf die gerade in diesen Tagen viel zitierten Klimaveränderungen an, die bisweilen auch bereits jetzt als klare Anzeichen einer Klimakatastrophe bezeichnet werden. Das sei auch bei den Versicherungsnehmern festzustellen. „Vor zehn Jahren hat sich über eine Elementarversicherung noch keiner Gedanken gemacht“, so Mischke.

Übrigens deckt dieser Versicherungszusatz auch Erdsenkungen ab. Damit habe man insbesondere in Bereichen des Bergbaus zu tun. Der reichte im heimischen Untergrund zwar noch bis unter Fröndenberg. Bis ins Erdreich unter Wickede sei der Bergbau seinerzeit aber nicht gekommen, sodass mit typischen Senkungen und Verwerfungen hierzulande nicht zu rechnen sei. Auch Lawinen und Vulkanausbrüche sind für das Gemeindegebiet eher unverdächtige Risiken. Wohl aber Schneedruck, wie erst der jüngste Winter gezeigt hat. Wie sich die Klimaveränderungen in den kommenden Jahren in der kalten Jahreszeit auswirken, ist da ebenfalls kaum verlässlich vorherzusagen.

Ruhrhochwasser in Wickede: „Wir sind glimpflich weggekommen“

Für die Versicherungen in der Gemeinde gilt bei der Schadensbilanz jene Feststellung, die auch bereits für das allgemeine Geschehen vor Ort getroffen worden war: „Wir sind glimpflich dabei weggekommen.“ Die Zahl der Versicherungsfälle blieb überschaubar.

Das war auch beim ähnlich starken Hochwasser 2007 nicht viel anders. Richtig gescheppert hat es dagegen ein Jahr später, als 2008 Wickede und etliche andere Kommunen im Land von massivem Hagelschlag betroffen waren. Damals schnellten die Versicherungsfälle in die Höhe. Allein die Provinzial in Wickede registrierte seinerzeit rund 1200 Fälle an Gebäude, hinzu kamen mehrere hundert Autos, die von dicken Hagelkörnern beschädigt worden waren.

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