Mann aus Wickede vor Gericht

Auf der A2 zweimal mit Absicht aufgefahren?

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Wickede/Lippetal - „Ich glaube Ihnen kein Wort, gar nichts.“ Offenbar hatte die Jugendrichterin am Werler Amtsgericht auch gar nicht damit gerechnet, eine vernünftige Aussage vom Angeklagten zu erhalten.

Zu absurd waren seine Einlassungen schon zuvor bei der Polizei gewesen, sodass sie ihn bei seiner Verhandlung am Donnerstagmorgen bereits begrüßt hatte mit den Worten: „Einfach mal bei der Wahrheit bleiben, das wäre jetzt hilfreich.“ 

Am 27. Mai war der damals 20-jährige Wickeder zur Mittagszeit mit seinem Pkw auf der A2 bei Lippetal, Fahrtrichtung Hannover, gleich zweimal auf den Pkw der Geschädigten aufgefahren. Sachschaden: 2 000 Euro. 

Danach soll er die Ausfahrt genommen und sich aus dem Staub gemacht haben, ohne den Unfall zu melden oder sich sonst irgendwie um die Sache zu kümmern. Vielmehr habe er den Firmenwagen „einfach dreist mit Schlüssel und Frontschaden auf dem Firmengelände abgestellt“, so die Richterin.

Der junge Wickeder gab als Grund Übermüdung an. Den Tempomat habe er auf 150 km/h gestellt, doch der Abstandsregler sei defekt gewesen. Um 4 Uhr morgens habe er Feierabend gehabt - der Unfall hingegen wird auf 12.05 Uhr datiert.

Bei der Schilderung dessen, was in der Zwischenzeit geschah, zerfaselte sich der undeutlich nuschelnde Mann schon bei der Erstvernehmung wie vor Gericht. Schon allein die Frage, wer mit an Bord war, war schwer zu klären. 

Mal war er alleine, dann soll ein Kollege mit im Auto gewesen sein, der bei ihm übernachtet habe und der ihn überredet habe, ihn heimzufahren nach Rheda-Wiedenbrück, aber natürlich hatte er weder dessen Adresse noch seine Telefonnummer. 

Plötzlich fiel ihm noch jene Freundin aus Arnsberg ein, die aus irgendwelchen Gründen auch mit an Bord gewesen sein soll. Immerhin: Das deckte sich mit den Zeugenaussagen, derer es genügend gibt. 

Zu dritt sollen sie gewesen sein, ein schlingerndes und aggressives Fahrverhalten wurde ihm nachgesagt. Absolut zielgerichtet soll er Gas gegeben und mutwillig ins Heck des Wagen vor ihm gefahren sein. Weshalb die Zeugen nun auch alle zu einem neuen Termin geladen werden sollen. 

Denn dass dieser Unfall nur auf Übermüdung zurückzuführen sein soll, will die Richterin nicht wahrhaben. Dass der Angeklagte jedoch vorher irgendetwas zu sich genommen habe, wies er von sich.

„Wenn Sie jedoch nicht mitbekommen, dass Sie zweimal auf ein Fahrzeug vor sich auffahren, dann sind Sie für mich komplett ungeeignet, ein Fahrzeug zu führen. Oder aber sie waren voll wie eine Strandhaubitze. Das würde es nicht besser machen, wäre aber immerhin eine Erklärung. Mir jedenfalls fehlen die Worte bei so einem Verhalten“, so die Richterin.

Der Führerschein ist ja eh schon weg. In Folge dessen muss er nun mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren - wofür er offenbar nicht gerne zahlt. Bei einer Fahrt von Wickede nach Dortmund wurde er beim Schwarzfahren ertappt. Auch dafür muss er sich noch verantworten, und auf die Ausrede darf man gespannt sein.

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