Freizeitspaß mit Tiefgang

Was Magnetfischer aus der Ruhr holen

Dennis Keggenhoff und Dominic Ihme auf der Brücke am Obergraben.
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Die „Initiative metallfreie Ruhr“: Dennis Keggenhoff und Dominic Ihme auf der Brücke am Obergraben.

Mit dem neuen Magneten macht’s erst richtig Spaß: André Schossow zieht die Leine langsam durchs Wasser, nachdem er den zwei Kilogramm schweren Neodym-Magneten an der Leine in den Obergraben geschleudert hat. Tochter Emma schaut gespannt zu. Schließlich zieht ihr Vater die Leine senkrecht hinauf. Ein längliches, verrostetes Metallteil hängt daran – ein typischer Fang eines Magnetfischers.

Wickede – Ob aus Freizeitspaß oder mit dem gesetzten Ziel, Badestellen der Ruhr von gefährlichen Metallteilen zu befreien: Das Magnetfischen ist eine spannende Angelegenheit. Auch, wenn die meisten Funde, die André Schossow „an der Angel“ hat, typische Spuren unserer Wegwerfgesellschaft sind: Die Dose, die niemand mehr braucht, der Laternen-Deckel, der im jugendlichen Überdruss abmontiert und ins Wasser geworfen wurde, das geklaute Fahrrad, dessen sich der Dieb entledigt hat.

Sogar erzhaltige Steine bleiben haften

Ab und zu sind auch schon besondere Stücke dabei. Einmal hatte André Schossow die Replik eines Bajonetts am Magneten – immerhin rund 40 Euro wert. Ansonsten aber sammelt er die Metallteile, bringt ab und zu einen Schwung zum Schrotthändler, um dafür ein paar Euro zu bekommen.

Geld verdienen kann man damit nicht, und bis die rund 170 Euro für den besonders staken Magneten wieder reingekommen sind, wird es wohl Jahre dauern. Immerhin hat der eine Zugkraft von vier mal 350 Kilogramm. Und wichtig für einen Magnetfischer auch die Eigenschaft, dass der Magnet nicht nur an der Unterseite, sondern auch rundherum Metall anzieht.

Sogar kleinste Teile bleiben haften. Münzen, Kronkorken oder auch die kleine Platine aus einem Elektrogerät, das offenbar vor Jahren schon im Ruhrwasser landete.

Interessant ist zudem ein anderer „Beifang“: Steine. „Das ist Eisenerz“, verrät Chemikant André Schossow, ein Material, dessen Eigenschaften er insbesondere durch das Trainingsbergwerk in Recklinghausen kennt, wo er bisweilen Führungen übernimmt. Das Erz im Gestein lässt die Bröckchen am Magneten kleben. Zieht Schossow die Steine mit der Hand ab und hält sie neben den Magneten, flutschen sie wie von Geisterhand wieder aus seinem Handschuh an den Neodym-Zylinder.

Dessen Handhabung ist übrigens mit Vorsicht zu genießen. Bereits durch den Beton spürt der Magnet den eingearbeiteten Stahl, vom Handlauf der Brücke lässt er sich nur noch mit einer Technik lösen. Und pendelt er beim Heraufziehen zu stark, dann springt der Magnet unter der Brücke an die Stahlträger. „Hatte ich auch schon. Da muss man dann unter die Brücke klettern und den Magneten losbekommen“, berichtet der Wickeder.

Andere Funde sind wiederum ein Fall für die Behörden. „Wenn ich ein Fahrrad herausfische, an dem noch die Nummer zu erkennen ist, melde ich das der Polizei“, sagte André Schossow. Vielleicht ein Diebstahl, den man mit der Nummer im Rahmen noch aufklären könnte.

Bei Sprengkörpern wird‘s kritisch

Kritisch wird es immer dann, wenn plötzlich eine Granate oder andere Munitionsteile am Magneten hängen. Dann empfiehlt sich, zum Beispiel das Ordnungsamt anzurufen, das dann den Kampfmittelräumdienst benachrichtigt. Wegen dieser Problematik ist das Magnetfischen in Hamburg übrigens verboten, berichtet André Schossow, weil dort im Krieg jede Menge Waffen, Munition und Sprengkörper im Wasser landeten.

Im Ruhrgebiet wiederum stoße man häufig auf andere Spuren menschlicher Irrwege: „Dort findet man oft schwere Geldschränke“. Die bekommt man mit dem Magneten natürlich nicht mehr hoch, selbst wenn die Seile mit ihrer Zugkraft schnell mal eine Tonne Zugkraft und mehr erreichen.

Ein ebenso begeisterter Magnetfischer ist Dennis Keggenhoff, der gemeinsam mit seinem Freund Dominic Ihme seit der Vorwoche als „Initiative Metallfreie Ruhr“ am Wasser ist. Das Ziel der beiden jungen Männer: Eine Ruhr, „in die man gefahrlos auch mal ‘reingehen kann, um sich abzukühlen. Oder Hunde gefahrlos schwimmen können“.

Gefahren im Wasser beseitigen

Im sozialen Netzwerk berichtet Dennis Keggenhoff unter anderem von einem „Angelausflug“ zur Bank an der Ruhr. Er äußerte sich „erschüttert und traurig zugleich, was ich da ‘raus geholt habe“. So fing sein Magnet einen Kronkorken ein, an dem aber noch ein abgesplitterter Flaschenhals steckte: „Wer da hineintritt, muss mit schweren Verletzungen rechnen“, sagt Dennis Keggenhoff.

Er jedenfalls hat sich vorgenommen: „Diesen Bereich werden wir noch mal genauer absuchen müssen, mit einem anderen Magneten, den man auch vom Ufer aus nutzen kann“. Das ist nicht nur spannend, sondern kommt auch der Sicherheit anderer entgegen: Erwachsene oder spielende Kinder, die durchs Wasser waten oder auch Tiere, die durch Spitzen oder messerscharfe Kanten unter Wasser gefährdet werden.

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