Das letzte Lied der Dreikönigssänger

Nach 20 Jahren geben sie den Stern weiter an den Nachwuchs: Echthausens altgedientestes Königstrio

ECHTHAUSEN ▪ Insgesamt 20 Jahre waren die drei Echthauser Rainer Westhoff, Benedikt Wolke und Thorsten Donner als Dreikönigssänger unterwegs. Am vergangenen Samstag machten sich die drei auf ihre Abschiedsrunde.

20 Jahre, dass ist schon eine stolze Zahl und eine lange Zeit. Nicht viele Echthauser kommen auf so viele Einsätze als König. Doch das besondere an Rainer Westhoff, Benedikt Wolke und Thorsten Donner ist, dass sie in all den Jahren immer nur in dieser Besetzung gesungen haben. Welche der emsigen Dreikönigssänger Echthausens sonst können das für sich verbuchen?

„Wir waren definitiv in jedem Echthauser Haus“, wissen die drei Sänger bestimmt und erzählen von den Anfängen: „Wir haben erst alle Bezirke getestet und uns dann für unseren Lieblingsbezirk rund um den Bolzplatz entschieden“. Diesem Bezirk blieb das Trio dann die letzten 15 Jahre treu.

Besonders die Gastfreundlichkeit wird in bester Erinnerung bleiben. „Hier wird man kaum vor der Tür stehen gelassen. Die Bewohner freuen sich auf die Könige und im Laufe der Jahre entwickelten sich viele kleine Rituale. Bei der einen Familie singt man vor dem Weihnachtsbaum, bei der anderen schreibt man das C+M+B auf eigens dafür vorgesehene Holz- oder Schiefertafeln“.

Übrigens ist es kein Geheimnis, dass man in Echthausen wie andernorts auch für entsprechende Leistung eine Gegenleistung erhält. Dies gilt nicht zuletzt für das Dreikönigssingen. Besagte Gegenleistung erfolgt nicht immer nur in Form von Geld für die Krippe. Vielmehr gibt’s für die Sänger ab und zu auch einen „Kleinen“ zum Aufwärmen. „Das gehört einfach zum Königssingen in Echthausen dazu“, weiß das Trio Westhoff, Wolke und Donner aus jahrzehntelanger Erfahrung. Die Hauptsache sei aber doch, „dass die Kasse stimmt“.

Schließlich gehe es um den guten Zweck. Und während der Großteil des Geldes an kirchliche Projekte fließt, bleibt ein kleiner Teil stets im Dorf . „Auch das war und ist den Echthausern immer wichtig“, wissen die altgedienten Königssänger.

Viele Projekte habe man als Spendenziel vorgeschlagen und unterstützt. In der Anfangszeit war dies vor allem die Caritas, später aber auch der Kindergarten, die Tafel oder die Palliativstation in Hamm.

Übrigens: In den ersten Jahren wurde das Singen noch von der KJG organisiert. Es gab drei alte Priestergewänder, der schwarze Kaspar musste sich selber schminken und gesungen wurde von donnerstags bis sonntags. Je nachdem, wie gut die Truppe des Vortages war, hatten die Nachfolger am nächsten Tag manchmal fast doppelt so viele Häuser wie heute zu besuchen. Irgendwie habe man das hinbekommen, „aber das war damals alles kein Vergleich zu heute, wo das Team um Hille Pieper seit Jahren für eine perfekte Organisation sorgt“.

Natürlich gibt’s da neben dem caritativen Einsatz nach 20 Jahren auch viele Dönekes zu erzählen. Zum Beispiel, wie man die Einnahmen für den guten Zweck optimieren konnte: „Auf wie vielen Geburtstagen, Jahreshauptversammlungen und Empfängen wir gesungen haben, wissen wir auch nicht mehr. Hier konnte man aber immer noch eine schnelle Mark extra machen, da viele Auswärtige vor Ort waren. Wir bekamen aber bei einigen auch etwas mehr Geld, wenn wir versprachen nicht zu singen“, erzählt das Trio und gibt offen zu, den Dienst als Königssänger relativ frei von Gesangstalent absolviert zu haben. Und dann war da gleich im ersten Jahr auf der oberen Mittelstraße noch dieser Wasserrohrbruch. Das ungesicherte Bauloch wurde dem Kaspar zum Verhängnis. Kopfüber stürzte er in eben dieses Loch. Die beiden anderen waren in der Zwischenzeit schon im nächsten Haus und hatten den Verlust gar nicht mitbekommen. Solche Geschichten gäbe es zuhauf zu erzählen.

Die Entscheidung zum Aufhören fiel übrigens im letzten Jahr ganz spontan und nach folgender Begebenheit: „Im zweiten Jahr als Könige sangen wir Drei auf der Pinkelparty von Pecks Ulli. Der kleine Niklas war geboren und man feierte zünftig in der Kellerbar. Als Niklas dann im letzten Jahr selber das erste mal als König unterwegs war, da war uns klar, dass unsere ,Nachwuchsarbeit’ erfolgreich war. Wir können also beruhigt in Ruhestand gehen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare