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Geschichten vom Scheiterhaufen: Anja Grevener liest in Wickede

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Lesung Hexenverfolgung  Scheiterhaufen Anja Grevener Bibliothek
Zufrieden war Anja Grevener (mitte) mit ihrer Lesung. © Schulze, Christa

Während einer Lesung in der Wickeder Bibliothek gab Autorin Anja Grevener Erschreckendes aus der Zeit der Hexenverfolgung zum Besten.

Wickede – Gebannt lauschten die Zuschauer den Ausführungen der Autorin Anja Grevener über die wahren Geschichten über Menschen, die im 16. und 17. Jahrhundert verfolgt, verleumdet und dann letztendlich auf grausame Art und Weise getötet wurden. Die Wickederin Anja Grevener ist Redakteurin und Lektorin für verschiedene Verlage und Magazine im Hauptberuf.

Irgendwann kam sie über ihren Vater, Ulrich Grevener, auf das Thema der sogenannten Hexenverfolgung und recherchierte daraufhin nicht nur in Wickede und Umkreis, sondern auch bis weit ins Sauerland hinein. In ihrem Buch „Giebelritt durchs Sauerland“ findet man 23 unterschiedliche Geschichten über Männer, Frauen und auch Kinder, die aufs Schlimmste durch Nachbarn und weitere Dorfbewohner angefeindet, die verleumdet und die aufs Übelste gequält wurden, sei es körperlich oder seelisch und die letztendlich durch Folterungen starben.

Folterqualen

In Winterberg wurden etwa sechs Frauen auf einem Scheiterhaufen am 15. Juli 1523 hingerichtet. Warum? Es mussten Gründe gesucht werden, weil beim Bierbrauen die Fässer kaputtgingen und andere unheimliche Dinge geschahen, wie zum Beispiel, dass die Kühe angeblich auf einmal keine Milch mehr gaben.
Einige Männer setzten deshalb Gerüchte über diese Frauen in die Welt, was letztendlich zu deren schrecklicher Folterung führte. Angesichts der enormen Qualen bekannten sich die Frauen schließlich zu Diebstählen, Zaubereien und anderen Delikten. Am Ende wurden diese Frauen lebendig dem Feuer übergeben.

Werwölfe in Oesbern

Schlimmer konnte das Leben nicht enden, denn bei anderen Prozessen wurden die Delinquenten vor dem Feuer durch einen Gnadenakt schon getötet, sodass sie sich nicht noch im Feuer quälen mussten. Auch in der unmittelbaren Nähe von Wickede wurden am 8. November 1628 zwei Männer, Billi Blesien und Franz Hellmich aus Oesbern, als Werwölfe hingerichtet. Auch hierbei bezogen die Ankläger die Familien der beiden Männer in die Verleumdungen mit ein. Und beide gestanden am Ende, „Werwölfe“ zu sein. Dadurch bekamen sie ein „milderes“ Urteil – das hieß nur, dass sie vor dem Verbrennen enthauptet wurden.

Unschuldig verurteilt

In der Nähe von Soest und Welver ereignete sich ein Mord beziehungsweise Totschlag des Stiefvaters an der Tochter seiner Ehefrau. Allerdings stellte er das beim Erzählen und Berichten an den Dorfschulten so dar, als wenn es ein Unfall gewesen wäre. Diesem Mann glaubten die Leute mehr als der Mutter des Mädchens, welche deshalb letztendlich als Zauberin verdächtigt wurde. Sie und ihre Söhne verhaftete und folterte man daher. Unter der Folter gestanden sie die Schuld und landeten auf dem Scheiterhaufen. Der schuldige Mann übernahm unbehelligt den Hof.

Wickeder erschüttert

Dieses sind nur einige der damaligen schrecklichen Ereignisse im Sauerland. Auch in Arnsberg, Hirschberg, Werl und in vielen anderen Orten ereigneten sich solche Hexenverfolgungen, am Ende landeten die Menschen nach einer grausamen Haft auf dem Scheiterhaufen, wo sie lebendig verbrannten. Diese Prozesse ereigneten sich im Zeitraum von 1550 bis 1650, in Winterberg kam es schließlich zum letzten Prozess dieser Art. Anna-Maria Rosenthal wurde am 10. Mai 1728 als letzte hingerichtet. Am Ende waren alle Besucher der Wickeder Bibliothek sehr beeindruckt von dieser Vorlesung und im Nachhinein noch sehr erschüttert über diese Art und Weise, wie mit unschuldigen Menschen damals umgegangen wurde. Christa Schulze

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