Kita-Leiterin Eva-Maria Berger

„Lebendigkeit wird mir fehlen“: Erzieherin nach 40 Jahren verabschiedet

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Ein Foto zum Abschied: Anja Nicolin Regionalleitung Trägervertreter KiTa gGmbH Hellweg, Laura Barisch als neue Leiterin, Eva-Maria Berger und Pfarrer Thomas Metten mit Kindern der Einrichtung.

Wickede - Der Kapitän geht von Bord: Eva-Maria Berger wurde nach 40 Jahren im Dienst als Erzieherin, davon davon 21 Jahre als Leitung der katholischen Kindertageseinrichtung St. Marien in Wickede in den Ruhestand verabschiedet.

Ihr beruflicher Weg führte Eva-Maria Berger schon früh zu St. Marien in Wickede. Ihr Anerkennungsjahr machte sie zuvor 1975 im St.-Antonius-Kindergarten. Den hatte sie übrigens als Vierjährige 1959 noch boykottiert – und lieber in der Erbke ihr Pausenbrot gegessen. Die Erziehungsmethoden zu diesen Zeiten gefielen ihr nicht: in der Ecke stehen mit dem Gesicht zur Wand oder wegen Zappelns am Stühlchen festgebunden werden. Das hat die gebürtige Wickederin aber nicht gehindert, in den Erziehungsberuf einzusteigen und an die alte Stätte zurückzukehren.

 In St. Marien betreuten sie und ihre Kolleginnen damals die Kinder noch in einem Wohnhaus in der Bergstraße. 1994 folgte dann der Umzug in einen Neubau, der noch heute die Kindertageseinrichtung beherbergt. „Unsere Ehemänner und die Eltern haben uns dann beim Umzug tatkräftig unterstützt,“ erzählt sie von dieser Zeit. 1998 übernahm Eva-Maria Berger dann die Leitung von Maria Kobbeloer.

"Leben hat sich verändert"

 Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Veränderungen, die die Arbeit in Kindertageseinrichtungen beeinflussten: „Das Leben in den Familien hat sich über die Jahre verändert, dementsprechend musste sich auch die pädagogische Arbeit ändern“, so Eva-Maria Berger. „Themen, wie U3-Betreuung, Inklusion oder Übernachmittagsbetreuung sind heute wichtige Aspekte und selbstverständlich in den Kindertageseinrichtungen.“ Diese Entwicklungen seien wichtig, damit die Kindertageseinrichtungen weiterhin ihrem Auftrag nachkommen können. „Die Arbeit mit den Kindern hat mir immer Spaß gemacht. Zu sehen wie sie wachsen, sich zunehmend entwickeln und selbständiger werden, hat mir viel gegeben.“ 

Sie habe viele Menschen kommen und gehen sehen, hunderte von Kindern mit ihren Eltern, viele Vikare, Gemeindereferenten und Pastöre, wie gestern auch Pfarrer Metten aufzählte. Dabei auch den Wechsel der Trägerschaft. Erst noch in kirchlicher Hand, bildet St. Marien mit den Einrichtungen St. Josef und St. Antonius seit 2008 ein Familienzentrum mit dem Träger Katholische Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH. 

Eva-Maria Berger, die den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Sprachförderung von Kleinkindern legte, schärfte das Profil der katholischen Kindertageseinrichtung St. Marien. Als eine der ersten Kindertageseinrichtungen bekam St. Marien das Zertifikat „Literaturkita NRW“, 2015 wurde sie als Erzählwerkstatt zertifiziert. „Mir ist es wichtig, dass man Kindern schon sehr früh einen Zugang zu Büchern ermöglicht. Die aktive Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Geschichten hilft den Kindern Dinge zu verstehen, Probleme zu lösen, Wissen zu erlangen.“ 

Ebenso sorgt die Zusammenarbeit der Einrichtungen für einheitliche Standards in der Erziehung, so auch in der Religionspädagogik. „Als katholische Kindertageseinrichtung ist es selbstverständlich, dass man den Kindern christliche Werte vorlebt und in deren Alltag integriert“, erklärt Eva-Maria Berger. Auch wenn sie im Ruhestand mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und häufiger ans Meer fahren will, gibt es Dinge aus ihrer Zeit bei St. Marien, die sie vermissen wird: „Ich habe hier so viele nette und interessante Menschen kennengelernt. Das Lachen der Kinder, ihre Begeisterungsfähigkeit, Entdeckerfreude und Herzlichkeit werde ich vermissen. Ebenso die gute Arbeit mit meinem Team. Diese Gemeinschaft und Lebendigkeit wird mir fehlen.“

Neue Leiterin

Die Leitung in der Einrichtung St. Marien hat nun Laura Barisch übernommen. „Der Marienkindergarten ist in sehr guten Händen", unterstreicht Eva-Maria Berger nach der einwöchigen gemeinsamen Übergabezeit.

Die 27-Jährige hat bisher in Sönnern drei Jahre lang den Antonius-Kindergarten geleitet und war dort vorher schon drei Jahre tätig. Nach Fortbildungen zur Leitungsführung sieht sie eine größere Einrichtung als neue berufliche Herausforderung, denn 71 statt bisher 20 Kinder und ein zehnköpfiges Team, das hat sie sich gewünscht. Zudem war sie sofort angetan von der Ausstrahlung des Marienkindergartens. Nach dem herzlichen Willkommen übernimmt sie nun als neue Kapitänin die Einrichtung, symbolisch bekam sie von der angehenden Ruheständlerin die Kapitänsmütze überreicht.  

Laura Barisch.

ate/lr

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