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Tod und Auferstehung an der Wand

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Von: Martin Hüttenbrink

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Kunstwerkteiel an der Wand
Das Kunstwerk im Gemeindesaal. © Martin Hüttenbrink

Tod und Auferstehung, eine zentrale, wenn nicht die wichtigste Kausalität des Glaubens überhaupt, ziert jetzt die Stirnwand des großen Saals im Martin-Luther-Haus. Diesen Namen nämlich trägt das mehrteilige Kunstwerk, das der Mescheder Benediktiner Bruder Abraham Fischer für die evangelische Kirchengemeinde geschaffen hat.

Wickede – Bei der Modernisierung des Saales war die eher dunkle Holzfläche der Südfront hinter einer vorgesetzten Trockenbauwand verschwunden. Mit ihrem strahlenden Weiß verleiht sie dem Raum zum einen mehr Helligkeit, dient zum anderen als Projektionsfläche für den Beamer. Andererseits aber bot sich die gänzlich ungestaltete Fläche an, als nach Fertigstellung des Saals Gemeindemitglied Delia Heck anmerkte, dass im Saal gar kein Kreuz zu finden sei.

Förderverein half

Mit Unterstützung des Fördervereins wurde der für seine Arbeiten bekannte Prior, Schmied und Künstler Bruder Abraham Fischer aus der Abtei Königsmünster in Meschede mit der Arbeit betraut. Herausgekommen ist ein mehrteiliges Werk, dessen Kombination jenen Zusammenhang von Tod und Auferstehung zum Thema hat.

Die Arbeit besteht zum einen aus einem Kreuz, dessen Proportionen an die Bauhaus-Stilistik angelehnt sind. Der Kreuzkörper besteht aus drei Lagen gebürsteten Aluminiums, hinter dessen Achsen jeweils eine Acrylfläche hervorragt, deren gelblicher Farbton bereits auf die Perspektive des Lebens im Tod verweist. Mittels zweier Sterne folgt die symbolhafte Überleitung zum Übergang ins ewige Leben, der zweiten großen Hälfte des Kunstwerks. Versehen mit den Inschriften „Auferstehung“ und „Wir sind frei“ greift die Tafel das Geschehen am Kreuz auf und weist den Weg in das ewige Leben, in die Freiheit, die der Tod nicht mehr begrenzt.

Für die Installation im Gemeindesaal gab es eine funktionale Auflage: Die einzelnen Elemente sollen so an der Südwand angeordnet sein, dass diese ihre Aufgabe als Projektionsfläche für den Beamter weiter erfüllen kann. Durch die gewählte Anordnung ist das gelungen.

Gleichwohl stellt Pfarrer Christian Klein ganz bewusst die Frage, ob sich die Einheit der Arbeit bei der Betrachtung sofort und automatisch erschließt, oder ob die Auslegung mit einem weiteren Element noch unterstützt werden kann. Eine Frage, die der Geistliche gerne auf breiter Ebene in der Kirchengemeinde erörtern möchte – Kommentare sind erwünscht.

Der Benediktiner Bruder Abraham Fischer wurde 1966 in Hildesheim geboren. 1985 begann er sein Studium der Katholischen Theologie, das er nach Stationen in Frankfurt und München in Münster mit dem Diplom abschloss. 1988 bat er um die Aufnahme ins Noviziat in der Benediktinerabtei Königsmünster. Wenige Jahre später legte er die Mönchsprofess ab und wurde 1994 zum Priester geweiht. Im selben Jahr begann er eine Ausbildung zum Metallgestalter.

2006 absolviert er die Meisterausbildung. Inzwischen ist Bruder Abraham Fischer Leiter der Abteischmiede und hat seinerseits bereits Mitarbeiter auf ihrem Weg zum Meistertitel begleitet. Die gestalterische Arbeit in der Schmiede wird dem Geistlichen und Handwerksmeister als Herzensanliegen zugeschrieben. „Zusammen mit den Mitarbeitern seiner Werkstatt befasst sich Pater Abraham mit den Fragen nach einem zeitgemäßen religiösen Zeichen, der liturgischen Gestaltung von Kirchenräumen und einer angemessenen Bestattungskultur“, schreibt der Verein „Klosterland“, der den Wert der Klosterkultur für die Gesellschaft sichtbar und nutzbar machen möchte.

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