Nager leben auch in Wickede

So will der Kreis Soest die Nutrias unter Kontrolle bekommen

Gelten als invasive Art: Die Nutrias stammen eigentlich aus Südamerika.
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Gelten als invasive Art: Die Nutrias stammen eigentlich aus Südamerika. 

Nutrias gibt es in Wickede schon seit einigen Jahren, doch wie soll der Mensch mit den Nagetieren umgehen? Der Kreis Soest hat da eine Idee.

Wickede – Im Dezember 2016 wurde erstmals ein Nutria in Wickede gesichtet. Nahe des Bootstegs der Kanuten im Mannesmann-Graben schwamm der Nager auf der Suche nach Nahrung. Damals ging man noch davon aus, dass das scheinbar einsame Tier lediglich ein Einzelgänger sei. Doch schon ein halbes Jahr später stellte sich heraus, dass das eben nicht der Fall war. Inzwischen leben mehrere Gruppen von Nutrias in der Wickeder Ruhr.

Nutrias, auch Biberratte oder Schweifbiber genannt, gehören zur Familie der Nagetiere und werden zwischen acht und zehn Kilo schwer. Sie haben rötlichbraunes Fell, stammen ursprünglich aus Südamerika, kamen aber durch Pelztierfarmen nach Europa. Dort entwischten ein paar Exemplare und begründeten damit die heute wild lebende Population.

Immer wieder Schäden durch die Nager

In Teilbereichen der Ruhr und auch der Lippe sorgen Nutrias immer wieder für Schäden. Ihr Höhlenbau wirkt sich oftmals negativ auf den örtlichen Deichbau aus und auch Fressschäden verursachen sie. Die Nager sind reine Pflanzenfresser und setzen so der heimischen Flora arg zu.

„Wir wissen, dass es ab und zu mal zu Problemen mit Nutrias kommt“, meint Britta Balt vom Ruhrverband. „Doch ein größeres ist uns derzeit nicht bekannt.“ Ulrich Detering von der Bezirksregierung in Arnsberg berichtet da schon von anderen Situationen. „Es gibt durchaus Bereiche, in denen die Nutria-Population so groß ist, dass wir dort starke Schäden merken“, sagt er. „In Witten zum Beispiel ist der Bestand so groß, dass der Naturschutz schon fordert, dass er reduziert wird.“ Im Klartext heißt das: die Nutrias sollen zum Abschuss freigegeben werden.

Milde Winter sind gut für Nutrias

Ein allgemeines Problem gäbe es mit den Nutrias allerdings nicht, betont Detering. „Es ist regional sehr unterschiedlich“, erklärt er. „Im Großen und Ganzen ist die Population bei uns nicht dramatisch.“

Das kann sie jedoch schnell werden. Nutrias vermehren sich rasend schnell, manche Menschen finden sie sogar süß und füttern sie deshalb. Das alles hilft den Nagern, sich in Ruhe zu verbreiten. „Harte Winter können ihnen aber sehr stark zusetzen, da sie als südamerikanische Art daran nicht angepasst sind“, weiß Detering. „Doch unsere letzten Winter waren sehr mild, das hat den Nutrias kaum geschadet.“

Daher will der Kreis Soest den Nagetieren nun auf den Pelz rücken und hat eine Fangprämie von 8,50 Euro pro Tier ausgerufen. Eine EU-Verordnung stuft die Nutrias als invasive Art ein, die bekämpft werden müsse. Das und die durch Nutrias verursachten Schäden ermöglichen das Töten der Biberratten. Jäger dürfen die Tiere daher im Rahmen der befugten Jagdausübung abschießen, Nicht-Jäger benötigen dafür eine waffenrechtliche Erlaubnis und einen Sachkundenachweis.

„Werden die nie wieder los“

Die vom Kreis ausgelobte Prämie muss im Vorfeld beantragt werden und kann von jeder jagdberechtigten Person geltend gemacht werden. Die Bekämpfung mithilfe von Lebendfallen ist ebenfalls erlaubt, Totschlagfallen verbietet der Kreis allerdings ausdrücklich. Ein selektives Bejage sei dadurch nämlich nicht möglich.

Doch auch wenn der Kreis alles tut, um der Nutria-Population zu schaden, ganz wird die Verwaltung der Situation nicht Herr werden können. „Wir werden die nie wieder los“, prophezeit Detering. „Wir müssen daher einen Weg finden, mit ihnen klarzukommen.“

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