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„KaDeWi“ Thema der Soziologie

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Von: Martin Hüttenbrink

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Gratulation an das „KaDeWi“-Team um Franz-Josef Köpikus (4.v.r.) und Stellvertreterin Silke Krause (4.v.l.): Caritas-Vorstand Lutz Gmel und Fachbereichsleiterin Burgis Korte (v.r.) honorierten in dieser Woche mit anerkennenden Worten und großem Blumenstrauß, dass Wickedes Sozialkaufhaus sogar Zugang in eine Buchneuerscheinung der Soziologie findet, das von der Mitarbeiterin links im Bild gezeigt wird. Foto: Hüttenbrink  © Martin Hüttenbrink

Das Buch „Miteinander, Füreinander - Zivilgesellschaft in Nordrhein-Westfalen“ ist eine aktuelle Beschreibung der großen Bandbreite bürgerschaftlichen Engagements in unserem Bundesland. Die Autoren Matthias Freise und Andrea Walter geben auf 250 Seiten einen Überblick über die enorme Spanne des zivilgesellschaftlichen Lebens im größten deutschen Bundesland. Mit dabei unter anderem das „KaDeWi“ der Caritas im Herzen Wickedes.

Wickede - Die 2014 gegründete Einrichtung, die sich mit einem umsichtig und behutsam komponierten Konzept zu einem soziokulturellen Zentrum für so ziemlich alle Bevölkerungsschichten der Gemeinde entwickelt hat, findet sich mit einem Foto in der wissenschaftlichen Arbeit wieder. „Von der Bluse über Bücher, Spielzeug und Porzellan bis hin zum Sofa speist sich das gesamte Angebot aus Sachspenden“, heißt es in dem neuen Buch.

Die Caritas im Kreis Soest als Träger versteht die Erwähnung in einer akademischen Schrift, die nicht zuletzt als Lehrmaterial im Fach Sozialwissenschaften vorgesehen ist, durchaus als Bestätigung der Arbeit. Und weil die maßgeblich vom Team vor Ort getragen wird, kamen Caritas-Vorstand Lutz Gmel und die Fachereichsleiterin „Soziale Dienste“, Burgis Korte, in dieser Woche eigens nach Wickede, um sich bei den Mitarbeitern im Kaufhaus an der Kirchstraße für ihre erfolgreiche Arbeit zu bedanken. 

Mit Marktleiter Franz-Josef Köppikus und Stellvertreterin Silke Krause an der Spitze hat die Mannschaft in Wickede einen Anlaufpunkt geschaffen, dessen niederschwelliger und unkomplizierter Zugang von allen Bevölkerungsgruppen genutzt wird.

Das liegt nicht zuletzt an der Wertschätzung, die an der Kirchstraße nicht nur den Menschen, sondern auch den Sachspenden entgegengebracht wird. Weiß das Team doch, dass sich viele Menschen von ihren ideellen und materiellen Werten als Spende dann gut trennen können, wenn sie die Spenden in guten Händen und einer wertigen weiteren Verwendung wissen.

Von zunehmender Bedeutung ist dabei der Umweltgedanken, den die Caritas in einem neuen Flyer mit den Schlagworten „Nachhaltig - Sozial - Klimaneutral“ umschreibt. Die Weiterverwertung gut erhaltener Gebrauchsgegenstände schont Ressourcen, weil Energie und Rohstoffe zur Herstellung eingespart werden, die Waren stattdessen zu einem sozialen Preis weitergegeben und genutzt werden können und zudem bisweilen origineller sind als ein Neuerwerb.

“Ein gelungener Weg gegen die Wegschmeißmentalität“, gratulierte Caritas-Vorstand Lutz Gmel vor Ort, verortete Wickedes „KaDeWi“ als ein „Zentrum am Puls“, das ohne jede Schwelle Menschen Zugang und Kontakt ermögliche. Dass die Einrichtung in der Zustandsbeschreibung der Zivilgesellschaft in NRW Erwähnung findet, honoriert die erfolgreiche Arbeit vor Ort. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man in so ein Buch kommt“, so Gmel.

Doch das „KaDeWi“ ist nicht nur Stöbermeile für die nachhaltige Second-Hand-Nutzung und nicht nur Treffpunkt, dessen Wiedereröffnung nach der Corona-Zwangspause ein Besucher freudig mit dem Satz kommentierte: „Ich könnte euch so drücken“. Das Haus bietet im Rahmen der Kooperation mit der Arbeitsagentur auch Maßnahmen zur Wiedereingliederung bei Langzeitarbeitslosigkeit.

Mit einem speziellen Hygienekonzpt konnte diese Funktion während der Corona-Zeit aufrecht erhalten werden. Eine Handvoll Teilnehmer waren während der Schließung des Kaufhauses in der angegliederten Werkstatt mit verschiedensten Arbeiten beschäftigt. Aber auch sie freuten sich, als ab März zunächst stundenweise erneut geöffnet wurde.

Mittlerweile ist das „KaDeWi“ wieder zu den gewohnten Zeiten montags bis freitags von 9.30 bis 18 Uhr zugänglich, gibt es hier auch wieder einen Kaffee - natürlich nach wie vor mit Corona-Vorsichtsmaßnahmen wie der Maske.   

   
Der besondere Charakter der Einrichtung fand schon während der stundenweisen Öffnung wieder seine Akzeptanz. Gute gebrauchte Gegenstände wie Möbel, Textilien und Haushaltswaren zu fairen Preisen - dieses umwelt- und ressourcenschonende Angebot wirkt etwa durch Kontakte zur Familie in Wickede mittlerweile bis nach Köln oder Berlin. Und als wertschätzender Abnehmer für hochwertige Gebrauchtgegenstände ist das Team um Franz-Josef Köppikus inzwischen nicht nur vor Ort, sondern in der gesamten Region gefragt.

Was noch fehlt, sind die kulturellen Höhepunkte, die mit verschiedenen Konzerten bisher ebenfalls zur Publikumsvielfalt im „KaDeWi“ beitrugen. Hier gibt es Corona-bedingt noch keine aktuelle Planung.  

„Nordrhein-Westfalen verfügt über eine sehr bunte und vielfältige Zivilgesellschaft“, schreiben die Autoren des Buches „Miteinander - Füreinander“. In elf Kapiteln geben sie einen aktuellen Überblick, illustrieren die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements für das Zusammenleben der Menschen und verdeutlichen die Herausforderungen, vor denen die Zivilgesellschaft in NRW steht.

Privatdozent und Professorin als Autorenduo

Autor Matthias Freise ist Privatdozent und Akademischer Oberrat am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Autorin Andrea Walter, die im Rahmen der Recherche selbst nach Wickede kam, ist Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW in Dortmund.

Unter der Überschrift „Kostenlos, aber nicht umsonst“, betteten die Autoren Bild und kleinen Text vom „KaDeWi“ in das Kapitel „Aktuelle Trends im Spendenwesen“ ein.  

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