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Jeder Nikolaus reitet auf einem Pferd vom Hof Arndt

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Von: Heyke Köppelmann

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Sie überraschten am Nikolaustag die Schulkinder: Tobias Rahmann, Pferd Gaja und Anna-Lena Arndt vom Reitehof Arndt. 
Sie überraschten zum Nikolaustag die Schulkinder: Tobias Rahmann, Pferd Gaja und Anna-Lena Arndt vom Reiterhof Arndt. © Köppelmann, Heyke

Mag in Corona-Zeiten auch vieles anders sein, in Wickede-Wiehagen ist und bleibt es so, dass das Pferd für den Nikolaus vom Hof Arndt kommt.

Wickede/Wiehagen – Zum Reiterstübchen in Wiehagen zurückgekehrt, lässt sich Tobias Rahmann erst einmal einen leckeren Stutenkerl mit Schokolade schmecken. Den hat er sich verdient. Auch Anna-Lena Arndt sitzt mit am Tisch, die Stimmung ist bestens. Wie sollte es auch anders sein? Haben sie doch gerade erst in viele strahlende Kinderaugen gesehen und fröhliche Lieder gehört. Der 23-jährige Student der Tiermedizin machte sich am Montag gut in der Rolle des Nikolaus. Wie es die Tradition will, trat er seine Reise hoch zu Ross an, seit vielen Jahren schon tragen Pferde vom Reiterhof Arndt den Nikolaus sicher durch die Straßen.

„Das war immer so. Unsere Pferde sind von Anfang an dabei“, erinnert sich Theo Arndt, der genau weiß, wie es war, als sich etwa in den 1960er-Jahren der Nikolaus sogar noch mit Knecht Ruprecht auf den Weg machte. Er erzählt auch von den Herolden als Begleitung. Wohl jeder in Wickede oder Wiehagen weiß Geschichten dieser Veranstaltung, die im Jahreskalender nicht fehlen darf. Doch Corona macht vielen, die planen und vorbereiten, einen Strich durch die Rechnung. Auch die übliche große, gemütliche Feier zum Gedenktag des bekannten Heiligen fiel aus. Ganz verzichten sollten die Kinder aber nicht: Also nahmen die Leute vom Reiterhof die Sache in die Hand – und auf ging’s zu den Grundschulkindern.

Die besondere Atmosphäre der Nikolausfeier ist bekannt und hat in früheren Jahren immer wieder auch auswärtige Besucher ins Dorf gelockt. Der Nikolausritt gehört zu den beliebten Veranstaltungen, und immer waren es viele Helfer, die zum Gelingen beitrugen. Theo Arndt nennt unter anderem die katholische Kirche, den Förderverein „Dorf Wiehagen“, den Schützenverein, den Kindergarten, den Chor Cantalinos, die sich alle dafür einsetzen, den schönen Brauch zu bewahren. Mit seinen 23 Jahren ist Tobias Rahmann ein junger Spund im Reigen der Nikoläuse, die sich in Wiehagen einen Namen gemacht haben, wie Anton Lange, Theo Arndt sen., Diakon Eugen Frankenberg und natürlich Amtsinhaber Knut Hornkamp. „Es war immer wunderbar“, unterstreicht Theo Arndt. Für Tobias Rahmann war es noch ungewohnt, den Rauschebart und den roten Mantel zu tragen. Manchmal verrutschten die weißen Wuschellocken und schoben sich über die Augen, doch er hatte dennoch alles gut im Blick. Geduldig trug ihn Pferd Gaja morgens zu den Schulhöfen und zurück.

„Es war eine schöne Aktion“, sagt Brigitte Tavus, Leiterin der Engelhardschule. Die Kinder begrüßten den gern gesehenen Gast mit dem Lied „Sei gegrüßt, lieber Nikolaus.“ Besonders witzig fanden vor allem die Erstklässler, dass das Pferd auf den Schulhof äppelte.

Wieder am Hof Arndt angekommen, packte Tobias Rahmann die Utensilien in den Koffer. Dort ruhen sie nun – vielleicht bis zum nächsten Jahr. Theo Arndt antwortet auf die Frage, warum in Wiehagen der Ruprecht von der Bildfläche verschwunden ist: Da habe sich die Dorfjugend früher manchen Schabernack erlaubt. Den Nikolaus ließen sie in Ruhe: „Bei dem haben sie sich nicht getraut, sonst hätte es keine Geschenke gegeben.“

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