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Wickede baut eine Mauer

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Von: Klaus Bunte

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Feuerwehr spritzt mit Wasser
Mauer statt abpumpen: Die Gemeinde legt jetzt einen Hochwasserschutz am Ruhrufer an. © Hüttenbrink, Martin

Die Gemeinde Wickede will noch in diesem Jahr und bis ins kommende hinein mit ihren Maßnahmen zum Hochwasserschutz für Siedlungs- und Gewerbegebietsflächen am nördlichen Ufer der Ruhr beginnen. Sie betreffen auf rund 700 Metern Länge den Bereich am nördlichen Ruhrufer zwischen dem sogenannten „Mannesmannwehr“ im Westen und der Ruhrbrücke der B63/„Mendener Straße“ im Osten.

Wickede – Für die Flächen liegt gemäß den Richtlinien des Landes NRW ein signifikantes Überschwemmungsrisiko vor, erforderlich sind daher Schutzmaßnahmen, die auf ein Jahrhunderthochwasser (HQ100) ausgelegt sind. Der Hochwasserschutz ist gesetzliche Pflichtaufgabe für die Gemeinde. In den kommenden Sitzungen des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Rats am 3. und 8. Februar soll der aktuelle Stand vorgestellt werden. Auf Anfrage hat die Verwaltung dem Anzeiger die Planungen bereits mitgeteilt.

Die Gemeinde kombiniert ihre Maßnahmen mit den umfangreichen Geländearbeiten, die das Land zur Renaturierung der Ruhr westlich des Mannesmannwehres bis zur Gemeindegrenze zu Fröndenberg umsetzen wird. Durch die Verwendung anfallenden Bodenaushubs sollen Synergien geschaffen werden, baulich wie finanziell.

Die Arbeiten wurden 2021 mit den zuständigen Behörden abgestimmt und im letzten Quartal des Jahres von der Bezirksregierung genehmigt. Sie halten auch die Bedingungen der am 16. November 2021 bewilligten Landesförderung ein. Die Vergabe der Bauarbeiten erfolgt im Haupt- und Finanzausschuss. Im Haushalt sind für die Jahre 2022 und 2023 insgesamt 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Eine Förderzusage des Landes über 1,2 Millionen Euro liegt vor.

Dreh- und Angelpunkt ist eine etwa 430 Meter lange Hochwasserschutzmauer. Sie beginnt etwa 40 Meter unterhalb der Ruhrbrücke mit einem Freibord von einem halben Meter über dem errechneten HQ100. Geplant ist eine durchgängige Betonmauer, die circa 1,5 Meter tief in das vorhandene Gelände eingebunden ist, um die Sickerlinie zu unterbrechen und genügend Auflast zu generieren. Die Mauer verläuft etwa bis zur Einmündung der Straße „Erlenbusch“. Ihre Lage wurde so gewählt, dass der flussseitige Grün- und Gehölzstreifen mit zum Teil größeren Bäumen weitgehend erhalten bleibt.

Ab der Einmündung Erlenbusch ist zum Schutz der Kläranlage des Ruhrverbands eine Kombination anderer Maßnahmen geplant. Zum einen soll die Straße Ruhrufer in Richtung Fröndenberg nach Norden verschwenkt und in eine Hochlage gebracht werden, die höher liegt als der prognostizierte Wasserstand eines HQ100.

Auch die Flächen nördlich des neuen Straßenverlaufes werden etwa bis zu den Grundstücksgrenzen der Wickeder Kläranlage flächig bis auf eine Höhe von 135,30 Meter über dem Meeresspiegel angefüllt, sodass diese zukünftig komplett oberhalb der Wasserspiegellage eines HQ100 liegen und damit kein Wasser mehr in die nördlich und westlich gelegenen Gewerbe- und Siedlungsflächen eintreten kann. Der Anschluss nach Fröndenberg und der zur Nachbarstadt gehörende anschließende Straßenteil werden in Kooperation beider Kommunen gleichzeitig angepasst.

Ruhruferstraße wird breiter angebunden

Durch die Anlage der Mauer muss die Straße Ruhrufer auf ganzer Länge um zwei Meter nach Norden, also zur bebauten Seite hin, verlegt werden. Die Entwässerung erfolgt über die Schulter (Bankett) in eine Versickerungsmulde. Die Baustrecke beträgt rund 340 Meter. Damit Lkw die Straße künftig leichter befahren können, wird im östlichen Anbindungsbereich die Kurve verbreitert. Im Westen der Ruhruferstraße erfolgt die Sanierung der Straße Erlenbusch samt Ecke Erlenstraße.

Losgelöst vom Hochwasserschutzprojekt, aber in die gesamten Bauarbeiten integriert, wird auf der westlichen vom Erlenbusch gelegenen Ackerfläche ein Parkplatz angelegt, der werktags Parkprobleme auf der öffentlichen Straße beseitigen und abends sowie an den Wochenenden den Besuchern des renaturierten Ufers zur Verfügung stehen soll. In der Straße Erlenbusch wird dazu noch ein Mischwasserkanal für die Straßenentwässerung und gegebenenfalls für gewerbliche Schmutzwasseranschlüsse vorgesehen.

Die jetzige Unterführung der Ruhrbrücke im östlichen Planbereich soll für die spätere Errichtung eines breiten Rad- und Gehweges tiefbautechnisch vorbereitet werden. Das erfolgt durch Vorschüttung und Kolkschutz ohne technische Wasserhaltung der Ruhr. Was hierzu an Boden und Steinen benötigt wird, soll ebenfalls aus der Renaturierung der Ruhr (Bauherr ist die Bezirksregierung) gewonnen werden. Das Material wird rückwärts über eine Rampe oder Baustraße zum Einbauort gebracht und muss dort geladen, gefördert und unter der niedrigen Brücke eingebaut werden.

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